Literaturprojekt
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Eine Übung pro Monat

 

Schreibübung April 2020

 

 

Literarischer Winterstoff: Eine Reise durch das eigene Zimmer

 

 

Der Winter wäre fast vorbei, auch wenn draußen in diesen Nächten noch Schneeschauer über die Felder treiben, dennoch ist es wie Winter, wir können nicht aus dem Haus, es ist schlimmer als Winter.

Der eigenen Wohnung, dem Zimmer, in das man wie in einen Exilraum, eine Zelle gebannt ist, wird die ganze Aufmerksamkeit zuteil. Sie ist nicht mehr Rückzugsort, Ruheraum, Entspannungs-raum, Ort von dem man aufbricht, sondern Mittelpunkt des Lebens.

 

Für viele eine neue Erfahrung, die nicht unkompliziert zu bewältigen ist und mit der wir noch einige Wochen zu tun haben werden.

Wenn aber, wie im traditionellen Entwicklungsroman das Haus nicht mehr Ausgangspunkt ist, um zum Abenteuer aufzubrechen – erinnern wir uns an Eichendorffs Taugenichts-Novelle, die mit dem Aufbruch von zu Hause beginnt nachdem der Vater den Taugenichts hinausweist:

 

„Der Frühling ist vor der Thüre, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb Dir selber Dein Brodt.“

 

- wenn wir dieses alte Motiv des Aufbruchs nicht mehr haben, dass schon im Märchen wie natürlich in allen anderen Heldenreisen so zentral war, dann gilt es – gilt es nicht mehr über den Aufbruch zu schreiben, sondern situativ die Lage zu erfassen und das Innenleben der Figuren zu thematisieren, wie es die Literatur des 20. Jahrhunderts im Verarbeiten der Kriegskatastrophen und Lagererfahrungen getan hat oder einen anderen Ansatz zu wählen: Den Aufbruch zu verlagern, ihn in den eigenen Räumen stattfinden zu lassen.

 

Die Reise durch das eigene Zimmer kann auf vielfältige Weise geschehen und ich schlage sie in diesem Monat als Schreibübung vor, um den eigenen vier Wänden neue ungewohnte Aspekte abzugewinnen.

 

Die Reise von der Schlafzimmertür ins Bett oder vom Erdgeschoss in das Badezimmer des ersten Stocks oder durch das Kinderzimmer kann in diesen Tagen ein Abenteuer von gewaltigem Ausmaß ergeben. Das Erreichen der gegenüberliegenden Wand oder des Schreibtisches dauert Tage und wird von den höchsten Schwierigkeiten oder den angenehmsten Erfahrungen begleitet. Und was alles passieren kann: Eine Fliege gesellt sich als temporärer Reisebegleiter zu einem oder man ist, aus unglücklichen Umständen gezwungen, einen Stift mitzunehmen, der immer nur motzt anstatt zu tun, was von ihm verlangt wird. Es begegnet einem der ausverkaufte Kühlschrank oder Gedränge in der Schublade. Viele Erfahrungen, die wir auf Reisen machen, lassen sich auch in der eigenen Wohnung realisieren, wir müssen sie nur finden. Dabei kann man entweder einiges über sich oder über die Wohnung und ihre inwohnenden Dinge in Erfahrung bringen

 

Verschiedene Varianten lassen uns die eigene Wohnung neu erleben.

 

 

Übung:

 

 

- als surrealistische Raum-Zeit-Verschiebung:

 

Der Versuch sein Zimmer zu durchqueren verändert sich, wenn man vom Tisch zum Herd Stunden unterwegs ist und eine Kaffeepfütze auf dem Boden die Länge eines Sees hat, die Tür ein breites Tal mit steilen glatten Wänden zu beiden Seiten. Wenn es Stunden dauert einen Meter zu durchqueren... Der Reiz liegt darin, dass ein alogisches Raum-Zeit-Verhältnis geschaffen wird, das der Leser als traumhaft erlebt. Entweder wird der Raum gedehnt oder die Zeit verlangsamt.

 

- als magisch-realistischer Text:

 

Gegenstände werden lebendig, das kennen wir bereits aus vielen Büchern und Filmen. Aber diese Idee hat seinen eigenen Reiz, denn die Gegenstände mit denen wir zu tun haben, können einem zu- oder abgeneigt sein. Und jeder hat ja so seine eigenen Dinge im Zimmer herumstehen. Der Reiz besteht darin, dass hier Konflikte geschaffen oder projiziert werden können, die eine spannende Handlung ergeben

 

- als Quest oder Heldenreise:

 

Was kann man in seinem Zimmer finden? Dinge, natürlich oder andere höhere Werte, die sich verborgen haben und die man beim Lösen von Aufgaben durch Heldentaten findet. Welche Helfer (Familienmitglieder oder Haustiere) unterstützen einen bei dieser Heldenreise bei der es um alles geht? Das kippt schnell ins Ironische, Komische um und wird zu einer ausgezeichneten Satire.

 

- als landschaftliche Transformation des Zimmers:

 

Stellen wir uns das Schlafzimmer als Wüste oder Dschungel vor, das Kinderzimmer als eine englische Parklandschaft, die Küche als Vulkanlandschaft auf dem Feuerring: Beschrieben Sie, indem Sie zwei Sprachebenen, die des realen Alltags mit Worten aus einer Landschaft miteinander verschneiden. Den Kraterrand des Topfes gilt es zu erreichen aus dem der Schwefeldampf aufsteigt und Lavabrocken herausschießen....

 

 

Viel Vergnügen mit diesen Aufgaben und gute Gesundheit wünscht

 

 

Arwed Vogel

 

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