Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

Schreibübung März 2019

 

 

Darstellung von Gefühlen 3: Raum und Raumwechsel

 

 

2015 haben wir uns bereits mit der Beschreibung eines Raums und seiner Bedeutung beschäftigt:

„Zum einen symbolisiert der Raum das Gesamtthema des Textes auf einer übergeordneten Ebene.

Nicht ohne Grund spielt Thomas Manns „Zauberberg“ auf einem der Ebene enthobenen Ort, zeitlos und abgekapselt im Hochgebirge. Nicht ohne Grund liegt Kafkas Schloss im Nebel, ist kaum zu sehen. Auch in der Fantasyliteratur symbolisieren Raumbeschreibungen das Gesamtkonzept des Textes. Man nehme nur „Der Herr der Ringe“ mit dem Gegensatz der hügeligen Auenlandschaft zu den zackigen Gebirgen von Mordor.“

 

Neben der symbolischen Bedeutung des Raums wird auch die aktuelle Gefühlslage der Identifikationsfigur dargestellt. Wir nennen das Projektion auf den Raum. Der Leser projiziert den Raum, die Umgebung, die meteorologischen Verhältnisse, die allgemeine Atmosphäre auf die Figur. Nichts in einem literarischen Text ist zufällig. Jede Erscheinung sollte, auch wenn sie vom Autor nicht bewusst gestaltet ist, den Gesamttext unterstützen.

 

Wie die Filmmusik die emotionale Entwicklung der handelnden Figuren unterstützt, von uns oft nur unbewusst wahrgenommen wird, so korrespondiert die Darstellung des Raums mit dem Innenleben der Figur.

 

Was aber, wenn die Figur den Raum wechselt?

 

Oft ist eine Stimmungsschwankung der Figur in einem Text schwer zu legitimieren. Man müsste schreiben: „Auf einmal war sie schlechter Laune“ oder „Da verdüsterte sich - ohne dass er es selber merkte – seine Stimmung.“

Aber auch besser formulierte Wendungen lassen immer wieder die Konstruktion durchspüren: Der Autor benötigt jetzt eine andere Stimmung und behauptet sie einfach. Auch erweckt das beim Leser den Eindruck, dass die Figur wankelmütig und emotional nicht verlässlich ist, ein Eindruck, den wir vielleicht nicht erzeugen wollen.

 

In dieser Situation können wir den Raumwechsel nutzen, um die Stimmungsschwankung einer Figur elegant und unauffällig darzustellen. Von einem hellen Wohnzimmer in einen düsteren Keller, weil er etwas nach oben holen will oder unten ein Geräusch gehört hat. Das Betreten eines dunklen Waldes führt zu Unlustsituationen oder die Stimmung hellt sich auf, wenn eine Figur aus dem Nebel tritt. Hier gibt es zahlreiche Variationen – wir müssen nur abschätzen, wie der Leser die Raumwahrnehmung einschätzt.

So gelingen dichte Beschreibungen, in denen der Leser nicht nur der Handlung folgt, sondern bewusst und unbewusst geführt wird.

 

Übung:

 

Fertigen sie nun verschiedene kurze Beschreibungen als Schreibersuche an (jeweils eine halbe Seite).

 

  1. Ihre Figur sitzt entspannt im Wohnzimmer. Sie ist guter Laune und zufrieden. Nun verschlechtern Sie Laune Ihrer Figur, ohne dass sie sich bewegt oder etwas Äußeres passiert.

    Zeigen Sie die Gefühlveränderung anhand von Körpersprache und Gedanken der Figur.

  2. Ihre Figur sitzt entspannt im Wohnzimmer. Sie ist guter Laune und zufrieden. Lassen Sie nun Ihre Figur aufstehen und den positiv gewerteten Raum verlassen und in einen anderen Wohnraum gehen, der als negativ empfunden wird. Wenn sie in dem neuen Raum ankommt, nimmt sie die Umgebung wahr und ihre Laune verschlechtert sich. Zeigen Sie die Gefühlveränderung anhand von Körpersprache und Gedanken der Figur.

  3. Versuchen Sie schließlich folgendes: Lassen Sie Ihre Figur in einen anderen Raum wechseln, der ebenfalls positiv empfunden wird, vielleicht auf die Terrasse, die von der Frühlingssonne erwärmt ist. Dennoch kippt die Laune der Figur ins Negative.

 

Vergleichen Sie die drei Lösungen. In welcher erscheint Ihnen die Gefühlsveränderung am besten motiviert? Nach meiner Erfahrung führt die Aufgabe 2 zu guten Lösungen, die Aufgabe 3 aber immer noch zu besseren Lösung als die Aufgabe 1.

 

Einen schönen Vorfrühling mit vielen kreativen Einfällen wünscht

 

Arwed Vogel

 

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