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Eine Übung pro Monat

 

Schreibübung Januar 2021

 

Kreative Methoden 4: Ecriture automatique und ihre Möglichkeiten

 

 

Diese Reihe von Übungen richtet sich vor allem an diejenigen, die klagen, dass ihnen nichts einfällt. Nun könnte man sagen, dass man ja nicht schreiben muss, wenn einem nichts einfällt. Aber viele finden nur nicht den Zugang zu ihrer Fantasie - der Faden, an dem sie entlang zu ihren Geschichten gelangen, ist zu gut eingewoben in das Netz des Lebens, verborgen unter den Schleiern des Alltags - man spürt, dass da etwas ist, bekommt es aber nicht zu fassen.

 

Fast alle kreativen Übungen versuchen durch Ausschaltung von Bewusstseinsprozessen, die zu sehr von unseren kognitiven Denkvorgängen kanalisiert sind, wieder Zugang zur Fantasie zu finden. Durch kontrastreiche Reize sollen intuitive Reaktionen hervorgerufen werden, durch den Verzicht auf bewusstes Nachsinnen und Planen, ein flow entstehen, durch den Ideen, Bilder wachgerufen werden, die wie ein Traum in den Text einfließen.

 

So gehen auch die Ursprünge der Écriture automatique auf die Psychologie zurück. Ein Patient erhält neue Ideen bzw. neue Kombinationen von Ideen, um unbewusste Eindrücke und Erlebnisse verarbeiten.

Diese Methode wurde von den Surrealisten übernommen und sollte traumhafte und spontane Momente von Kreativität erzeugen, die sich der gedanklichen Kontrolle widersetzten.


Um zu erfahren, wie das geht, lassen wir Andrè Breton am besten selbst zu Wort kommen:

 

„Lassen Sie sich etwas zum Schreiben bringen, nachdem Sie es sich irgendwo bequem gemacht haben, wo Sie Ihren Geist so weit wie möglich auf sich selbst konzentrieren können. Versetzen Sie sich in den passivsten oder den rezeptivsten Zustand, dessen Sie fähig sind. Sehen Sie ganz ab von Ihrer Genialität, von Ihren Talenten und denen aller anderen. Machen Sie sich klar, dass die Schriftstellerei einer der kläglichsten Wege ist, die zu allem und jedem führen. Schreiben Sie schnell, ohne vorgefasstes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen. Der erste Satz wird ganz von allein kommen, denn es stimmt wirklich, dass in jedem Augenblick in unserem Bewusstsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden.“

 

Wir haben in Seminaren diese Methode vor allem angewendet, um ein weißes Blatt Papier zu füllen, wenn man nicht weiß, was man schreiben soll, aber auch um:

 

  • zu einem Projekt umfangreiche neue Ideenwelten außerhalb der naheliegenden Ideen zu erschließen

  • nach längerer intensiver Schreibarbeit das sprachliche Reservoir wieder aufzufüllen, wenn man ermüdet ist, vom Formulieren

Gerade die letzte Anwendung hat sehr viel Erfolg gebracht bei Übersetzern und Sachbuchautoren, die schnell und viel mit Sprache arbeiten. Selbst wenn Sie nicht zu dieser Gruppe zählen, können Sie es einfach ausprobieren und werden überrascht sein, was dabei herauskommt.

 

 

Übung

 

Machen Sie es sich bequem zu einer Zeit, in der sie mindestens eine halbe Stunde nicht gestört werden.

Versuchen Sie alles an aktuellen Gedanken und Problemen zu vergessen. Wenn Sie aber von einer Sache nicht loskommen, dann nützen Sie diese als Ausgangspunkt. Schreiben Sie einen ersten Satz, indem Sie das Problem formulieren, zum Beispiel: Ich liebe Anna, aber sie hat kein Interesse an mir, weil sie.... Schreiben Sie ohne zu denken in langen reihenden Sätzen alles auf, aber wirklich alles, was Ihnen in den Sinn kommt. Fällt Ihnen nichts mehr ein, Sie schreiben Sie darüber, warum Ihnen nichts einfällt. Genauso können Sie auch beginnen. Ich kann nicht schreiben, weil...

 

Schreiben Sie auf jeden Fall mindestens fünfzehn Minuten. Dabei können Sie zwischen verschiedenen Varianten wählen.

 

Der surrealistische Weg (von Breton empfohlen): Sie dekonstruieren permanent ihren Text, indem Sie wieder immer - wie Andre Breton vorschlägt - einen anderen Weg wählen, sobald ihr Text Sinn ergibt. Sie legen vor der Übung einen Buchstaben fest und nehmen, wenn ihr Text an Zusammenhang gewinnt, ein Wort, dass mit diesem Buchstaben anfängt und schreiben mit dem weiter, was Ihnen das Wort an Assoziationen gibt, gelangen in eine andere Richtung des Denkens.

 

Der Weg zu einer Geschichte: Sie lassen sich von Bild zu Bild treiben, bis sie plötzlich merken, dass Sie in eine Geschichte geraten sind, die Sie interessiert. Die Figuren festigen sich und lassen sich nicht mehr aus dem Text vertreiben. Schreiben Sie auf jeden Fall weiter, bis Sie das Gefühl haben, die Geschichte ist fertig.

 

Ideensammlung zu einem Projekt: Beginnen Sie mit einem Moment aus Ihrem Projekt und schreiben Sie, indem Sie sich immer wieder vom Kern Ihres Projekts entfernen, dann wieder annähern, indem Sie bisher nicht Gedachtes aufnehmen und verbinden mit Ideen, die Sie bereits gehabt haben. Versuchen Sie sich treiben zu lassen, möglichst weite Kreise zu ziehen, um Ihr Projekt zu bereichern.

 

Ganz gleich, welchen Weg Sie wählen, halten Sie eine Zeitlang durch und Sie werden sehen, dass dadurch in Ihnen wirklich etwas passiert. Auch wenn die Finger hinterher schmerzen, wird Ihr Kopf am Ende entspannt auf das Geschriebene schauen und sich daran freuen.

 

Viel Vergnügen und kreative Momente

 

Arwed Vogel

 

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