Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

Schreibübung Juli 2022

 

Kurzprosa 6: Umstellung der Ereignisfolge


 

 In unserer letzten Übung zur Kurzprosa haben wir uns mit der erzählerischen Ausweitung in die Vergangenheit beschäftigt. Obwohl als Kriterium für eine Kurzgeschichte immer das Gebot der Einheit der Zeit und des Ortes genannt wird, haben wir erlebt, wie sich andere Zeitebenen in eine Kurzgeschichte einfügen lassen. Schließlich ist die Kurzgeschichte eine Form, mit der sich gut experimentieren lässt.

In dieser Übung geht es um die Umstellung der Ereignisfolge. Üblicherweise wird eine Kurzgeschichte linear erzählt. Vor allem bei Geschichten mit einem zentralen Ereignis wird man nicht auf die Idee kommen, die Handlung umzustellen. Aber bei allen Texten die etwas länger sind (und das gilt natürlich auch für Erzählungen) kann man zur Spannungserzeugung Ereignisse umstellen.

Das hat man nur nicht immer im Bewusstsein und so werden viele Effekte verschenkt, ganz schlicht, weil man nicht an diese Möglichkeiten denkt.

Zwei Umstellungen seien hier genannt, die aber nur inspirieren sollen:


 

  1. Vorverlegung: Bei dieser Variante wird ein Ereignis, das kurz vor dem Höhepunkt liegt, als Eröffnungsszene nach vorne genommen. Dadurch kommt eine Szene an den Anfang, die bereits ein beträchtliches Spannungsmoment hat. Nach der Szene wird dann ganz normal in der normalen Ereignisfolge der Geschichte eingestiegen und sie durcherzählt. Die vorverlegte Szene wird nur - wenn sie an die Reihe kommt - kurz angesprochen oder etwas anders als am Anfang erzählt. Diese Variante eignet sich besonders für Geschichten, die einen längeren Anlauf haben, indem nicht viel passiert.

  2. Verschränkung: Bei dieser Umstellung wird die Geschichte in zwei Teile, einen vorderen und hinteren Teil getrennt. Die vordere Teil wird weiter in einzelne Erzählpartien zerlegt und dann an verschiedenen Stellen in den hinteren Teil einmontiert. Es entsteht ein Wechsel zwischen Ereignissen des ersten Teils und des zweiten Teils. Dabei beginnt die Geschichte mit dem ersten Ereignis des zweiten Teils, dann folgt das erste Ereignis des ersten Teils und so fort. In dieser Variante springt der Leser zwischen dem aktuellen Teil (der hintere Teil) und dem was vorher passiert ist (der vordere Teil) hin und her. Diese Erzählweise eignet sich besonders, wenn sich starke Spannungsmomente im vorderen Teil der Erzählung befinden oder die Informationen des vorderen Teils für das Verständnis des hinteren Teils unumgänglich sind, so dass sie erst Stück für Stück beim Erzählen enthüllt werden, was zusätzlich Spannung erzeugt.


 

Solche Umstellungen zeigen, dass der Autor, die Autorin sich Gedanken machen über ihren Stoff und souverän über ihn verfügen. Beim Schreiben kann man natürlich linear den Text durcherzählen. Sich hinterher Gedanken zu machen ob eine Umstellung nicht doch mehr Spannung mit sich bringt, heißt mit den Augen des Lesers die eigenen Geschichte anzuschauen und neue interessante Lösungen zu suchen.


 

Übung:


 

  1. Dann probieren Sie das doch einmal aus: Schreiben Sie eine Geschichte und versuchen Sie im Anschluss eine Umstellung der Ereignisfolge: Als Vorverlegung und als Verschränkung. Vielleicht werden Sie merken, dass diese Momente sich nicht für jede Geschichte eignen. Sie können natürlich auch mit einer bereits geschriebenen Geschichte experimentieren.

  2. Gönnen Sie sich den Versuch mit einer Geschichte eines anderen Autors zu experimentieren. Wenn Sie in einer Schreibgruppe sind, tauschen Sie Ihre Geschichten aus und stellen Sie die Ereignisfolge einer Geschichte um, die Sie nicht geschrieben haben.

 

Und natürlich können Sie weitere Möglichkeiten entwickeln, die Handlungen einer Geschichte durch Umstellung der Ereignisse spannender zu gestalten!

 

Herzliche Grüße

 

Arwed Vogel

 

 

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