Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

 

Schreibübung Juni 2021

 

 

Perspektiven 2: Grundpositionen des Kamerablicks

 

 

Erzähler erzählen oder berichten von einem Geschehen. Wenn aber das Geschehen wie auf einer Bühne gezeigt wird, der Erzähler zurücktritt und die Welt allein auf den Leser wirkt, wenn wir im Sinne des 'show don't tell' eine Szene aufbauen, dann müssen wir eine Perspektive wählen, aus der das Geschehen gezeigt wird. Die Einzelheiten müssen auf dem Papier so aufeinander folgen, dass sie der Leser sie Stück für Stück in seiner Vorstellung nach schaffen kann.

Perspektivführung entwickelt man vorwiegend in der Außenperspektive, ganz gleich um welche Erzählsituation es sich handelt. Oft genug wird fälschlicherweise die Erzählsituation als Perspektive bezeichnet – das ist jedoch unsauber, denn innerhalb einer Erzählsituation muss die Perspektive eingerichtet werden.

Perspektive bedeutet einen Kamerablick zu finden und daraus das Geschehen wie in einem Film zu zeigen. Da fast jeder am Handy schon einmal einen Video gedreht hat, ist das heute kaum noch ungewohnt und es gibt sehr viele Übereinstimmungen zwischen Film und Literatur was die Perspektivführung betrifft.

So stimmen auch die Grundpositionen der literarischen Perspektive mit denen des Films überein.

 

 

  1. Die Normalsicht zeigt das Geschehen horizontal

 

Dies geschieht sehr häufig aus der Sicht einer Figur. Der Leser sieht das, was auch die Figur wahrnehmen kann. Die Blickrichtung geht gerade nach vorne und alles, was in den Sichtkreis der Figur gerät, wird beschrieben, wenn es für die Figur wichtig ist. Dabei kann die Figur den Kopf auch drehen und das Gesichtsfeld erweitern. Die Außenperspektive wechselt sich mit der Innenperspektive ab, da die Kamera ja sowieso nah am Kopf der Figur ist. Die Normalsicht eignet sich für alle Situationen, in denen die Figur weniger oder genauso viel weiß, wie der Leser.

 

 

  1. Die Aufsicht zeigt das Geschehen von oben

 

Bei dieser Kameraperspektive wird das Geschehen von oben gezeigt. Es ist eine interessante Position, die aus zwei Gründen gewählt wird. Sie ist obligatorisch, wenn eine Figur einen hochgelegenen Punkt erreicht. Dann wird man aus dieser Perspektive zeigen, was die Figur sieht.

Außerdem wird aus dieser erhöhten Perspektive alles kleiner wahrgenommen. Die Perspektive dient dazu Momente von Ruhe und Erhabenheit zu zeigen, Überlegenheit und Selbstgewissheit der Figur. Aus dieser Perspektive lässt sich aber auch ein Überblick über ein komplexes Geschehen gewinnen. Zum Beispiel von einem Balkon auf einen Platz oder aus dem oberen Stockwerk eines Hauses.

 

 

  1. Die Untersicht zeigt das Geschehen von unten

 

Die Kamerablick geht diagonal nach oben, was dazu führt, dass alles größer wahrgenommen wird. Wenn die Figur sich ängstigt oder der Leser sich ängstigen soll. Wenn eine höhergestellte oder respekteinflößende Person gezeigt werden soll, lässt sich das am besten aus der Untersicht zeigen, der Blick nach oben verstärkt den Eindruck der eigenen Kleinheit gegenüber der Größe und Macht des anderen. In einem Horrorfilm würde King Kong auch nicht von einer Bergspitze nach unten gefilmt werden, wo er wie ein freundlicher Schimpanse wirken würde, sondern in Normalsicht oder Untersicht, was seine tatsächliche Größe noch unheimlicher wirken lässt.

 

 

 

Neben diesen Grundpositionen gibt es noch andere perspektivische Möglichkeiten, die allerdings speziellere Funktionen haben und an anderer Stelle besprochen werden.

 

 

 

Übung:

 

In drei leichten Übungen probieren Sie die Grundpositionen aus.

Später lassen sich diese Positionen kombinieren. Nun geht es aber erst darum, sich in den Kopf der Figur zu versetzen und den Kamerablick einzurichten. Achten Sie darauf den Kamerablick ruhig und klar in eine Richtung zu führen.

 

  1. Schreiben Sie einen Text, in der eine Figur von einem Podest auf eine Gruppe von Menschen herabblickt. Beginnen Sie mit den Worten: „Unter ihr/ihm standen sie alle. Da waren… und … . Sie/Er sah ihre....

  2. Schreiben Sie einen Text, in der eine Figur auf dem Boden liegt und an einzelnen Menschen, die sie umstehen nach oben blickt. Beginnen Sie mit den Worten: „Langsam blickte sie/er an ihnen nach oben. Sie/Er sah ….“

  3. Schreiben Sie einen Text, in der eine Figur vor einer Menschengruppe steht und sie betrachtet. Beginnen Sie mit den Worten: „Drüben standen sie. Sie standen auf/vor/neben...

 

Überlegen Sie abschließend, welche Situationen sich am besten aus diesen Grundpositionen schildern lassen. In weiteren Übungen zur Perspektive zeigen wir, wie sich diese Positionen dynamisieren und kombinieren lassen.

 

 

 

Mit herzlichen Grüßen

 

 

Arwed Vogel

 

 

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