Literaturprojekt
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Neue Streifschüsse

wann immer nötig (im Schnitt einer pro Woche)

 

schnell und aus der Hüfte geschossen

 

 

Streifschuss vom 21. Jänner 21

 

Anlass: Staaten entstehen und fallen wie die Gezeiten, neu ist das nicht. (Geralt von Riva)

 

Vom Ende der Reformierbarkeit

 

Schon der junge Hegel stellte in seinen politischen Schriften fest, dass das kleinbürgerliche Subjekt sich mit dem Genuss ihres Besitzes und der Herrschaft über Eigentum zufrieden gibt, was aber Hand in Hand geht mit viel Elend und Leid – unter den heute global verbreiteten Ungerechtigkeiten noch viel mehr. Dennoch erhebt diese Wirklichkeit in ihrer auf eine beschränkte Besonderheit reduzierte Gestalt den Anspruch, ein Allgemeines zu repräsentieren und das Volk auf gemeinsame Ideale des Staates zu verpflichten. Diese Illusion von Wirklichkeit wurde schon in den Anfängen der bürgerlichen Geldwirtschaft durchschaut. Ich erinnere an meinen letzten Streifschuss (Geldfieber vom 18. Jänner). Dennoch hält sie sich bis heute. Diese Illusion einer Wirklichkeitsökonomie  gelingt nur, wenn der Glücksbeutel sich immer wieder füllt und das bestehende Leben keine reine Negativität ist. So kann die Philosophie erst dann ein reines Positives entgegen setzen – und das aber dann mit Gewalt – wenn sich die Wirklichkeit rein negativ zeigt. In jeder Krise aber offenbart sich die Illusion der Wirklichkeitsökonomie, bzw. der ökonomisierten Wirklichkeit. Und da sie eine Illusion ist, ist sie rein negativ. Sie ruht auf dem Zauber, der Magie immerwährender Produktivität trotz endlicher und erschöpfbarer Ressourcen. Das kann nicht gut gehen. Und aktuell stehen wir am Ende dieser Magie. Es ist klar, dass die besitzende Klasse sich noch an der Magie des Kapitalismus festklammert. Diejenigen, die einen Glücksbeutel besitzen halten die Illusion für sich als Subjekt aufrecht. Und sie halten die Illusion für das Allgemeine. Die psychische Energie die das besitzende Subjekt benötigt, um die  vielen Ungerechtigkeiten auszublenden, ist enorm. Und sie holt aus ihrem Zauberhut abstrakte theoretische Bauwerke hervor, die das Volk staunen lässt. Eine praxisfreie Philosophie dient dieser Magie. Philosophie mit Praxis bedeutete für Hegel, die Ungerechtigkeiten (discite justiciam moniti) auf den Begriff zu bringen und dem Staat diesbezüglich Reformen zu empfehlen. Versäumt der Staat diese Reformen durchzuführen, folgt der Zusammensturz und das unterdrückte Leben wird zur Nemesis. Das Problem heutiger philosophischer Praxis ist es, dass die Illusion einer ökonomisierten Wirklichkeit nicht reformierbar ist. Das System ruht auf dem Gaukelwerk immerwährender Produktivität bei endlichen Ressourcen. Das ist nicht reformierbar. Es wird daher mit Gewalt weggerafft. Die Magier und ihre Helfer werden geköpft, gepfählt oder gevierteilt werden. Der Großteil unserer kulturellen Errungenschaften wird mit den Magiern der Ökonomie zerstört werden. Das wird nicht mit einem großen Paukenschlag geschehen, sondern es geschieht bereits nach und nach. Das Gebäude der Illusionen des Kapitalismus wird einfach verwittern, verblassen und in der Entropie der Geschichte verschwinden. Zurück bleibt eine kalte, desillusionierte Welt ohne Magie.

 

Streifschuss vom 18. Jänner 21

 

Anlass: der eigene Verstand ist nutzlos

 

Geldfieber

 

Ich machte mir nicht klar, dass derjenige, der das alte Fabelbuch von Fortunatus mit seinem Säckel und seinem Wunschhütlein geschrieben hatte nichts anderes hatte sagen und anzeigen und der ganzen Welt vor Augen stellen wollen, als dass jene Wundermittel, durch die unsere vorwitzigen Begierden nicht vollständig gesättigt, sondern nur hingehalten und unsere Gemüter mit vergeblichen Träumen erfüllt, aber keineswegs zufriedengestellt werden, letztlich doch nichts als lauter Unglück auf ihrem Rücken mit sich bringen.
Das Buch auf das der seltsame Springinsfeld hier hinweist, erschien 1509 in Augsburg. Der Verfasser ist unbekannt. Erzählt wird die Geschichte einer aus Zypern stammenden Familie, die ihr Vermögen verliert, von Fortuna persönlich einen Glücksbeutel geschenkt bekommt, der immer Geld in der entsprechenden Landeswährung bereit hält. Fortunatus steigt auf, zeugt mit der Tochter eines Grafen zwei Söhne. Die Geschichte endet mit der physischen Auslöschung der Familie, ein Sohn wird von Räubern getötet wird und der andere stirbt aus Gram darüber.
Wichtig ist die Geschichte, weil sie ein Stück Sozialgeschichte über die Entwicklung der bürgerlichen Geldwirtschaft enthält. Und Grimmelshausen verweist 163 Jahre später in seinem wunderbarlichen Vogelnest erneut auf diese Ereignisse. Egal ob man von der Glücksfee beschenkt wird, oder eine aus der Pisse eines Erhängten entstandene Alraune ausgräbt, oder den abgeschnittenen Daumen eines Diebes (Diebsdaumen) als Glücksbringer benutzt: Alles Glück endet im Unglück. Und das vermeintliche Glück ist nur blendender Schein. Bis heute ist Geld kein moralisch neutraler Stoff. Und selbst wenn sein Besitzer von großer Charakterstärke ist, verwandelt das Geld jeden in ein gieriges und blutrünstiges Monster. Heute werden wir von diesen Monstern im Wesentlichen beherrscht. Wir arbeiten im Grunde alle für sie. Es sind die Banken, die Immobiliengesellschaften, die Versicherungsgesellschaften, die Telekommunikationsgesellschaften. Monster, die alle über einen unerschöpflichen Geldsäckel verfügen. Die Blutopfer dieser Monster sind gewaltig. Besonders tragisch an dieser Geschichte ist, dass wir alle selbst dieses Monster sind. Mir fehlt der nötige Ernst zum Geld verdienen. Und im Gegenteil – wie oben dargestellt – sehe ich in dieser Ökonomie nur das große Unglück.  Aber es nutzt nichts. Don Quijote überlas sich an Ritterromanen. Ich überlas mich an Kapitalismus-kritischen Büchern. Insofern bin ich ein genauso großer Trottel wie der traurige Ritter mit seinem unsinnigen Kampf gegen Windmühlen. Am Ende befällt Don Quijote ein Fieber. Auf dem Totenbett erkennt er plötzlich den Unsinn der Ritterbücher und beklagt, dass ihm diese Einsicht so spät gekommen sei. Damit enden sein Leben und das Buch. Ein Fieber! Fast schade, dass ich nicht zur Risikogruppe gehöre. Denn gerade geht mir durch den Kopf, dass ich durch den Unfug des Schreibens und mit meinem Mangel an Unterwürfigkeit gegenüber dem herrschenden Geld überwertigen System zum Ende nur noch eine Kuriosität darstelle. Eine Witzfigur, Trash. Ich sage das ganz nüchtern. Zu nüchtern vielleicht? Aber ich bin nur noch historischer Müll. Nicht mal eine Antiquität… Ich bin arm und die Folge von Armut ist vollständige Bedeutungslosigkeit. Und Selbstmitleid ist eine unterschätzte Tugend. Niemand hat mehr Erwartungen an einen und man muss sich nicht mehr duschen (Detective Rosa Diaz).

 

 

Streifschuss vom 14. Jänner 21

 

Anlass: Schuss nach hinten

 

Größenvergleich

 

Wäre die Geschichte der Erde eine Strecke von einem Meter, dann betrüge die Existenz eines Menschen etwa einen viertel Nanometer davon.  Man muss hier kaum über die Bedeutung eines Nanometers für einen ganzen Meter nachdenken. Die Menge der Nullen vor dem Komma die hier ihr Leben fristeten, um die Geschichte der Erde zu einer ganz großen Zahl zu machen löst bei jedem von uns Depressionen aus. Ein einzelner Mensch ist nicht mal so groß wie ein Neutron. Wir sind alle Quarks. Soviel zu Joyce (der den Begriff ja erfand). Klar! Joyce ist super. Aber eben auch nur ein Neutron. Ich kann nicht so gut schreiben wie dieser alte Ire. Aber ich bin schon fast genauso groß. Mir fehlen nur noch drei Jahre. Gestern vor 80 Jahren starb der große und doch so kleine Ire im Alter von 59 Jahren (zwei Wochen vor seinem 60. Geburtstag) fernab seiner irischen Heimat in Zürich am Durchbruch eines Zwölffingerdarm-Geschwürs. Er war da schon so gut wie blind. Seine Prosa hatte zu diesem Zeitpunkt längst eine geistige Höhe erreicht, die sich vom Gebrabbel eines vollständig Verrückten kaum noch unterscheiden lässt. Auf wakish (die Sprache von Finnegans Wake) gibt es den schönen Ausdruck „funferal“. Gibt es in keinem Lexikon und setzt sich zusammen aus „funeral“ und „fun for all“. Und Wake ist zugleich Aufwachen und Leichenbegängnis. Der alte Irre Ire irrte nie und ich hatte ne Tante namens Irma die nie meine Ma war aber irre viel Haare die ich mal erhuschte als sie duschte. Sei ‚s drum. Lasst euch Zeit und findet die Muse oder Muss so Schoko Latte. Während sich also die Covid-Leichen stapeln, und Triage zum Akronym verkommt (Tote reden in alter geistiger Engelszunge). Im futuristischen Coming of Science der Virologen war das vergangene Jahr ein Highlight, doch weltgeschichtlich betrachtet war das fast nichts. Kann man die Welt so sehen?  Nein. Natürlich nicht. Auch wenn es so ist, ist ein solcher Seinsblick nur noch absurd. Ein Menschenleben reduziert sich auf einen viertel Nanometer und das kann kein Mensch sehen und daher auch nicht ernst nehmen. Die Leben von vier Milliarden Menschen müssten nacheinander vergangen sein, nur um die Geschichte der Erde nachzeichnen zu können. Eine solche Mathematik verachtet alles. Und doch wurde Gott durch die Geschichte ersetzt. Doch längst – das wissen wir seit der Postmoderne – ist das große Narrativ dahin und wir erzählen uns nur noch Geschichten in Form von Selbstgesprächen. Dass die Halbwertszeit von Büchern radioaktiv zerfällt, ist auch kein Geheimnis. Und doch! Was liegt da auf meinem Tisch? Die Ilias, die Metamorphosen und der verdammte Gilgamesch-Epos. Und – jetzt kommt mein Grundgedanke, mein Finale sozusagen- das liegt in meiner angewandten Metapher grade mal 15 Nanometer zurück – etwa die Länge eines Virus. Gruß und Schluss mit Schuss.

 

Streifschuss vom 08. Januar 21

 

Anlass: Das Volk (eine metaphorische Analyse)

 

Rom fällt

 

„Mein Gott!“, rief die Konsulin, […] angstvoll. „Es ist das Volk.“
Oder war es das Lumpenproletariat, das sich bereitwilliger zu reaktionären Umtrieben erkaufen lässt (wie es im kommunistischen Manifest heißt), oder war es das „Gehudel, das aussah wie ein bloßer Rohstoff aus Fleisch und Blut“ (Thomas Mann, das Gesetz), Pöbelvolk, das ins eigene Bett scheißt, statt vor die Tür zu gehen, ein Loch zu graben dort hinein und wieder zuzuschaufeln. War es jener Kot, der an die Oberfläche gespült wird, wenn man Sümpfe aufwühlt (Victor Hugo)?
Ob sie nun Autos niederbrennen wie in Frankreich, das Kapitol oder den Reichstag stürmen, und egal wie sie sich selbst nennen, sie sind der Abschaum, den Sarkozy einst weg kärchern wollte. So sieht man sie, sieht sie die bürgerliche Presse, der bürgerlicher Mensch. Die Schande die man hier nicht anschauen kann und möchte, ist genau die Peinlichkeit, die jeder empfindet, wenn er gezwungen wird, seine Notdurft vor aller Augen zu verrichten. Es ist der Bodensatz einer Ökonomie, die keine Menschen kennt, sondern nur Konsumenten.

Donald Trump hat die letzten Jahre seine bevorzugte Klientel bearbeitet und deren reaktionäre Instinkte geweckt. Es fehlt an allen Ecken und Enden. Soziales Vertrauen ruht auf ein Weiter-so des Alltäglichen, ruht auf einem Alltag, über den man sich auch permanent ärgern kann, aber einem Alltag von dem jeder annimmt, dass er auch morgen so ist. Diese soziale Normalität, die auf eine Weiter-so-Zukunft setzt, existiert fast nicht mehr. Dagegen fehlt eine ausreichende Expertise über eine Dann-eben-anders-Zukunft. Man kann verrückt werden, man kann sich die Pulsadern aufschneiden, einer Sekte beitreten, oder mal ganz persönlich werden und Amok laufen. Es ändert sich nicht. Die Zukunft die uns blüht ist kaum noch mit dem Alltag den wir heute erleben kompatibel. Das abstrakte Gefühl von Planungssicherheit fehlt. Es ist, als würden wir alle inzwischen daran zweifeln, dass morgen tatsächlich wieder – wie gewohnt – die Sonne aufgeht. Unter solchen unsicheren Bedingungen macht es eigentlich noch weniger Sinn das Kapitol zu stürmen, als es nicht zu stürmen. Man muss das Personal, das da diesen fulminanten Jahresauftakt veranstaltete als Ausgeschiedene betrachten. Und niemand stellt sich gerne vor, wie das einmal Ausgeschiedene wieder in den sozialen Körper zurückgelangt. So ein recycelter Stoffwechsel erinnert an eine Szene aus Star-Trek-Discovery:
„Dieser Apfel schmeckt nicht besonders gut.“
„Ja, wir recyceln ihn aus unserer eigenen Scheiße. Und für Scheiße schmeckt er eigentlich gar nicht schlecht.“
Die gewaltbereiten Ausgeschiedenen, die sich vor dem Kapitol oder auch dem Reichstag einfinden, die werden immer mehr. Und sie wieder in den sozialen Alltag zu integrieren, stellt einen faden Geschmack in Aussicht. „Es ist das Volk“, so rief es die Konsulin in den Buddenbrooks.  Und mit dem Ausruf „Canaille“ auf den Lippen, stirbt der Konsul. Wie elend geht es nun diesem „Volk“, dass es auf die Barrikaden geht? Der Durchschnittsamerikaner hat drei Jobs und träumt einen ausgeträumten amerikanischen Traum, den Trump zuletzt reaktivierte. Solche Träume zu reaktivieren, während die Muskelanspannung für die Traumphase viel zu hoch ist, sorgen eher für Alpträume. Der Aufschrei des Leidens am Staat durch das Volk ertönt im Zustand der Überforderung. Dem „Volk“ fliegen zunehmend die Sicherungen raus. Um sie herum ist es furchterregend dunkel. Wer im Zustand der Angst nichts mehr sieht, orientiert sich an jedem Licht, selbst wenn es eine Funzel wie Trump ist. Das Problem der Techniker, die Sicherungen wieder einzuschrauben? Niemand hört mehr auf sie. Niemand vom „Volk“ vertraut noch auf Sicherungskästen.
Also fassen wir das Bild zusammen. Abschaum quillt nach oben, bringt dabei ihre eigene Dunkelheit mit aus der Kanalisation und hat kein Vertrauen mehr in den normativ geregelten Alltag. Rom fällt.

 

 

Streifschuss vom 05. Januar 21

 

Anlass: Hey Curtis Newton! Can you see us on the moon?

 

Nichts wie weg hier

 

Dieses Jahr wirkt schon nach ein paar Tagen bereits ziemlich vergammelt. Nach Klimawandel, Energiekrise, Weltkriegsängsten, hat das letzte Jahr einen weiteren apokalyptischen Reiter auf den Weg gebracht. Und was soll da 2021 noch bringen? Eben! Natürlich kann uns jetzt nur noch ein Zauberer helfen! Ein „wizard of Science“. Zeit für die U.S.S. Enterprise und Star-Trek. Denn in diesem Jahr 2021 würde der Schöpfer von James Tiberius Kirk, Mister Spock, Doctor Mc Coy, Nyoto Uhura, Hikaru Sulu, Montgomery Chirstopher Jorgensen (Scotty) und dem Russen Pavel Chekov 100 Jahre alt werden. Und der kreative Großvater von Gene Roddenberry war Edmond Hamilton, der in den 1940ern mit Curtis Newton (lass die Namen sprechen!) einen Helden im Mond schuf, der als Vorbild für Roddenberry 20 Jahre später eine weiter Space-Opera erschuf! Im Namen Star-Trek steckt der Western faktisch drin. In großen Wagenkolonnen ziehen die Menschen auf der Suche nach Glück und Land in die neue Welt. Da unsere Erde keine Neuigkeiten mehr zu bieten hat, bleiben nur noch die Sterne. Schauen wir mal, wo es hingehen könnte. Bewohnbare Planeten werden in drei Kategorien angegeben. Einmal beachtet man die Spektralklasse. Das bezeichnet die Leuchtkraft der Sonne, die dem potentiell bewohnbaren Planten seine Wärme spendet. In den Buchstaben G, K und M verbergen sich gelb, orange und rotorange. Dann achtet man auf die habitable Zone des Planeten, ist er heiß, warm oder kalt. Und dann achtet man noch auf die Größe des Planeten. Terran wäre da eine erdähnliche Größe, dann gibt es noch Miniterran, Subterran und Superterran. Hier ist schon klar, dass die maßgebende Größenvorstellung von der Erde ausgeht. Es gibt noch Neptunian und Jovian. Das wären dann echte Riesenplaneten. Und die sind meistens gasförmig. Aber nicht zwangsläufig.

Die Erde ist ein Planet der Klasse G, warm und – klar - terran. Dagegen ist der Planet K2-72e – aktueller Spitzenreiter potentieller Reiseziele - ein Planet der Klasse M, auch warm, und ebenfalls terran. K2-72e ist ein Exoplanet der im Sternbild Wassermann zu finden ist. Er umkreist einen roten Zwerg und ist im Schnitt 16° warm. Er ist allerdings über 200 Lichtjahre von uns entfernt und das ist den aktuellen Reisebüros zu weit entfernt. Näher liegt schon der deutlich kleinere Trappist-1d, ein warmer Klasse M Planet, subterran und nur schlappe 40 Lichtjahre entfernt. Das sind nur gute 360 Billionen Kilometer. Für Peter Thiel kein Ding oder? Hauptsache er nimmt seinen alten Kumpel Trump nicht mit auf seine Reise. Und mit dem richtigen Warp Antrieb sind wir gleich da. Ein bisschen Raumverkrümmung und wir besiedeln einen felsigen Planeten auf dem es sehr streng geregelte Zeiten gibt. Denn auf einer Seite des Planeten ist immer Nacht und auf der anderen immer Tag. Das liegt an seiner gebundenen Rotation. Wer also auf Trappist-1d Lust auf ein Nickerchen hat, muss mobil sein.
Gleich um die Ecke dagegen liegt der warme und terrane Planet der Klasse M Proxima Centauri b. Keine 40 Billionen Kilometer weg. Als man ihn vor vier Jahren entdeckte, war er die erste Adresse unter den bewohnbaren Exoplaneten. Inzwischen hat sich unser Verhältnis zu ihm etwas abgekühlt, auf durchschnittliche Minustemperaturen von 39°. Da sollte man sich also einen guten Wintermantel ins Reisegepäck legen.
Wie auch immer, es gibt ein paar Optionen und unsere Star-Treks sollten sich so oder so möglichst bald auf den Weg machen.  Denn viel kann man von der alten Welt nicht mehr erwarten. Hier geht alles ordentlich den Bach runter und – wie schon eingangs erwähnt - dieses Jahr ist sogar schon nach wenigen Tagen derart vergammelt, dass man wirklich nur noch hier weg will! Eine Zukunft ist hier nicht mehr vorstellbar. Auf zu den Sternen und folgen wir Gene Roddenberrys kosmischer Space-Opera, singen wir eine Arie der intergalaktischen Zukunft und shuttlen wir eine U.S.S. Enterprise. Wandern wir aus zu den Sternen. Vielleicht, ja vielleicht hat die alte Erde dann auch noch eine Zukunft.

 

Streifschuss vom 01. Januar 2021

 

Anlass: Wehrt euch endlich gegen die Beherrscher der Zeit

 

Tempus est error

 

Nun ist dieser lächerliche Jahreswechsel auch rum, zumal die ganze Veranstaltung auf einer historischen Legende ruht. Der Namensgeber des gestrigen Tages war Papst Silvester I. und er soll laut der konstantinischen Schenkung Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt haben. Schon der Kardinal Nikolaus von Kues und ein paar Jahre später der Kritiker Lorenzo Valla bewiesen im 15. Jahrhundert, dass diese Schenkung eine Fälschung war.  Die Constitutum Constantini wurde im 8. Jahrhundert verfasst und berichtet aus der Zeit des 4. Jahrhunderts. Und das alles in einer Zeit, wo die Zeit selbst noch gar nicht überall gleich war. Selbst nach Einführung des julianischen Kalenders gab es Probleme. So galten von 1582 bis 1700 im Reich zwei verschiedene Zeiten.  Denn im Jahr 1582 veröffentlichte Papst Gregor XIII. eine Bulle, die alle verpflichten sollte, den korrigierten gregorianischen Kalender einzuführen um am 04. Oktober 1582 sollten zehn Tage übersprungen werden. Denn der julianische Kalender hinkte zehn Tage hinterher, da das Jahr dort 365,25 Tage beträgt und 11 Minuten länger ist, als das tropische Jahr. Damit hatte sich der Frühlingsanfang verschoben und natürlich auch das Osterfest. Der gregorianische Kalender glich das aus, so wurde die Zeit um 325 (Konzil von Nicäa, wo der Papst Silvester nicht mal selbst anwesend war) wieder hergestellt. Der Frühlingsanfang hatte sich seit Cäsar vom 23. März auf den 21. März verschoben und man sollte den Frühlingsanfang am 21. März feiern. Doch die Reformierten weigerten sich, die päpstliche Bulle rechtlich anzuerkennen. In den bikonfessionellen Städten (durch den Augsburger Frieden von 1555) –Donauwörth!- kam es zu vielen Auseinandersetzungen. Im  Appenzeller Hinterland feiert man bis heute am 13. Jänner das alte Silvester. Das bezeugt den Widerstand gegen die Einführung des gregorianischen Kalenders.

Man kann es also einen Zufall nennen, dass dieser Papst am 31. Dezember starb. Und die Legenden zu diesem Papst sind Fake News. Daher feiere ich schon lange nicht mehr in seinem Namen. Mein Jahreswechsel kommt erst in ein paar Monaten. Ich heilte meine eigene Mutter von ihrer Schwangerschaft! Und dieses Wunder ist keine Legende, sondern lässt sich urkundlich nachweisen. Ich lebe noch im ersten Jahrhundert. Goethe wurde in meiner Zeitrechnung 216 v. B. geboren, der 2. Weltkrieg begann 31 v. B. und 9/11 war im Jahr 36 n. B. Jetzt könnte man mir vorwerfen, dass diese Zeiteinteilung willkürlich sei. Aber ich habe doch gerade nachgewiesen, dass die allgemein akzeptierte Zeitrechnung auf einer erfundenen Geschichte ruht und sogar die Rückdatierung auf Christi Geburt sehr fragwürdig ist. Dagegen ist meine Geburt ein eindeutig beweisbares Ereignis gewesen. Mag es auch von historischer Nebenbedeutung sein – für mich persönlich war es schon von Belang. Jedenfalls ist meine Geburt für mich wichtiger, als der Tod von Papst Silvester I. Und wenn schon ein Papst betrügt – wie soll man diesen gigantischen Menschheitsbetrug des so genannten Jahreswechsels bewerten?
Es ist ein reines Herrschaftssymbol, alle Uhren gleich ticken zu lassen. Schon seit Generationen lassen wir uns von einer anonymen Macht den Takt vorschreiben.

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