Literaturprojekt
Literaturprojekt

Eine Übung pro Monat

 

 

Schreibübung April 2018

 

Literarische Sprache und Stil 1:

 

Sakrale Momente

 

 

In dieser Reihe beschäftigen wir uns mit stilistischen Fragen. Über Stil ist viel gesprochen und nachgedacht worden und es finden sich so viele Publikationen wie Meinungen , was guter Stil denn sei und wie man ihn erlerne. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich der Begriff von Stil immer wieder verändert, wie auch der Begriff von literarischer Sprache.

Es wird wohl kaum jemand in Abrede stellen, dass sich der Stil eines Schriftstellers aus verschiedenen Stilfiguren zusammensetzt, die individuell auf eine besondere Weise verbunden werden. Welche Wörter benutzt der Autor, die Autorin, wie baut sie oder er seine Sätze.

Literarische Sprache besteht oft aus mehreren Elementen, die vom Leser nicht bewusst wahrgenommen werden, nicht selten vom Autor aber komponiert sind. So finden wir bei Heinrich v. Kleist eingeschobene Nebensätze zwischen Artikel und Hauptwort, welche die Lesegeschwindigkeit verlangsamen und nennen diesen Stil redundant. Wir finden bei W.G. Sebald oft eine Fehlstellung des Verbs, bei Peter Kurzeck zahlreiche elliptische Konstruktionen, die kombiniert mit anderen Stilfiguren die besondere Handschrift des Autors ausmachen.

 

Eines dieser Stilelemente, die wir in unsere Texte einfügen können ist die sakrale Sprache.

Mythische und religiöse Texte sind in ihr geschrieben. Sie soll erhebend wirken, klingt archaisch und abstrakt und trägt doch einen fremden ungewohnten Klang in sich.

 

„Und es wird ihm ganz Israel die Totenklage halten, und sie werden ihn begraben: denn dieser allein von Jerobeam wird zu Grabe kommen, weil der HERR, der Gott Israels, etwas Gutes an ihm gefunden hat im Hause Jerobeam.“ 1. Buch der Könige 14,13

 

Dieser Effekt wird durch verschiedene Stilfiguren erzielt:

 

  • Fehlstellungen des Verbs ("trug ich" statt "ich trug")

  • betonte Kausalität ("so trug er" statt "er trug")

  • religiöse Floskeln ("aber einer war unter ihnen")

  • Übertragung: ("schürten die Flammen mit ihrem Hass")

  • Oberbegriff statt konkretes Detail ("Frucht" statt "Apfel")

  • abstrakte Verben ("er reichte ihr" statt "er gab ihr")

  • Infinitiv direkt hinter dem flektierten Verb („er will harren immerfort“)

Für uns sind diese Stilelemente interessant - nicht nur um gegebenenfalls einen sakralen Text zu schreiben – um dem eigenen Stil den Atem des Weiten, Unabänderlich-Ewigen zu verleihen, indem ich sie dem Text einflösse in homöopathischen Dosen. Aber man kann auch besonders banale oder komische Momente in sakraler Sprache erzählen und gibt dem Text damit Humor.

 

 

 

Übung:

 

  1. Schreiben Sie einen kurzen Text in Alltagssprache, indem Sie eine Haushaltstätigkeit wie Geschirrspülen und die Reinigung des Küchenbodens detailliert und unprätentiös darstellen.

  2. Schreiben Sie denselben Text dann in sakrale Sprache um. Legen Sie beide Texte einem freundlich gesonnenen Gegenleser vor.

  3. Nehmen Sie einen Ausschnitt aus einem von Ihnen geschriebenen Text und lassen Sie einzelne Stilelemente der sakralen Sprache einfließen. Lesen Sie sich die Textvarianten laut vor.

 

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Arwed Vogel

 

 

 

Schreibübung Februar 2018
Schreibübung Februar 2018 Dialog 6 Inqui[...]
PDF-Dokument [63.7 KB]
Schreibübung März 2018
Schreibübung März 2018 Der auktoriale Er[...]
PDF-Dokument [58.1 KB]

Rufen Sie einfach an unter

 

Arwed Vogel

++49 ( )8762 726121

 

oder

 

Bernhard Horwatitsch

++49 ( )89 72016549

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Literaturprojekt