Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

 

+++ aufgrund von Arbeitsüberlastung kann die Schreibübung Dezember 2022 erst mit einigen Tagen Verspätung hergestellt werden. Ich bitte um Entschuldigung +++

 

 

Schreibübung November 2022


 

Zeitgestaltung 3: Raffendes Erzählen 2

(Raffungsintensität und durative Raffung)


 

In dieser Übung beschäftigen wir uns noch einmal mit dem raffenden Erzählen und der Raffungsintensität sowie mit einer der zwei wichtigsten Raffungsarten, der durativen Raffung

 

Noch einmal für alle, die neu dabei sind, die grundsätzlichen Momente. Bei der Zeitgestaltung unterscheiden wir zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit. Die Zeitdauer, über die sich die Geschichte erstreckt, wird als „erzählte Zeit“ bezeichnet. Das können Augenblicke in einer Kurzgeschichte oder Jahrzehnte bei einem Roman sein. Sie beginnt mit dem Anfang der Geschichte und endet mit dem Ende.

 

Die Erzählzeit bezeichnet die Dauer, die ich benötige, um die Geschichte zu lesen. Das sind bei einem normalen Erzähltext 2,5 Minuten pro Normseite (1800 Zeichen).

Interessant ist das Verhältnis, dass beide Spannen zueinander ausbilden. Die Veränderung dieses Verhältnisses ist ein wichtiges Mittel der Spannungserzeugung und Erzählkunst.

 

Beim raffenden Erzählen verringert sich die Erzählzeit. Das bedeutet, dass der Zeitraum, der beim Erzählen bewältigt wird, größer ist, als die Erzähldauer dieses Abschnitts.

 

Was innerhalb eines Jahres passiert ist, wird zusammengefasst dargestellt:

 

„In diesem Jahr wurde sie langsam wieder gesund und lernte wieder zu gehen.“

(Erzählzeit ca. fünf Sekunden, erzählte Zeit ein Jahr)

 

Aber auch kürzere Abschnitte lassen sich raffen.

 

„Mehrere Minuten wartete er ungeduldig.“

(Erzählzeit ca. drei Sekunden, erzählte Zeit einige Minuten)

 

Diese kurzen Beispiele zeigen, dass wir zahlreiche Möglichkeiten haben, individuell mit der Zeit zu spielen. Das obere Beispiel hat eine hohe Raffungsintensität (viel Zeit wird gerafft), das untere eine niedrige Raffungsintensität.

 

Wir können durch dieses Mittel einen Text beschleunigen, schnell große Zeiträume durchmessen, wir können aber auch in einer mittleren Geschwindigkeit Zeit raffen oder in einem szenisch gestalteten Abschnitt kurze Zeiträume, in denen wenig oder nichts passiert verschwinden lassen.

 

Die Raffungsart, die wir hier gewählt haben, heißt durative Raffung. Sie rafft einen Zeitraum zusammen, indem sie eine Entwicklung oder einen Zustand der Figur beschreibt.

 

Sie wurde langsam gesund...

Er wartete ungeduldig...

 

Diese Raffungen werden vom Erzähler durchgeführt. Während die Schritt-Sprung-Raffung, die wir in der letzten Übung zur Zeitgestaltung besprochen haben, rein szenisch angelegt ist, entsteht bei der durativen durch die Raffung eine leichte Distanz zur szenischen Handlung, was aber kein Nachteil sein muss, im Gegenteil.

Dabei ist es ganz wichtig, dass bei dieser Raffungsart angegeben wird, welcher Zeitraum gerafft wird, wie in den Beispielen ganz oben zu sehen ist.

Sie wurde langsam gesund... ist keine Raffung, sondern ein Vorgang.

Erst wenn wir den Zeitraum benennen, entsteht Zeit. In diesem Jahr wurde sie langsam wieder gesund. Der Effekt einer Beschleunigung des Textes durch eine Raffung wird erst dann wirksam, wenn der Leser die Dauer der gerafften Zeit kennt.

 

 

Übung

 

Unverzichtbar sind solche Raffungen beispielsweise auch für Reiseerzählungen und Reiseberichte oder Reiseblogs. Auf Reisen ergeben sich zwischen einzelnen erzählenswerten Ereignissen oft lange oder kurze Zeiträume, die nicht weggelassen werden können.

 

  • Beschreiben Sie in einer Szene die Abfahrt oder den Abflug mit einem Verkehrsmittel.

  • Raffen Sie anschließend den ersten Teil der Fahrt bis zu einem Ereignis (Ungeplante Unterbrechung, seltsame Begegnung, Fahrkartenkontrolle) in einer durativen Raffung zusammen. Dieser Teil soll nicht mehr als zwei Sätze umfassen.

  • Beschreiben Sie dann das Ereignis ausführlich und szenisch.

  • Raffen Sie den zweiten Teil der Fahrt nach diesem Erlebnis in einer durativen Raffung zusammen. Achten Sie darauf, dass Sie in diesem Teil des Textes eine höhere Raffungsintensität haben als bei der ersten Raffung. Das bedeutet: Der zweite Teil der Fahrt ist länger, Sie beschreiben ihn ebenfalls nur in maximal zwei Sätzen.

  • (Wenn Sie mögen, können Sie dann noch einen Teil schreiben, in dem die folgenden zwei Tage der Reise in einen Absatz von ungefähr fünf Sätzen zusammengefasst werden. Dabei werden die wichtigen Gefühle, Entwicklungen und Zustände der Figur vom Erzähler beschrieben.)

 

 

Herzliche Grüße

 

Arwed Vogel

 

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