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Eine Übung pro Monat

 

Schreibübung Februar 2024

 

 

 Kreative Methoden 6: Das phantastische Binom

 

 

In diesem Monat beschäftigen wir uns mit einer wichtigen Methode des kreativen Schreibens, die aber in Deutschland noch wenig bekannt ist. Sie stammt von dem italienischen Kinderbuchautor Gianni Rodari und kann nachgelesen werden in seinem Buch über das Schreiben “Die Grammatik der Phantasie”, in der er wertvolle Ideen zum Kreativen Schreiben versammelt hat. Sie mischen Betrachtungen über die moderne Kunst mit Märchen und sind gleichermaßen für Erwachsene und Kinder geeignet.

 

Das phantastische Binom nimmt einen zentralen Platz in diesem Buch ein. Die Grundidee besteht darin, dass gerade Worte, die nichts miteinander zu tun haben, einen kreativen Funken entzünden können, während Worte, die sehr ähnlich sind, unsere Gedanken nicht weiterführen.

 

Grundlage sind also zwei Worte und es kommt darauf an, welche Worte wir zusammenführen.

'Pferd' und 'Hund' seien Wörter, die aus der Kategorie 'Tiere' stammen. Beide Tierarten haben mit dem Menschen sehr viel zu tun und werden von ihm gezüchtet.

Eine Geschichte zu schreiben, in der Pferd und Hund vorkommen – da fällt einem eine Zirkusgeschichte, eine Bauernhofgeschichte oder Jagdgeschichte ein. Aber nichts Besonderes.

 

Interessanter wird es schon, wenn wir 'Hund' und 'Kakerlake' miteinander in ein Binom zusammenführen. Oder eben Worte, die aus verschiedenen Kategorien stammen, wie 'Hund' und 'Schrank'. Diese Zusammenstellung kann zufällig erfolgen, indem wir an zwei verschiedenen Stellen eines Lexikons aufschlagen.

 

Wenn das Binom gefunden ist, dann setzen wir die beiden Wörter in einen Bezug. In all diesen Kombinationen finden wir den Ausgangspunkt für Geschichten. Manche bieten eine bessere kreative Ausgangslage als andere. In Klammern darunter meine Kommentare:

 

 

Der Hund vor dem Schrank

(nicht schlecht, aber nachvollziehbar: Im Schrank ist etwas zu fressen, oder der Einbrecher oder Liebhaber, der sich dort versteckt hat)

 

Der Hund hinter dem Schrank

(das kann man sich gut vorstellen – der Hund versteckt sich vielleicht, aber richtig ungewöhnliche Gedanken löst diese Kombination wohl nicht aus)

 

Der Hund auf dem Schrank

(bei Katzen nicht ungewöhnlich, bei Hunden eben schon, also nicht ganz ungeeignet)

 

Der Hund im Schrank

(schon besser: Vielleicht hat ihn jemand eingesperrt?)

 

Der Schrank im Hund

(das klingt schon so schräg, dass man sich damit kreativ befassen sollte)

 

 

Kreative Momente finden wir in Momenten, die widersprüchlich, ungewöhnlich sind. Was wir schon kennen, was für unsere Gedankengänge bekannte Wege anbietet, führt uns auch nicht weiter. Erst wenn wir bereit sind, uns auf eine ungewöhnliche, ja eine unmögliche Kombination einzulassen und versuchen, daraus etwas zu machen, erst dann sind wir bereit und können kreative neue Wege beschreiten.

Dabei ist es wichtig, den Schreibanlass nicht zu rationalisieren, also eine Erklärung zu finden, die logisch und vernünftig ist, sondern sich auf das Bild, die Vorstellungen, die in uns wachgerufen werden einzulassen, sie zu nutzen und weiter zu entwickeln.

 

 

Übung:

 

 

1. Wählen Sie eines der folgenden phantastischen Binome aus.

 

 

Igel/Zeppelin

 

 

Würgeschlange/Smartphone

 

 

Regenwurm/Weinflasche

 

 

Huhn/Buch

 

 

2. Setzen Sie die beiden Wörter in einen Bezug zueinander.

Sie werden merken, dass es ungewöhnliche und konventionelle Kombinationen vorkommen. Wählen Sie eine ungewöhnliche Kombination.

 

3. Schreiben Sie eine Geschichte. Arbeiten Sie prozessual, schreiben Sie ohne nachzudenken, wenn Ihnen nichts einfällt. Lassen Sie sich von Ihren Gedanken treiben und verzichten Sie nicht, Unsinn aufzuschreiben. Sie werden sehen, wenn Sie die Tinte ins Fließen bringen, fällt Ihnen etwas ein.

 

 

Viel Vergnügen

 

Arwed Vogel

 

 

 

 

 

 

 

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