Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

 

Schreibübung Februar 2023
 

 

Perspektiven 5: Perspektivführung - Dynamische Kombinationen
 

 

In den letzten Schreibübungen zur Perspektive haben wir gezeigt, welche Möglichkeiten es gibt, die Perspektive zu gestalten. Wir meinen hier nicht die Erzählsituation – wir meinen mit Perspektive wie die Kamera gestellt wird, also aus welchem Blickwinkel der Leser das Geschehen erlebt.

Perspektivisch arbeiten müssen wir in allen Erzählsituationen, gleich ob wir auktorial, mit einem „Ich“ oder personal mit „Er“ oder „Sie“ als Reflektorfiguren arbeiten. Leider werden die Begriffe oft durcheinandergewürfelt. Wir halten uns an den Begriff, wie ihn auch die Filmtheorie definiert.

 

Also die Perspektive: Sie ist deswegen so sehr von Bedeutung, weil durch sie der Leser das Geschehen gezeigt bekommt. Von oben, ganz nah aus der Sicht der Figur oder vielleicht im Wechsel aus der Sicht mehrerer Figuren. Stellen wir uns eine Kamera vor – mit diesen Kamerablick erlebt der Leser auch das Geschehen.

 

Dabei können wir perspektivisch Bewegungen ausführen:

 

  • Horizontale und vertikale Schwenks
     

Den vertikalen Schwenk erleben wir oft bei der Beschreibung einer Figur, eines einzeln
stehenden Gebäudes oder Gegenstands. Die vertikale Beschreibung bildet dabei meistens mit einer
kleinen Spannungsbogen aus, da man auf ein entscheidendes Detail wartet. Den horizontalen Schwenk bei einer Figurengruppe oder einer Häusergruppe oder mehrerer
nebeneinanderstehender Gegenstände.
 

  • Langsame und schnelle Schwenks
     

Entscheidend ist die Geschwindigkeit, mit der diese Beschreibungen erfolgen. Wir können
einen ganz langsamen Schwenk oder einen sehr schnellen Schwenk vollziehen. Die
Geschwindigkeit ist dabei abhängig vom Innenleben der Figur, ihrer aktuellen Gefühlslage und
charakterlichen Möglichkeiten überhaupt wahrzunehmen.
 

Daneben gibt es noch weitere Bewegungen: Fokussierungen, mit denen wir uns demnächst beschäftigen. Es gibt Reißschwenks und die mitlaufende Kamera und man muss nur ein wenig in die Filmtheorie hineinschauen und wird spannende Möglichkeiten erleben, die Außenperspektive zu gestalten.

 

In dieser Übung thematisieren wir noch einmal die Kombinationen verschiedener Bewegungen. Und zwar aus einem Grund: Literarische Sprache zeichnet sich durch starke Bewegungen aus.

Diese Bewegungen lassen sich in der Perspektive am besten verwirklichen. Sie nehmen den Leser mit in einen Erzählfluss.

 

Vor jeder Beschreibung (Landschaft oder Gesicht oder Figur oder auch Handlung), die wir durchführen, sollten wir überlegen:

 

  • Welche Details sind wichtig? (sagen sie etwas über die Figur aus, sind sie nötig für die Handlung?)

  • Wie ordne ich sie an?

  • Wie führe ich die Kamera mit einer wechselnden Dynamik durch die Beschreibung?

  • Kann ich diese Bewegungen parallelisieren?
     

 

Die Parallelisierung von perspektivischen Bewegungen bedeutet, dass wir die Kamera über eine bestimmte Strecke immer in einer ähnlichen Bewegung führen: Andrzej Szczypiorski führt in seinem Werk „Den Schatten fangen“ den Blick des Lesers immer abwechselnd horizontal und vertikal, während der Knabe und das Mädchen durch den Wald laufen: Der Wind rauscht an den Ästen entlang, der Knabe blickt nach rechts, nach links, dann an den Stämmen nach oben, ein Blitz schlägt in den Baum ein und eine leuchtende Spur bewegt sich zum Boden, während im Haus kurz darauf das glimmende Ende einer Zigarette des Pferdeknechts sich von oben nach unten bewegt.

Solche Bewegungen erzeugen eine starke Bindung der Bilder aneinander und übertragen sich auf den Leser in Emotionen.

 

In der folgenden Übung probieren wir eine dynamische Kameraführung mit Parallelisierungen aus.

 

 

Übung:
 

1. Eine Figur A blickt durch die offene Tür aus einem Gang in ein Zimmer hinein, durch das Fenster auf der gegenüberliegenden Seite hinaus in den Himmel.

Ihr Blick kehrt zurück, während sie in den Raum hineintritt. Sie bleibt stehen und in einem langsamen Kameraschwenk bewegt sich der Blick durch den Raum.

Dann hört sie hinter sich ein Geräusch, dreht sich schnell um und sieht eine andere Person im Türrahmen stehen. Der Blick von A wandert vertikal über die Figur im Türrahmen, geht dann an ihr vorbei zur gegenüberliegenden Wand des Gangs, wo sie etwas entdeckt.

 

2. Figur A steht an einem See und ihr Blick läuft über den ruhig daliegenden See mit Segelbooten zum gegenüberliegen Ufer, nach oben in den Himmel zu einer Wolkenformation und kehrt an den Strand vor ihr zurück. Plötzlich kommt Wind auf und Wellen schlagen an das Ufer, schnell und mit Schaum. Der Blick von A geht noch einmal hinaus auf den See, eilt von Boot zu Boot, die sich auf dem See in Sicherheit zu bringen versuchen, steigt noch einmal in den Himmel, um dort einen Blitz zu sehen, der aus der Wolkenformation in den See hinab schlägt.


 

Probieren Sie es aus. Versuchen Sie andere Bewegungen sprachlich zu realisieren. Sie werden sehen, wie im Laufe der Zeit Ihre Beschreibungen intensiver wirken.
 

Ihr


Arwed Vogel
 

 

 

 

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Schreibübung Dezember 2022 Literarischer[...]
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Schreibübung Januar 2023 Erzählpositione[...]
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