Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

 

Schreibübung September 2018

 

 

Spannungserzeugung: Verzögerung durch Einschübe

 

 

Spannung erzeugen bedeutet, den Leser in einen unruhigen Zustand zu versetzen, indem er es kaum erwarten kann, eine Antwort auf die Fragen zu finden, die wir in seinem Kopf verankert haben. Durch verschiedene Techniken spannende Anfänge zu schreiben, die wir in diesen Übungen gezeigt haben, gelingt das - nun müssen wir die Spannung aufrechterhalten.

Dies lässt sich auf verschiedene Weise erreichen. Eine wichtige Methode ist die Verzögerung der Handlung. Wir erzählen nicht schnell und dynamisch weiter, sondern versuchen, nachdem die Spannung ein gewisses Niveau erreicht hat, den Weitergang zu verzögern, indem wir zusätzliche Informationen einflechten, die der Leser zum Verstehen der Handlung nicht unbedingt braucht und eigentlich auch gar nicht lesen will.

Da gäbe es zwei Varianten, mit der leichteren und bekannteren beschäftigen wir uns diesen Monat - der Verzögerung durch einen Einschub.

 

Ein altbekanntes Verfahren, dass schon Erzähler mindestens seit dem 18. Jahrhundert angewandt haben. Damals hat man den auktorialen Erzähler von unbedeutenden Vorgängen, Nebensächlichkeiten berichten lassen. Man bezeichnet dies als abschweifenden Erzähler. Das hatte nicht nur mit Spannungserzeugung zu tun, sondern spiegelte auch das Denken der damaligen Zeit. Unabhängig davon kennen wir dieses Phänomen aus dem täglichen Leben: Wie gerne hören wir Menschen zu, die nicht zur Sache kommen, in Schleifen erzählen. Wir stehen daneben, müssen aber zuhören, weil wir eine wichtige Information aus ihrer Rede entnehmen wollen.

 

Lieber Leser, nachdem Sie mir so getreu gefolgt sind und das Drama gut verfolgt haben und Sie es sicher verdient hätten, das ende der Geschichte gleich erzählt zu bekommen, muss ich mich nun leider mit einer anderen Angelegenheit beschäftigen, die zum Verständnis der Sache nicht unbedeutend sein kann, wie Sie gleich sehen werden...

 

Nicht selten wird da der heutige aktionsgewohnte Leser verdrossen weiterblättern, um die Stelle zu finden, an der sich die Handlung fortsetzt.

Zudem arbeiten wir heute selten mit einer starken auktorialen Erzählposition und können demzufolge nicht mehr abschweifen.

Wir müssen also anders vorgehen.

 

In der personalen Erzählsituation kann man ja das Gleiche erreichen, indem man als Einschub entweder eine Nebenhandlung einbaut oder Informationen über eine Sache einfügt, die der Leser nicht haben will.

Der Geheimagent läuft auf der Flucht durch den Dschungel, stolpert über eine Wurzel, der Verfolger ist fast bei ihm, da erklären wir dem Leser ausführlich, um welche Wurzel es sich handelt. Der Effekt dürfte derselbe sein. Der Leser wird weiterblättern, um zu erfahren, wie sich der Held aus dieser biologisch bedingt unangenehmen Situation befreit.

 

Aber es gibt eine Lösung durch die wir den Einschub nutzen können. Wir lassen im Leser eine zweite Frage entstehen, so dass er weiterlesen will oder sich nicht entscheiden kann, welche Antwort er zuerst haben will. Oder wir deuten etwas an, was er nicht kennt oder nicht versteht, so dass er dankbar ist, zuerst eine Erklärung zu bekommen und weiß, dass er nicht weiterblättern darf, weil ihm sonst ein wesentliches Handlungselement verlorengeht.

Das machen wir selten intuitiv, solchen dramaturgischen Momente muss man bewusst gestalten.

 

 

Übung:

 

 

1. Schreiben Sie den Anfang einer Geschichte. Achten Sie darauf, dass sich im Kopf des Lesers eine Frage entwickelt, die er gerne beantwortet hätte und die er voraussichtlich auch bis zum Ende der Geschichte nicht beantwortet bekommt.

Bspw. beim Krimi: Wer hat es getan? Beim einer Quest-Geschichte: Findet er den Schatz? Bei gesellschaftskritischen Texten: Findet er seine Identität und wie geht er damit um?

 

2. Lassen Sie etwas passieren, wodurch der Leser überraschend schnell die Lösung erfahren könnte. Im Krimi: Jemand tritt auf, dem sozusagen, das Blut an den Händen klebt, der sich also verhält, als wäre er der Mörder. In der Quest-Geschichte entdeckt er ein Versteck, wo sich sehr wahrscheinlich der Schatz verbirgt. In einer Liebesgeschichte kommt es fast zu einer Begegnung.

 

3. Bevor es aber zu einer Lösung kommen kann, verzögern Sie nun die Spannung mit einem Einschub.

Bringen Sie einen Begriff, den der Leser nicht kennt und erläutern Sie ihn kurz, weil der Leser das Gefühl hat, er muss ihn verstehen.

Oder Sie führen eine Nebenhandlung ein, welche die Hauptfigur betrifft, ihn ablenkt von seinem Ziel, so dass der Leser

 

Bei dieser Übung sollen Sie ein Gefühl dafür entwickeln, ob ein Einschub zu lang ist, ob Sie den Leser langweilen, denn solche spannungserzeugenden Maßnahmen müssen gut dosiert sein. Lassen Sie sich von Freunden ein Feedback geben.

 

 

 

Viel Vergnügen

 

Ihr

Arwed Vogel

 

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