Literaturprojekt
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Streifschüsse -                                                                              Archiv 2016

Streifschuss vom 31.12. 2016

Anlass: Wutbürger und andere Monster

Wer sie wirklich sind!

Das so aufregende Jahr 2016 wird von einem Mann überlebt: Donald Trump. Inzwischen kann man ihm Lügen im dreistelligen Bereich nachweisen. Eine Lüge bleibt herausragend. Dass Hilary Clinton eine Verbrecherin sei. Auf einer Website namens „Infowars“ behauptet ein gewisser Alex Jones, dass Hilary Clinton unmittelbar aus der Hölle stamme. Wenn man sich ihr nähere, würde man Sulfur-Geruch wahrnehmen. 40 Prozent der Trump-Wähler glauben tatsächlich, dass Hilary Clinton ein Dämon ist. Und jeder, der sich Hilary Clinton nähert, kann den Schwefelgeruch wahrnehmen.

Auch wir in Deutschland hatten schon einen Dämon an der Macht. Und nur einem gemeinem Trick ist es zu verdanken, dass wir es nicht gerochen haben!

Der Beweis ist leicht zu liefern:

Hier sehen Sie den Dämon. Sie erkennen ihn nicht. Doch im nächsten Bild hat er eine so genannte „Aufwallung“. Wenn er in Wut gerät zeigt er sein wahres Gesicht!

Heute wissen wir, Hitler war ein „Wesen“, ein so genannter Blutbader. Blutbader sind wolfsähnliche Wesen mit einem scharfen Geruchssinn und übermenschlicher Stärke. Wenn sie im Rudel auftreten, sind sie sehr gewalttätig und instinktgesteuert. Sie reagieren stark auf die Farbe Rot. Blutbader ernähren sich von Fleisch und sind auch fähig, Menschen zu reißen. Es gibt auch vegetarische Blutbader, die sich 'Wider-Blutbader' nennen und eine strenge Diät einhalten.

Vermutlich ist Hilary Clinton ein Hexenbiest. Diese sind im normalen Zustand recht hübsch

In Aufwallung sehen sie aber ganz anders aus:

Ja, da kann einen schon mulmig werden.

Aber ist Trump nicht auch ein Wesen!  Genau wissen wir es noch nicht. Wie könnte er aussehen, wenn er in Aufwallung ist?

Ja, das kommt ihm sehr nahe. Trump ist eine Granitbestie. Sie gelten als unverwundbar und sind nahezu schmerzfrei.

Also! Es wird ein spannendes Jahr 2017, voller Wesen und voller Aufwallungen.

 

Guten Rutsch für alle aufgeklärten Ungesichter

Streifschuss vom 24. Dezember 16

 

Anlass: Bitte lächeln – oder „alles wie immer“.

 

Mein zweiundfünfzigstes Weihnachten. Und wie geht’s? Zahnweh. So wie vermutlich bei meinem allerersten Weihnachten. Viele Menschen leiden auch unter einem grippalen Infekt oder der Anwesenheit entfernter Verwandter – was ja einem Infekt nicht unähnlich ist.
Ansonsten war es für die meisten deutschen Bürger ein arbeitsreiches und relativ stabiles Jahr. Wenig Zeit, um weiter zu denken als bis zum nächsten Termin. Und die Apokalypse? Einfach nur ein Termin für das nächste Meeting.

Vor zweiundfünfzig Jahren hatte ich auch Zahnweh, konnte aber noch nicht lesen. Daher entdeckte ich diesen Artikel der Zeitschrift Spiegel aus dem Jahr 1964 erst jetzt:  Die beiden Terroristen, der Partisanenführer Georg ("Der Hämmerer") Klotz, 45, und Luis Amplatz, 38. (über 200 Sabotageakte), von den Italienern steckbrieflich gesucht und im Mailänder Sprengstoff-Prozeß in Abwesenheit zu 18 und 25 Jahren Gefängnis verurteilt, hatten in Österreich Asyl gefunden. Im April waren sie wegen zu freimütiger Interviews (Amplatz mit dem SPIEGEL, Klotz mit "L'Europeo", Mailand) in Wien festgesetzt worden. Sie durften Ostösterreich nicht verlassen. Am 27. August, gegen 14 Uhr, verschwanden die beiden Südtiroler in einem Leihwagen nach Westen. Ihr Ziel: Südtirol; ihr Plan: durch neue Terroranschläge die Genfer Südtirol-Konferenz zwischen dem österreichischen und dem italienischen Außenminister, Bruno Kreisky und Giuseppe Saragat, zu sprengen.

Und nun, zweiundfünfzig Jahre später wird ein Terrorist in Mailand erschossen. Also wer mir erzählen will, dass diese heutige Welt völlig neu sei (Neuland, um mit den Worten einer mächtigen Frau zu sprechen), der leidet unter massivem Gedächtnisschwund. Zahnweh, Grippe und Terrorismus. Das sind feste Konstanten im Leben von uns Menschen.
Arthur Schopenhauer, dieser biestige alte Geschichtsleugner brachte es auf den Punkt:

Es ist der größte Irrtum zu glauben, dass das Glück der Zweck des Lebens sei.

Ich sage dagegen – trotz Zahnweh – Glück ist vielleicht nicht der Zweck meines Lebens, aber ein ganz brauchbares Ergebnis meines Daseins, wofür sich der Einsatz so mancher Mittel durchaus lohnt.  Trotz Zahnweh und Terminhetze! Trotz Terror und Globalisierungsangst! Es lohnt sich, an das Gute zu glauben und es lohnt sich zu hoffen. Es lohnt sich, weiter zu machen. In nur zwanzig Jahren wurden in Deutschland die Gewalttaten mehr als halbiert, meine Zahnschmerzen werden vergehen, weil es gut ausgebildete Zahnärzte gibt und die Rechnung zumindest teilweise von meiner Versicherung übernommen wird. Unser Leben ist besser, als die Meinung, die viele vom Leben haben. Also: Bitte lächeln.

Streifschuss

vom 18. Dezember 16

 

Anlass: Pflegereform

 

Die Raute bröckelt

 

In ihrer letzten Video-Botschaft wünschte sich Frau Merkel zu Weihnachten eine bessere Bezahlung für die Pflegekräfte. Zitat:  "Die Bezahlung ist immer noch so, dass viele sagen: Das ist nicht ausreichend – und das kann ich auch verstehen", so die Bundeskanzlerin. Wollen wir nun gemeinsam diesen ausgefuchsten Satz analysieren. Die Bezahlung sei so, dass viele sagen bedeutet, dass die Bezahlung nicht so ist, nur wird behauptet, sie sei so oder so. Damit ist Frau Merkel postfaktisch. Sie legt sich auch nicht fest, indem sie empört sagt: Die Bezahlung ist schlecht. Nein. Sie sagt, sie habe gehört, dass einige (viele okay) gesagt hätten, sie sei schlecht. Damit muss sie nichts tun vorerst. Denn das ist alles Konjunktiv. Und das muss man jetzt erst einmal genau untersuchen, diese neue Nachricht. Ist es so, oder ist es nicht so? Jedenfalls kann sie es verstehen. Das ist natürlich eine gute Nachricht für alle Krankenschwestern und Krankenpfleger. Denn Verständnis tut gut. Aber sie hat kein Verständnis für euch Krankenschwestern oder Krankenpfleger. Das habt ihr jetzt falsch verstanden. Sie, Frau Merkel, hat nur verstanden, dass wer gesagt hat, dass viele unzufrieden seien mit der Bezahlung. Das hat sie verstanden. Womit sie signalisierte: Ich hab’s mitbekommen.
Natürlich drückte sie ihren Respekt gegenüber den Pflegekräften und deren Arbeit aus. Stellen Sie sich vor, sie würde sagen: Die sollen sich nicht so anstellen, wegen dem bisschen Scheiße schippen. Sie nannte es eine „anstrengende Tätigkeit“. Das ist alles heiße Luft, ein halber Arbeitstag der Kanzlerin geht drauf für heiße Luft. Was interessiert mich, ob sie gehört hat dass dies oder das gesagt worden sei. Und mich interessiert es auch nicht, ob sie meine Arbeit toll findet oder nicht.

 Danach lobte sie die Pflegereform.  Und sie bezeichnet die Pflegeversicherung allen Ernstes als „großartig“. Wie ernst ist ihr das alles? Wird auch hier ein „Wir schaffen das“ zu einem „helft mir bitte“? Dann müssen auch die Pflegekräfte mithelfen, damit Frau Merkel es schafft, dass wir es schaffen. Schaffe, schaffe – Häusle baue nennt es dann der Schwabe. Aber da steht dann am Ende wirklich ein Häuschen mit Kaminchen und zum Frühstück Kaninchen. Wenn jedoch eine führende Politikerin keine Agenda hat, kann sie auch  an nichts scheitern, außer dann, wenn sie wirklich mal sagt „Wir schaffen das“. Und die Pflegereform ist gelinde gesagt ein Witz. Ein schlechter Witz wohlgemerkt. Vereinfacht in einem Bild: Angenommen Sie kommen an einen Unfallort und dort sind Schwerverletzte. Dem einen quillt der Darm aus der offenen Bauchhöhle, der andere hat ein schweres Schädelhirn-Trauma und arterielles Blut spritzt zur anderen Straßenseite. Sie sind der Ersthelfer und haben ein Pflaster dabei um die Situation in den Griff zu bekommen. Dieses Pflaster ist Gröhes Pflegereform. Schade um die viele Zeit, Arbeitszeit, Steuergelder, die in diese Reform ging. Es ist in der Tat eine Reform. Und zwar wörtlich genommen: Eine Rückbildung.

Heiße Luft und dazu eine Pflegerückbildung. Ein Video, ein Gesicht das Bände spricht und dazu mein  postfaktisches Gefühl von Unruhe.

Streifschuss

vom 11. Dezember 16

 

Pisa, Omi und die Ringelrobbe.

Wer wird schlauer?

 

Warum können die Japaner so viel besser rechnen als die Deutschen? Im Vergleich liegen Deutschlands Schüler sechs Plätze hinter den japanischen Einmaleins-Akrobaten. Man hat nun herausgefunden, woran es liegt! Am besseren Fisch! Ja! Omega-3-Fettsäuren verbessern die Hirnleistung der japanischen Schüler. Daher werden die deutschen Schulkantinen – so die aktuelle Schulreformbeauftragte Frau Grütters – umgerüstet.  Es gibt an deutschen Schulen bald nur noch Fisch. Fisch in Dosen, aber auch rohen Fisch. Dazu wird das landesweit im Einsatz befindliche Ritalin durch Opti3 ersetzt. Für die veganen Rechen- und Leseschwachen Sprösslinge unseres Landes wird von der deutschen Staatsministerin Grütters der verstärkte Einsatz von Hanföl, Leinöl und Walnussöl empfohlen. Innerlich, äußerlich und als Raumverdampfer zum Inhalieren. Eine massive Bildungsreform setzt sich durch! Die Omega3-Initiative: Kurz Omi. Mithilfe von Omi werden  unsere Kinder bald wieder ganz vorne sein in der internationalen Rangliste. Dass unsere Kinder dann auch besser kacken können, ist ein wunderbarer Nebeneffekt. Endlich ändert sich etwas an unseren Schulen! Auch die Toiletten werden verschönert, da sich unsere Rechen- und Leseschwachen Schüler in Zukunft ja vermehrt dort aufhalten werden. Daher werden an den Toiletten deutscher Schulen zukünftig digitale Lernplattformen hängen, damit die kackenden Omi-Schüler keinen Unterricht versäumen, während sie ihr Geschäft verrichten. Schon in wenigen Jahren – so erhofft man es sich von Omi – können die Japaner von Platz 1 verdrängt werden. Aber auch die Finnen, die ja auf Platz vier verdrängt wurden, haben eine Entdeckung gemacht! Die Ringelrobbe. Sie verfügt über hervorragende Sehkräfte. Und der Verzehr von gut sehenden Ringelrobben, lässt die finnischen Einmaleins-Schüler besser die Zahlen erkennen. Daher wird die Ringelrobbe wieder intensiv gejagt und in finnischen Schulkantinen in gemörserter Form zum Verzehr an die Schüler verteilt. Wir werden sehen, ob die Ringelrobbe, oder Omi das Rennen macht. Demnächt! Bei der nächsten Pisa-Studie, die hoffentlich nicht mehr so schief ist, wie die letzte.

 

Streifschuss vom 01. Dezember 16

 

Neo-Manichäismus und der Kaiser von China

 

Globale Herausforderungen benötigten globale Lösungen, sagte Schäuble. So viel zum Populismus. Und jetzt sagen viele: Wer gegen die Globalisierung ist, der ist ein Nazi. Ja klar. Es gibt nur global oder national. In einer digitalisierten Welt aus Null und Eins ist ein dritter Weg gar nicht mehr vorstellbar. Wir befinden uns auf dem besten Weg in einen Neo-Manichäismus. Ein Kampf zwischen schwarz und weiß, zwischen gut und böse. Merkel ist gut, Trump ist böse. Trump sagt natürlich, dass Merkel böse ist und er gut. Bias von Priene sagte: Hoi pleistoi kakoi (Die Meisten sind schlecht). Periandros erwiderte darauf: Schimpfe so, dass du schnell wieder Freund werden kannst. Shang Yang verbot dagegen einfach das  Zusammenleben von Vater und Sohn, und führte die doppelte Besteuerung von Haushalten mit mehr als 2 Männern ein.

Da die digitale Welt nicht die Realität widerspiegelt, sondern die zweidimensionale Fläche eines Bildschirms, ist dieser Neo-Manichäismus in erster Linie ein mediales Armageddon. Eine moderne Theorie aus der Physik besagt, dass das, was wir dreidimensional erleben, auch als Abbild von zweidimensionalen Vorgängen auf einem riesigen kosmischen Horizont betrachtet werden kann (Maldacenas "AdS-CFT-Korrespondenz). Globale Herausforderungen, lieber Herr Schäuble, brauchen also zweidimensionale Lösungen. Denn „Global“, das heißt „allgemein und ohne große Tiefe“. Kurz: Die Welt ist flach. Insofern ist es nur recht und billig, die Welt in gute und böse, in kluge und dumme, in große und kleine, in dicke und dünne einzuteilen. Differenz, das ist – vereinfacht gesagt (denn es soll ja alles einfach sein) – der feststellbare Unterschied zwischen Zahlen oder Werten. Differenz ist der Gegenbegriff zur Identität. Und so haben wir es schon wieder mit dem Manichäismus zu tun. Identität gegen Differenz. Und ja, liebe Leser, ihr seid alle anders als ich. Ich allein bin mit mir selbst identisch und darum bin ich allein der Kaiser von China. Ihr seid nur das Volk, differente dünne, dicke, gute, böse, kleine, große. Globale Herausforderungen sind nach Herrn Schäuble so ganz allgemeine Untiefen. Aber es kann nur einen Kaiser von China geben!!

Streifschuss vom 24. November 2016

Anlass: Talkshowisierung der Politik mit gezielter Vernichtung von Gehirnzellen

 

Die Talkshow und ihr Feldzug gegen die Vernunft

 

Abgesehen von der Phönix-Runde, in der einigermaßen ausgesuchte Experten noch relativ beherrscht über spezielle Themen sprechen, sind Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein intellektuelles Fiasko. Es wundert nicht, dass das Privatfernsehen dieses Sendeformat nicht auf dem Bildschirm hat. Denn dieses Niveau kann selbst das Privatfernsehen nicht mehr unterbieten.
So wurde zum Beispiel in einer Talkshow (Hart aber fair) über die Verrohung der Gesellschaft gesprochen, und dabei wollte ein Politiker seine Überwachungskameras verkaufen, die andere geladene Politikerin prahlte mit ihren Hausbesuchen beim einfachen Volk, ein Feuermann beschwerte sich, dass Schaulustige ihm die Verpflegung stahlen, und der zum Thema passende Pfarrer lobte es, wenn man alten Damen über die Straße hilft – übrigens ohne vorher zu klären, ob die alte Dame überhaupt will… Oder in einer anderen Talkshow wurde zum Thema Schere zwischen Arm und Reich gesprochen (Maischberger): Da behauptet ein sich selbst überschätzender Selfmade-Millionär und selbst ernannter Motivationstrainer jeder könne es schaffen. Dem widersprach eine Linken-Politikerin mit dem verzweifelten Versuch absolute Zahlen gegen Statistik-Prozente zu setzen. In der gleichen Sendung wurde eine Working-Poor-Reinigungsfachkraft als schwitzendes Beispiel vorgeführt und eine Wirtschaftsjournalistin (da hätte mich interessiert, was die eigentlich monatlich so dazu verdient) versucht ständig sich die Welt mit Prozentzahlen schön zu jonglieren, assistiert von einem verhaltensauffälligen Vertreter der Caritas, der gleich mit zwei erhobenen Zeigefingern als Lehrmeister der wahren Zahlen auftrat – freilich ohne je eine wahre Zahl zu nennen, sondern nur darauf zu verweisen, dass man nur der Statistik trauen darf, die er selbst gelesen hat, und zuletzt fehlte nicht der Stahlarbeiter, der den Verlust seiner Männlichkeit beklagte, weil er seine Familie nicht mehr allein ernähren kann. Das alles in nur zwei Talkshows!

Es geht alles durcheinander. Das Format Talkshow erinnert an das Wandertheater im 17. Jahrhundert, wo verlauste Schausteller im Stehgreif den Harlekin mimten und das einfache Volk zahnlos und laut dazu lachte.
Düster fürwahr. Es geht dort zu, wie in einer Kneipe zu fortgeschrittener Alkohol getränkter Nacht; während ein riesiger Flachbildschirm zusätzlich ein Fußballspiel zeigt. Volksnah! Klar, da würde auch ich leichthin „Schmarrn“ sabbeln. Aber das regelmäßig zur Primetime im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu senden, das ist inzwischen eine Zumutung. Natürlich kann jeder entscheiden, auf einen Privatsender zu wechseln, oder gar stattdessen ein Buch zu lesen. Aber diese Talkshows machen süchtig. Sie haben etwas an sich, das den Zuschauer abhängig macht. Wie der Alkohol in der Kneipe. Verdummung ist ein abhängig machendes Volksgift, für das man lediglich 17,50 € monatlich GEZ-Gebühren bezahlt.

Es wäre also an der Zeit, dass sich der Verbraucherschutz einschaltet und diese Talkshows mit einem Warnhinweis kennzeichnet: „Achtung, diese Sendungen machen abhängig und führen zu schweren kognitiven Schäden“.

Streifschuss vom 16. November 2016
Anlass: 50 Jahre Repressive Toleranz

 

Schreiben wir lieber Blumengedichte

 

Die Welt wird immer schwieriger zu verstehen. So bat die SPD-Politikerin Özoğuz bei der jüngsten Verhaftungswelle (schon das Wort „Verhaftungswelle“ klingt unschön) um etwas Augenmaß. Daraufhin geht ein übler Shitstorm über die Migrationsbeauftragte nieder. Was soll die Frau denn sagen? Sie ist Migrationsbeauftragte und nicht Innenministerin. Abgesehen davon: War da nicht was vor kurzem? Sind deutsche Gefängnisse wirklich sicher für Moslems? Man darf die Polizei nicht mehr kritisieren! Die Zeiten sind vorbei.
Und zuvor traf es Anne Will, weil sie eine Muslimin eingeladen hatte, die einen Niqab trug und sich unglücklich über den Krieg in Syrien äußerte. Wollen wir nun diskutieren oder nicht? Wenn wir mit solchen Leuten nicht reden, dann befinden wir uns in einer Echokammer der gegenseitigen Affirmation. Gleichzeitig beschimpfen dieselben Leute, die auf Muslime losgehen und  Özoğuz auf üble Weise angreifen, den frisch gewählten US-Präsidenten Trump als Rassisten.  Ausgerechnet solche Sympathie-Träger wie Peter Tauber (Sexist der Nation) oder Wolfgang Bosbach (Deutschlands obersten Datenschutz-Killer) schreien besonders laut.

Das Problem: Tauber und Bosbach haben auch noch Recht. Denn im Augenblick, wo die Oberrassisten der AFD nur darauf lauern, dass das Vertrauen in unseren Rechtsstaat schwächelt, ist es nicht sehr hilfreich, die Exekutive derart anzugreifen. Andererseits wissen wir wirklich nicht mehr genau, ob unsere Exekutive noch aus lupenreinen Demokraten besteht. Das hat die NSU-Affäre leider allzu deutlich gezeigt und der polizeiliche Umgang mit der Hassgruppe PEGIDA war auch nicht vorbildlich.

Was also tun? Ist das Zeitalter der repressiven Toleranz vorbei? Die gegenwärtig herrschende Toleranz, - so formulierte es vor 50 Jahren Herbert Marcuse - auch in demokratischen Staaten, akzeptiere eine aggressive Politik, Aufrüstung, Chauvinismus und Diskriminierung aus rassischen und religiösen Gründen. Und ist damit überhaupt die Toleranz gegenüber anders Denkenden vorbei? Wer beerdigt als erster die Demokratie? Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit. Oder irre ich mich damit komplett? Ich weiß es nicht mehr. Und da ich nicht mehr weiß, was ich denken soll, ist meine Meinungsfreiheit schon massiv eingeschränkt. Der nächste Schritt für einen Schriftsteller? Blumengedichte. 

Streifschuss vom 14. November 2016

Anlass: Wieder so leer, so leer…

 

Rottendotcom bitte!

 

Jetzt bin ich schon wieder reingefallen. Die letzten Wochen medialen Hypes haben mich aufgeputscht. Und plötzlich ist Schluss! Keine „Wie-schreibt-Trump-seine-Hasspredigten-Dokus“ mehr, keine „Das-böse-Netzwerk-der-Clintons-Doku“ mehr, keine „Amerika-zerfällt-Doku“, keine „die-Welt-entsetzt-Doku“ mehr. Nein. Plötzlich wieder das öde Einerlei aus Tatort und Kochsendungen. Und wie lächerlich, läppisch, ja absurd provinziell wirkt da die aktuelle Suche nach einem Bundespräsidenten. Ist mir so was von egal, wer das in Zukunft macht. Das ist ein Job, den jeder kann, der betroffen dreinblicken kann und die Hände schüttelt, die ihm sein Spin-Doktor vorschreibt. Wann kommt endlich  die nächste Sensation? Mein Adrenalin versackt im Fersenbereich und ich fühle die Depression schon aufkommen. Normalität! Was ist das bitte? Liebes Fernsehen, liebe Nachrichten. Bitte, bitte macht eine Sensation, ein Erdbeben, ein Zugunglück, eine Revolution. Ich fühle mich so leer und allein. Trump? Wer ist das? Ach so. Der. Ach, der ist doch von gestern.

 

Streifschuss II am 09. November 16
Anlass: Antwort und Ehrlichkeit

 

Liebe Frau Pöse,

 

 Schnelle Antwort: Trump verspricht schlicht „alles“. Und das ist das große Geheimnis seines Sieges. Denn er macht alles wieder scheinbar offen. Seine Person und seine Unkalkulierbarkeit als Person macht eben alles wieder offen. Und das war wohl nötig. Im Grunde ist Trump der Change, von dem Obama sprach.  Er wird das nicht halten. Das ist auch klar. Aber das ist eben die Magie seines Sieges. Dazu musste er im Grunde nur eines machen: nichts. Das hat er getan. Er hat die ganze Wahl durch Hetze und durch „ich bin dagegen“ gestaltet. Ich bin euphorisiert! Und unsere Politiker reagieren reflexartig panisch. Man kann den Stock im Arsch geradezu fühlen. Keiner versteht, was hier geschehen ist. Schlimm ist nur, dass all das nicht geschehen wird. Die meisten Statements unserer Politiker sind eher peinlich.

Es ist ein falscher Prophet. Aber doch ist der Anspruch da. Das verstehen die meisten hinten und vorne nicht. Und das stimmt mich wirklich düster. Und doch bin ich euphorisiert, weil ich das seltene Erlebnis teile, dabei zu sein. Jetzt weiß ich, dass es sich wieder einmal – wie immer wohl – um den falschen Propheten handelt. Es muss also etwas in uns geben, das nach Propheten giert. Insofern fasziniert mich das. Und zugleich spüre ich den schalen Nachgeschmack dieser Scheiße. Es spielt keine Rolle ob das rechts oder links stattfindet. Inzwischen weiß ich eines sicher: Es hat nichts mit Richtung zu tun.

Nichts wird sich ändern – das hoffen alle. Und dabei haben die meisten gerade deshalb Trump gewählt, weil sie hoffen, dass sich dadurch endlich etwas ändert. Das ist so schizophren, dass ich euphorisiert bin als Diagnostiker dieser abgründigen Welt. Brillant, ehrlich!!!!!

 

Streifschuss vom 09. November 2016

Gastbeitrag von Krimhild Pöse

 

Anlass: Schicksalstag der Deutschen

 

Heute von 713 Jahren haben die Truppen des späteren Kaisers Ludwig des Bayern die Österreicher empfindlich geschlagen und nur 654 Jahre später haben dann völlig zu gekiffte Studenten ein Spruchband ausgerollt auf dem stand „Der Muff von tausend Jahren unter den Talaren“. Und schon wieder ist Schicksalstag. Oder wie sagte ein russischer Politiker im Fernsehen und brachte es auf den Punkt: „Ich liebe Trump. Nur ein Hooligan kann diesen korrupten Laden in Washington aufräumen.“ Oder ein polnischer Passant, der auf der Straße befragt wurde: „Die Idioten haben einen Idioten gewählt!“ Hooligans und Idioten! Ein Milliardär der jahrelang zum Inventar der Banken gehörte und für diese seinen Namen verkaufte, wurde nun „the Winner takes it all“. Ein korrupter und elitärer Weißer wurde zum Idol des kleinen Mannes. Oder um mit Daniel Johnston - dem genialsten manisch-depressiven Musiker Amerikas - zu sprechen:

I wanna win
Freedom talk of freedom
I'm just a whim
I'm so trapped in boredom

I touch the shore
How can I get there
To go away just to be nowhere

 

Wie wahr! Eine Laune. “I touch the shore”, das ist wohl die beste Variante, um die nächsten vier Jahre zu überstehen.

 

Eure Amerika-Korrespondentin  Krimhild Pöse

 

Streifschuss vom 26. Oktober 16

 

Anlass: Thomas De Maiziére will die Videoüberwachung ausbauen

 

Mehr Deo als Vi

Gastbeitrag von Marc Relau

 

Langsam werde ich wirklich richtig wütend, ja Wut-Bürger! Mehr Videokameras werden aufgestellt. Aber wäre es nicht hilfreicher, weniger Waffen zu verkaufen? Was nutzen hübsche Videos mit Gesichtserkennung, wenn der Typ eine Waffe zückt und um sich schießt! Ich fühle mich durch solche Pseudosicherheitsmaßnahmen von dieser Regierung komplett an der Nase herum geführt. Deutschland verkauft die meisten kleinkalibrigen Waffen. Und die meisten Zivilisten werden nun mal mit diesen kleinkalibrigen Waffen getötet. Und das ganze kommt zukünftig live auch in unseren Discountern! Wäre ich jetzt ein Wahnsinniger, dessen Begehren es ist, andere Menschen wahllos zu töten, dann wäre eine Videoaufzeichnung ein weiterer Anreiz für meine Verewigung. Die Colombine-Jungs wären von Videos begeistert gewesen. Was ist das für ein Staat, der unsere Privatsphäre zerstört und als Argument die Sicherheit anführt, während er durch Wegsehen beim Waffenverkauf unsere Sicherheit erst gefährdet? Dies ist ein Staat der Heuchelei. Es ist ein Staat, wo man geradezu dazu gezwungen wird, ihn konsequent zu hinterfragen. Verbieten wir also die Waffenherstellung in Deutschland, den Vertrieb von Waffen, schließen wir die Schützenvereine, entwaffnen wir die Bürger, entwaffnen wir die Händler, machen wir die Grenzen gegenüber Waffen dicht (nicht gegenüber Menschen), und so weiter. Und jetzt das Gegenargument: Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Insolvenzen der Videokamera-Hersteller und Vertreiber. Kurz und gut! Lassen wir uns weiter erschießen, damit wir unser Wirtschaftswachstum nicht gefährden. Ein Hoch auf die Vernunft.

 

Marc Relau

Streifschuss vom 25. Oktober 16
Anlass: Ge-CETA

 

Gesucht wird „Der Souverän“…

 

Wir befinden uns im Jahre 2016 n.Chr. Ganz Europa ist von den Technokraten besetzt... Ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Europäern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die technokratischen Legionäre, die als Besatzung in den befestigten Lagern liegen...Dass CETA nun nicht zustande kommt, das ist zunächst eine gute Nachricht. Denn es spiegelt schon die Meinung der Mehrheit der europäischen Bürger wider. Aber sehr schlecht ist die Nachricht, wie CETA nicht zustande kam.  Wer ist der Souverän in Europa? Wallonien? Oder wer auch immer sein eigenes Süppchen kocht, auch wenn dieses Süppchen gelegentlich Superkräfte verleiht. Dieses Europa wird entweder von korrupten Lobbyisten und Technokraten regiert, oder von der Willkür. Jetzt ist es ziemlich egal, ob uns die Kanadier beleidigt sind. Denn noch einmal, was für ein Glück! CETA wäre für Europas Bürger, aber auch für Kanadas Bürger ein Alptraum geworden. Schiedsgerichte, wie in der Mafia, würden Deregulierung und Privatisierung der Märkte voran treiben. Eine an Gotham City erinnernde Paralleljustiz mit hybriden Monstern würde entstehen. Die ersten Vorboten aus Gotham City sind ja schon aktuell in den Schlagzeilen! Düstere, bedrohlich wirkende Clowns, die sogar kleine Kinder auffressen, treiben sich durch unsere Städte und üben schlimmen Terror aus. Sie sind Vorboten von TTIP und CETA! Und so haben die Wallonen – unser dunkler Ritter – erst einmal das Allerschlimmste abgewendet. Aber nun ernsthaft. Europa hätte nur eine halbwegs vernünftige Chance, wenn sie ein System aus zwei Kammern bilden würden und die Bürger endlich zum Souverän machten. Aber das wäre nicht regierbar, wenn der Rat aus Orban, Szydlo, Hofer, Le Pen, und anderen hybriden Monstern aus Gotham City bestünde. Und jetzt – bei aller Satire – merken Sie den Ernst: Die Rechtspopulisten sind die weit größere Gefahr, denn sie würden die Tore erst öffnen für die Deregulierung und Privatisierung. Ganz einfach, weil sie selbst Monster sind. Und Monster ziehen Monster an. So einfach ist das.

Streifschuss vom 21. Oktober 2016
Anlass: Entenhausen wählt einen Präsidenten

 

Gastbeitrag von
Opa Knack mit der Aufschrift Begnadigt oder 186-802.

 

 

Enten sind doch nicht rothaarig!

 

Wir müssen da jetzt gemeinsam durch. Wird es Trump, dann wird das ein Trumputin für die nächste Präsidentin Michelle Obama. Spätestens 2020, weil Trump durch ein Amtsenthebungsverfahren gefeuert wurde und wieder in Kallstadt wohnt. Und wird es jetzt Hillary Clinton, na gut, sind wir ehrlich: eine neokonservative Hardlinerin, die den Terror durch noch mehr Bomben bekämpfen will – das ist keine Inspiration. Klar – Trump ist da bestenfalls Exspiration.

Also! Vote Michelle!! Dann heißt die nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika Michelle Obama. In drei, vier oder in acht Jahren wird sie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten an der Spitze führen und inspirieren. Bis dahin ist Katrin Albsteiger unsere Kanzlerin. Wie? Kennen Sie nicht. Sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union. Und sie ist – blond. Oder Bianca Schulz, Beisitzerin im Bundesvorstand der JU. Und sie ist – blond. Oder Stefanie Schipansky, ebenfalls Beisitzerin - sie ist? Blond. Oder Christina Oberdorfer, noch eine Beisitzerin. Sie fragen noch? Blond. Hah! Viktoria Lehmann: dunkelblond. Oder doch von den Jusos? Da hätten wir ja eine Brünette! Johanna Ückermann ist Bundesvorsitzende, oder Delara Burkhardt, auch brünett. Was heißt da frauenfeindlich! Niemand respektiert die Frauen so, wie… Gott „Donald“. Die Vorstellung, dass das große freie Land von Donald regiert würde, das macht einen schon nachdenklich.

Eure Panzerknacker

 

 

Streifschuss vom 16. Oktober 2016

Anlass: postfaktische Gehirnatrophie

 

Der deutsche Wurm

 

Die AFD ist sicher keine sozialistische Partei. Sie ist eine bürgerliche Partei mit sowohl reaktionären Anteilen (Stärkung der Polizei, Stärkung der Familie, Wiedereinführung der Wehrpflicht), aber auch mit sozialen Anteilen (Mindestlohn, Steuergerechtigkeit, soziale Marktwirtschaft). Nimmt man also das Parteiprogramm der AFD zur analytischen Grundlage, um diese Partei zu klassifizieren, dann ist sie kaum von anderen Parteien unterscheidbar. Das politische Argument ist kein Instrument, um Stimmung erklären. Die AFD wäre mehr oder weniger wählbar. Genauso wie andere Parteien. Stimmung ist vielmehr eine Hintergrundemotion. Sie beruht auf das Auslesen von nichtsprachlichen Zeichen und wird dann zu einer primären Emotion wie zum Beispiel Furcht. Stehe ich zum Beispiel vor einer Gruppe bedrohlich wirkender Männer (PEGIDA), die mich mit von Hass verzerrtem Gesicht anstarren, dann ist meine primäre Emotion natürlich Furcht. Im Anschluss daran kann ich diese primäre Emotion in eine soziale Emotion umwandeln: zum Beispiel Entrüstung. In der Summe sind die Bewegungen von PEGIDA Hintergrundemotion. Die AFD nährt die Stimmung und deutet sie in soziale Emotionen um, zum Beispiel Nationalstolz. So hofiert die AFD soziale Emotionen wie Neid, Eifersucht und Verachtung als Ausdruck von Stolz und Bewunderung der deutschen Rasse. Die politischen Argumente sind hierbei austauschbar. Es geht um das narrative Element und jede Erzählung hat auch ein kathartisches Erleben in seiner Auflösung. Verlegenheit, Scham und Schuldgefühle werden als soziale Emotion abgelehnt. Das ist weitestgehend nachvollziehbar. Aber der Umschlag in Hass, Neid und Verachtung gereicht einer Gesellschaft auch nicht gerade zur Ehre. Der Vorschlag Mitgefühl zu zeigen wird von der nationalen Bewegung abgelehnt mit dem Verweis auf das Gefühl der Bedrohung. Die so genannten Flüchtlinge lösen die primäre Emotion der Furcht aus und diese wird mit Neid, Hass und Verachtung zu einer sozialen Emotion. Daraus kann kaum ernsthaft Mitgefühl erwachsen. Freut euch doch einfach mal, dass ihr nicht mit einem Schlauchboot über den Atlantik schippern müsst, um gut leben zu können. Die Bundesregierung tut das auch und hat die Initiative „gut leben in Deutschland“ gegründet. Die Narration der Schuld ist doch längst Vergangenheit. Insofern sind die Menschen der nationalen Bewegung, sind PEGIDA und AFD zurück geblieben. Zurück gebliebene Menschen spüren dann Neid und Scham. Neid auf die Menschen, denen es gelingt, ein freudvolles und von Mitgefühl gekennzeichnetes Leben zu führen. Scham über das eigene Versagen, weder Freude noch Mitgefühl empfinden zu können. Die von Scham und Neid geprägten PEGIDA-Menschen retardieren wieder auf ihre primären Emotionen: Furcht, Wut und Traurigkeit. Die Politiker der AFD zeigen sich hier als Volkspsychologen, indem sie so tun, als verstünden sie diese primären Emotionen. Für dieses Verstehen werden sie dann von den Beschämten gewählt. Das Problem von Masse ist aber, dass sie sich aus Einzelpersonen zusammensetzt. In der Masse verliert sich die primäre und soziale Emotion und wird wieder zur Hintergrundemotion, zur Stimmung. Und die heizt sich auf. Und heizt sich auf. Das ist die wesentliche Politik der AFD. Damit sind sie zu Volksverführern geworden. Die Stimmung bedarf dann keiner Fakten mehr. Es geht nur noch um die Kontrolle über die derart Gestimmten. So verschlechtert sich dann die allgemeine Stimmung im Land. Mich nervt es inzwischen, diesem von jeglicher Argumentationslogik befreiten Geschrei dieses nationalen Haufens ausgesetzt zu sein. Meine soziale Emotion: Verachtung. Wunderbar! Jetzt haben wir die Deutschen wieder da, wo wir sie haben wollen. Dafür braucht man nicht sehr viel Gehirn. Auch der Caenorhabditis elegans schafft das. Er ist ein Wurm (ein Zwitter) mit gerade mal 300 Neuronen und 5000 interneuronalen Verbindungen (der Menschen hat mehrere Milliarden Neuronen und Billionen Verbindungen). Aber findet der Wurm genug Nahrung vor in einer stressfreien Umgebung, dann frisst er allein. Ist jedoch wenig Nahrung vorhanden und in der Umgebung ein scharfer Geruch feststellbar (für einen Wurm eine echte Bedrohung), dann versammeln sich die Würmer an bestimmten Orten und fressen in Gruppen. So viel also zum Caenorhabditis pegida…, dem deutschen Wurm. Also Rente erhöhen, Sozialbezüge erhöhen und Flüchtlinge nach Hause schicken, und schon frisst der Wurm wieder alleine. Und das ist alles?
 

Streifschuss vom 11. Oktober 2016

Anlass: Terrorbekämpfung

 

Maas – Maaßen – maßlos

 

Und wieder wurde bewiesen, wie nötig Deutschland Migration hat. Denn ohne das mutige Eingreifen eines Flüchtlings, wäre die deutsche Polizei dem mutmaßlichen Terroristen nicht habhaft geworden. Oder in einer deutschen Klimax ausgedrückt: Maas – Maaßen – maßlos.  Der Ermittlungsdruck auf potentielle terroristische Gefährder aus dem islamistischen Kreisen ist zwar hoch, aber das organisierte Verbrechen kann jetzt ganz frei schalten und walten.  Oder:  Mass – Maaßen – Mafia lacht!  Es wird Zeit, dass wir unsere Willkommenskultur ausweiten! Flüchtlinge an die Macht. Warum setzen wir die zugewanderten Menschen nicht ein, um das organisierte Verbrechen in Deutschland zu bekämpfen. Sie könnten uns so hilfreich sein, wie der jüngste Fall deutlich beweist.

Aber ein endorphinsüchtiger Justizminister und ein Grundrechte verweigernder (Fall Murat Kurnaz) Verfassungsschützer die gemeinsam „maaßenlos“ die Daten von Bürgern einsammeln, aber dann nicht genügend Polizeibeamte zur Verfügung stellen, um das organisierte Verbrechen zu bekämpfen? Die sind einfach nicht hilfreich.

Streifschuss vom 18. September 16

Anlass: Berlin Wahl 2016

 

Nero burning AFD

„O Nero, ich will dein Andenken verehren. Wärst du noch am Leben, würde ich dich anbeten, und für ewig wirst du mein Vorbild sein und mein Gott“, legte einst Marquis de Sade seiner Heldin Clairwil in den Mund. Ausgerechnet jener mäßig begabte Kithara-Spieler, dem einst bei einer Tragödienaufführung das Zepter aus der Hand fiel (ein Verstoß für den er eigentlich disqualifiziert hätte werden müssen), ausgerechnet Nero, der in Olympia lange vor dem Ziel von seinem Zehngespann geschleudert wurde, ausgerechnet diesen Heuler, der in Quo vadis vom Palatin herunter jaulte, als Rom brannte (sehen Sie Peter Ustinov!!), ausgerechnet jene Lady Clairwil, die Juliette Zugang zur „Gesellschaft der Freunde des Verbrechens“ verschaffte, verehrt diesen dilettantischen Dichter-Kaiser! Daher wäre es kaum verwunderlich, wenn Frauke Petry heimlich Mein Kampf liest und mit feuchtem Höschen diesen dilettantischen Maler-Kaiser aus vergangenen Zeiten anhimmelt. Völkisch will sie es wieder haben! Offenbart sich hier nicht die nihilistische und sadistische Grundhaltung der gesamten AFD? Wir sind das Volk? Das heißt für diese Domestiken des Politik-Geschäftes doch nur Schlachtvieh für ihre niederen Triebe. Ekelhaft und widerwärtig! Volk, aus dem urgermanischen fulca heißt übersetzt „Kriegsschar“. Höcke, Petry und Gauland? Eine Kriegsschar? Ach Peter Ustinov! Sing noch einmal „Flammen, verzehrt es, wie im Feuerofen!“euH HeulH

 

 

Streifschuss

vom 05. September 2016

 

Anlass: Wahlen in MV

 

Mitten unter uns

 

Schauen Sie sich Frauke Petry doch mal genauer an! Sieht sie nicht aus, wie Anna, die Anführerin der Besucher, außerirdische Echsen, die die Welt erobern (aus der US-Serie V-Die Besucher)? Anna ist charismatisch, verführerisch und zerstörerisch! Doch im Ernst, AFD heißt nicht „außerirdische, fremdenfeindliche Dämonen“. Keine außerirdischen Echsen, auch keine Abgehängten. Die AFD  ist die Partei der Mitte. Denn die Bürger der Mitte wählen sie auch. Sieht man sich den Landesvorsitz der AFD in MV an, dann haben wir es mit einem promovierten Juristen zu tun, mit einem studierten Volkswirt und einer Verwaltungsfachwirtin. Besoldete Gelehrte. Der studierte Volkswirt Parteisprecher Herr Holm, war sogar bis vor kurzem noch Radio-Moderator. Eine Stimme, die das Volk kennt. Die Schatzmeisterin Frau Schielke-Ziesing ist dreifache Mutter. Das sind Leute, die in der Mitte der Gesellschaft fest verankert sind. Dass um sie herum Satelliten kreisen wie der wegen Volksverhetzung verurteilte Galerist Holger Arppe, das sind doch nur kleine Unfälle. Sein Gewaltaufruf gegen Muslime wurde natürlich falsch verstanden, denn es war „eine freie Meinungsäußerung“ und das „wird man ja wohl in Deutschland noch sagen dürfen“. Und die Richter, die ihn verurteilten sind allesamt politisch korrumpiert. Aber der linke Abgeordnete, der auf einer Demonstration „Solidarität statt Hetze“ ein Schild trug, auf dem „Besorgte Bürger entsorgen“ stand, der ist der wirklich Böse. Herr Arppe zeigte ihn folglich an. Das ist sein gutes Recht, klar. Hier hört die freie Meinungsäußerung auf, denn das richtet sich ja gegen Deutsche. Wer gegen Juden, Muslime und Migranten hetzt, darf seine Meinung sagen. Wer gegen Deutsche hetzt, gehört…, ich will nicht sagen wohin. Das ist das einfache Weltbild der Nationalisten, die eine Alternative „FÜR“ Deutschland propagieren. Jeder vierte in Mecklenburg-Vorpommern findet das gut. Und die etablierten Parteien bemühen sich auf der Resterampe ihrer politischen Möglichkeiten um Pragmatismus. Es ist nicht die Angst vor den Flüchtlingen, die der AFD einen solchen Stimmengewinn verschafft. Es ist eher der tief verankerte Nationalismus und Anti-Internationalismus, der in der Mitte Deutschlands immer schon da war. Sie sind national, homophob, wollen die Genderforschung abschaffen und mit Putin Geschäfte machen. Sie legen den Schwerpunkt auf die Familie, wollen den Staat zurückdrängen. Die Forderung, das Steuerrecht zu vereinfachen, zielt darauf ab Steuergerechtigkeit abzuschaffen und den Staat weiter zu schwächen. Die AFD ist die Partei einer staatsfeindlich eingestellten bürgerlichen Mitte.  Dabei ist die Politik ohnehin schon marginalisiert. Mehr Volk, weniger Staat. Am Ende kann der Staat gar nichts mehr machen. Und das Volk ist aufgerieben in einzelne, machtlose kleine Bürgerinitiativen. Das Volk als NGO. Was für ein Schwachsinn! In der Tat ist das Programm der AFD eine krude Mischung aus Staats-Revanchismus, DDR-Nostalgie und Nationalismus. Ein bisschen Sozialismus dazu, ergibt halt Nationalsozialismus. Und das wählten am Sonntag den 04. September eine halbe Million Menschen.

Streifschuss vom 03. September 2016
 

Anlass:

Deutschland in der Krise

 

Gastbeitrag von C.P. Muknep

 

Zwischen dem Beginn des 20.ten Jahrhunderts und dem Beginn des 21.ten Jahrhunderts gibt es einen ganz erheblichen Unterschied. Zum Beginn des 20.ten Jahrhunderts war in Deutschland das Politisieren die wichtigste Freizeitbeschäftigung. Im 21. Jahrhundert ist das Reisen die wichtigste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Wohl kaum ein Volk hat in den letzten 50 Jahren so viele Kilometer zurückgelegt, wie die Deutschen. Dieses Volk hat die Welt in Bermudashorts kolonisiert und trug ihre drei großen Ideen – Schweinefleisch, Kartoffeln und Bier – in alle Welt.  Berauscht von diesem Erfolg sind derzeit vor allem die Deutschen, die erst nach 1989 reisen dürfen.  Während im Westen der Missionsgedanke allmählich abflaute und vegetarische Dekadenz mit selbst gestrickten Pullovern in verlausten Omnibussen um die Welt reiste,  haben 17 Millionen Neudeutsche die Omnibusse gekapert, entlaust und marschieren seitdem in militärischer Ordnung Richtung Ibiza, Rimini und Malle. All inklusive. Ein Freizeit-Exodos von biblischem Ausmaß! Doch ein paar blieben zurück. Sie rasierten sich die Kopfhaare, zogen sich klobige, unbequeme Schuhe an in denen der Fußschweiß blüht. Sie besetzten die verwaisten Kartoffeläcker und wurden mit jeder Ansichtskarte, die ihnen ihre ehemaligen Nachbarn aus dem sonnigen Süden schickten, zorniger. Immer zorniger. Schweinefleisch, Kartoffeln und Bier! In nahezu jedem Winkel dieser schönen Erde. Das blieb nicht ungehört. Und so beschlossen viele ausgehungerte Menschen, dieses wundersame Land aus Schweinefleisch, Kartoffeln und Bier selbst einmal zu sehen. Viele von diesen Menschen hatten keinen Omnibus. Sie kamen zu Fuß oder in Schlauchbooten. Und sie trafen auf zornige, haarlose Schuhfetischisten. Mit Politik hat das alles nichts zu tun. Deutschland! Zwischen Schweinefleisch und Sojabohne, zwischen Döner und Sauerkraut. Ein Land, das sich seit einiger Zeit in einer schweren kulinarischen Krise befindet.

 

 

Streifschuss vom 25. August 2016

Anlass: Burkini-Verbot

 

Reisewarnung!!

 

Vorsicht! Wenn Sie jetzt nach Frankreich reisen, nähern Sie sich nicht angezogen einem Strand. Sie geraten sofort unter Terrorverdacht. Kleidung gilt in Frankreich als Symbol der Unterdrückung. Daher wäre es ratsam, sich gleich bei Grenzübertritt nackig zu machen. Der kleine Sarkozy will auch nur noch Nackte um sich haben. Es ist ein Gebot des Laizismus, möglichst wenig Stoff an sich zu haben.  Nackte Haut ist ein klares Bekenntnis zu Pluralismus und Demokratie.  Also Frauen aufgepasst!  Schal, Mütze, Kaputzenshirt, Ponscho bitte zu Hause lassen. Diese Symbole der Unterdrückung wie zum Beispiel der Rollkragenpulli oder lange Hosen gehören eindeutig verboten. Also tragt in Zukunft nur noch sexy GoGo Outfits, rückenfreie Partykleider, bauchfreie Tops, und wenn schon Hosen, dann Wetlook-Leggings, oder Capri Hip-Hop-Hosen. Egal! Hauptsache viel nackte Haut, damit man Ihre freiheitliche Gesinnung sofort erkennt. Lassen Sie sich also nicht unterdrücken. Bekennen Sie sich zu nackter Demokratie, zu den nackten westlichen Werten!

Oder anders gesagt: Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf.

Streifschuss vom 23. August 2016

Anlass: Prevent gegen VW

 

Traurige Trope

 

Der bosnischer Mafia-Millionär Nijaz Hastor von der Prevent-Gruppe zwingt unseren geliebten Volkswagen in die Knie und wo sind unsere Politiker? Von Merkel bis Gabriel? Sie tummeln sich deutschlandvergessen auf der europäischen Bühne. Das alles ist doch eine Steilvorlage für Rechtspopulisten! Früher, ach früher da wäre so ein Wirtschaftskrimi zur „Chefsache“ erklärt und mit einem kräftigen „Basta“ aus der Welt geschafft worden. Aber das war früher. Heutzutage hört man nur ein paar Lokalpolitiker flehend in die Mikros sprechen. „Bitte hört auf euch zu streiten.“ Eine kleine Firma, die Schonbezüge für Autositze produziert knechtet 30000 Volkswagenmitarbeiter zur Kurzarbeit. Der Mittelstand schlägt zurück! Und der ausgelassene Wirtschaftskrieg geht bis nach Brasilien zu Eastern Horizon (Sitz in Holland - das nennt man "global"). Hier blickt dann eh kaum noch einer durch. Was haben die nun wieder damit zu tun. Warum zahlt VW nicht einfach (jeder Tag Stillstand kostet mehr) und was passiert da eigentlich. Tja und hier denken wir alle schon wieder in die falsche Richtung. Denn für den Finanzkapitalismus wird Rendite ganz anders gemacht. Den Tradern und Playern geht die Realwirtschaft am Arsch vorbei. Arbeitsplätze? Umsätze? Stabile Binnenökonomie? Alles egal, ja scheißegal und am Ende auch illegal. Denn hier wird gewettet und dann geht es um Billionen. Herrliche Zeiten für Spekulanten, wenn ein Riese am Boden liegt. Der bosnische Mafia-Millionär Herr Hazan ist da wahrscheinlich nur ein Zulieferer. Es geht nicht um Kontrolle über realwirtschaftliche Dinge. Das ist ein finanzkapitalistischer Krieg.  Und einem Aktionär ist alles gleichgültig. Hauptsache Rendite. Und die ist immer schnelle Rendite. Da gibt es kein Morgen, keine Verantwortung. Ach ja, und wo sind unsere Politiker? Das ist wirklich egal wo die sind. Deshalb können die Rechtspopulisten genauso einpacken, weil sie für diesen Krieg keine Lösung haben. Entweder man spekuliert oder man spekuliert nicht. Das hat mit Politik gar nichts zu tun. Hier ist die Politik nur noch eine traurige Trope. Ein alter Hut. Unsere Führungspolitiker wissen das und halten sich deshalb vornehm zurück. Hier „Basta“ zu rufen, würde nur noch schallendes Gelächter auslösen. Wetten!

 

 

Streifschuss vom 13. August 16
Anlass: Datenspuren

 

Die Tugend des Unsichtbaren

 

Bene qui latuit, bene vixit. Fraglos. Aber das ist schwerer, als es sich zunächst anhört. Gerade heutzutage. Wir hinterlassen inzwischen so viele Datenspuren, dass wir nach unserem Tod virtuell weiterleben können, wie es das australische „Project Elysium“ schon seit 2015 versucht. „Briefe schreiben für nach dem Tod, auf Jahre hinaus, an alle gerichtet, die man geliebt oder gehasst hat“, schrieb Elias Canetti einmal 1967 in einer Notiz (Nachlass). Inzwischen kann man geradezu körperlich auferstehen. Die eigenen Daten von Körpergröße, Gewicht, Aussehen, Einstellungen, alles ist vermessbar. So entsteht eine virtuelle Existenz, die von der realen Existenz nur dadurch unterschieden ist, dass sie nicht stirbt. Stellen Sie sich vor, Sie könnten John F. Kennedy fragen, was er eigentlich von Putin hält. Oder Herr Erdogan unterhält sich im Netz mit der virtuellen Existenz von Atatürk. Karl Marx wettert auf Facebook gegen den Kapitalismus und Jesus twittert seine Bergpredigt. Platon hat eine Ideen-APP eingerichtet und Che Guevara tummelt sich im Darknet. Adolf Hitler hält beim Parteitag der AFD eine Rede, Gauland und Petry starren gebannt auf die Filmleinwand und bekommen einen Orgasmus. Rudy Dutschke hält derweil eine flammende Rede gegen TTIP und ein paar traurige Sozialdemokraten chatten mit Wilhelm Liebknecht. Wäre diese Revitalisierung mehr als nur reine Folklore? Würde es wirklich reale Konsequenzen geben daraus? Und was ist eigentlich real? Vielleicht ist genau hier der geheime Casus der zweiten großen Industrialisierungswelle zu sehen. Nicht Vitalisierung, sondern Virtualisierung. Virtualität geht zurück auf das lateinische „virtus“ für tapfer, tugendhaft. Etwas, das wirkt, aber keine Form hat. Diese Abstraktivierung durch Virtualisierung vitalisiert uns. Die Postmoderne hat die Form aufgelöst – ganz ähnlich wie der Barock und am Ende das Rokoko -  und jetzt hat sich Janus umgedreht und die Fratze des Inhalts blickt uns entgegen. Was Wunder, dass wir in die Ästhetik des Virtuellen flüchten und der entgleisten Realität entfliehen wollen. Bene qui latuit, bene vixit.  Wer sich gut verborgen hat, hat gut gelebt. Hier ist es ja der Perfekt Indikativ. Wir verbergen uns, indem wir alles zeigen, auf alles zeigen. Es heißt ja nicht Bene qui latent, bene vivant. Also: Wir haben alle nicht gut gelebt, wenn nicht einmal der Tod uns unsichtbar macht.

 

Streifschuss vom 08. August 2016
Anlass: Zählzwang

 

Wer ist der größte Terrorist im Lande?

 

Die Massen scheinen mir nur in dreierlei Hinsicht einen Blick zu verdienen: einmal als verschwimmende Copien der grossen Männer, auf schlechtem Papier und mit abgenutzten Platten hergestellt, sodann als Widerstand gegen die Grossen und endlich als Werkzeuge der Grossen; im Uebrigen hole sie der Teufel und die Statistik! - Friedrich Nietzsche, Unzeitgemäße Betrachtungen, Zweites Stück, Kapitel 9

 

(Die folgenden Zahlen wurden zur besseren Lesbarkeit gerundet, aber sie stimmen)

Im Jahr 2014 starben in Deutschland ca. 900000 Menschen, davon 80000 durch Alkohol. 10000 davon haben sich umgebracht. Das sind immerhin über ein Prozent. Nur 3500 Tote durch Verkehrsunfälle. Also zehn Prozent sterben durch saufen, ein gutes Prozent killt sich einfach so (vielleicht besoffen und vor dem Erhängen eine letzte Zigarette), und grade mal ein halbes Prozent rast in den Tod auf  Deutschlands beliebtester Selbstdarstellungsbühne – der Autobahn. Also man kann sagen: die meisten Menschen sterben irgendwie „normal“. Also im Krankenhaus, im Altenheim und nicht durch Mord und Totschlag. Wobei vom Jahr 2000 bis 2015 die Morde in Deutschland sogar von 500 auf 300 zurückgegangen sind. Immerhin ein Rückgang von 40 Prozent. Viel mehr Menschen sterben durch eigenes Verschulden, als durch Fremdverschulden. Im Jahr 2008 starben dagegen in Mexiko so viele Menschen durch Mord und Totschlag, wie in Deutschland durch Suizid. Man kann also weiter sagen: Lebt man in Deutschland bringt man sich eher um, lebt man in Mexiko, wird man eher erschlagen. Manchmal läuft jemand auch Amok oder übt Terror aus, und die Statistik zeigt ihren lateinischen Ursprung (statisticum = den Staat betreffend). So erlebte Norwegen im Jahr 2011 einen Höhepunkt mit 77 Opfern und 2016 unser geliebtes München mit neun Opfern. Schon rückt das unerträglich nahe und diese Zahlenspiele bekommen einen perversen Beigeschmack. Denn das macht einen großen Unterschied aus, ob der beste Freund sich erhängte oder totgesoffen hat, oder ob das Phänomen in einer Zahl auf einer Statistik-Website erscheint. Kann man dem Phänomen (der Erscheinung) mit Zahlen beikommen? Sicher nicht. Denn sonst wäre nicht Cannabis sondern Alkohol verboten in Deutschland. Denn ungleich mehr Menschen sterben in der Folge von Alkoholmissbrauch. Die paar langhaarigen Kiffer, die verwirrt gegen einen Baum gelaufen sind und sich eine Platzwunde holten, als sie mit einem Baum knutschten, kann man da getrost vergessen. Und trotzdem wird der Hanf in Deutschland nur geknüpft und nicht offiziell geraucht. Man könnte doch auch Hopfenseile knüpfen und Tegernseer Hanf an der Tankstelle bekommen. Und so ist es auch mit Terror und Amok. Der größte Terrorist unter uns ist der Alkohol. Satte 30000 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt fanden 2010 unter Alkoholeinfluss statt (Bühringer et all). Damit waren 64 Prozent von allen, die Widerstand gegen die Staatsgewalt übten, besoffen. Wenn wir Dämonen jagen, dann jagen wir immer wieder die falschen Dämonen. So war das, so ist das und so wird das immer sein.

Ama et fac quod vis!

 

Streifschuss vom 31. Juli 2016
Anlass: Der Papst spricht zur Jugend

 

Die goldene Ader am Arsch

 

Wenn alte Männer,  die ohne fremde Hilfe kaum noch in ihren Kaftan kommen, den jungen Menschen Ratschläge geben, macht mich das ein wenig depressiv. „Runter vom Sofa und aktiv werden“ (was einen ja gleich an Hämorrhoiden denken lässt, wenn es ein alter Mann sagt), lautet der jüngste Ratschlag von Super-Mario an die Jugend. Diesen Rat eines  80jährigen Jesuiten aus der Provinz Asti, der sich beinahe das Genick brach beim Versuch auf die Rednerbühne zu kommen, kann man als junger Mensch auch missverstehen. Ist das ein Aufruf zum "heiligen Krieg?". Schließlich zeugt ein Ausflug nach Syrien auch von Unternehmungslust. Und junge Leute die mit Sturmgewehren durch Ruinenstädte rennen, spielen auch nicht mit Computer, sie sind nicht „duselig und benommen“. Aber sie sind so dumm, wie die Jugend immer schon war. Das Genie der Jugend ist es nicht, dass sie wild sind. Das muss man ihnen doch nicht auch noch empfehlen. Jeder Jugendliche, der zu Hause vor seinem Computer rumhängt, ist mir lieber. Schließlich ist er damit „weg von der Straße“. Die katholische Landjugend trifft sich in Krakau, um einem archaischen Wüstengott zu huldigen. Gebe Gott, dass diese Jugend sich endlich eine Playstation zulegt. Natürlich: Freiheit impliziert auch, dass sich alte Männer auf Rednerbühnen stolpern und kraft ihres Amtes gloriolierende Reden halten. Was mögen diese jungen Leute an ihren Großvätern? Nun: Wenn alte Männer zu Kindern sprechen ist eben immer Märchenstunde. Ganz besonders, wenn die alten Männer auch noch Papst sind.

 

Streifschuss vom 25. Juli 2016
Anlass: Selbstvergötterung nimmt zu

 

Gastbeitrag von Dr. Krimhild Pöse

 

Die Cäsaren-Idiolatrie

 

Eine einfache Regel der Psychologie lautet, dass man einem allzu selbstverliebten Menschen keine unnötig große Plattform für seine Selbstdarstellungen geben sollte. Derzeit grassiert die Selbstherrlichkeit in verschiedenen Formen und kann sich durch die modernen medialen Techniken auch verstärkt ausbreiten. So weist  zum Beispiel das Trump-Syndrom große Ähnlichkeiten mit dem Erdoganismus auf. Differenzialdiagnostisch ist davon die Putinitis zu unterscheiden, da die Putinitis in der Regel chronisch verläuft und in eine Putinose übergeht. Beim Trump-Syndrom kommt es am Beginn der Erkrankung zu einer leichten Form der Alopezie, weswegen die davon Betroffenen im Anfangsstadium oft kuriose Frisuren haben (das so genannte Johnson-Stadium). Im weiteren Verlauf kommt es dann zu verstärkten kognitiven Ausfällen, beginnend mit einer leichten Paranoia, bis hin zu Wortsalat, emotionaler Verflachung und gleichzeitiger manisch gehobener Stimmungslage. Bei der Putinitis dagegen fehlt das Johnson-Stadium nahezu vollständig. Die Putinitis geht sofort in das Kojak-Stadium (oder auch Savalas-Reaktion genannt) über. So lässt sich die Putinitis schon im Anfangsstadium deutlich vom Trump-Syndrom unterscheiden.
Während nun beim Trump-Syndrom die kognitiven Störungen deutlich im Vordergrund stehen (Verwahrlosung, unmotiviertes Lachen, unkontrolliertes Schreien), offenbart sich der Erdoganismus eher durch seine Paranoia. Der im mittleren und nahen Osten stärker verbreitete Erdoganismus ist eine schwere paranoide Störung mit deutlich blanderem Verlauf der kognitiven Ausfälle. Auch der Putinismus zeigt im Anfangsstadium paranoide Züge. Beim Putinismus kommt es jedoch nahezu gar nicht zu kognitiven Ausfällen. Vielmehr stehen dort die Größenphantasien im Vordergrund, mit einer Fixierung auf das eigene Geschlecht. Man vermutet daher beim Putinismus epigenetische Erkrankungsursachen. Doch auch beim Erdoganismus gibt es diese Größenphantasien sehr ausgeprägt. Der Unterschied zeigt sich darin, dass die kognitiven Ausfälle beim Erdoganismus sichtbarer sind und eine deutliche Inkongruenz zwischen dem Größenwahn und den Aussagen des vom Erdoganismus Betroffenen stehen. Aus epigenetischer Perspektive ist natürlich interessant, dass der sogenannte Palast-Effekt sowohl beim Erdoganismus als auch beim Trump-Syndrom vorhanden ist. Die Betroffenen fühlen sich von großen Bauten angezogen und phantasieren darüber, selbst große Bauvorhaben zu verwirklichen. Sind nun Menschen davon betroffen, die in höheren Machtpositionen stehen, dann werden diese Bauvorhaben tatsächlich durchgeführt und dies führt für die Betroffenen zu einer deutlichen Verschlechterung der Prognose. Denn hier kommt es zu einer mangelnden Krankheitseinsicht. Die mangelnde Compliance der Betroffenen verhindert oft eine sinnvolle Therapie.
Bei der Putinose (chronischer Verlauf) wird eine agitierte Angststörung vermutet, die oft zu Gewaltbereitschaft führt. Da die Putinose geringe kognitive Ausfälle vorweist, werden die Gewaltakte systematisch geplant und durchgeführt. Die episodische Delinquenz bei der Putinose wird zusätzlich verschleiert. Dagegen tritt beim Erdoganismus die Gewalt oft unmittelbar und ganz unverschleiert auf. Unkontrolliertes Veitstanz-ähnliches somatisches Gebaren begleitet die Gewaltakte beim Erdoganismus. Beim Trump-Syndrom ist die Delinquenz seltener vertreten. Hier wird oft von Gewaltakten bloß phantasiert. Doch die kognitiven Ausfälle beim Trump-Syndrom sind letztlich derart massiv, dass der Betroffene kaum mehr organisiert handeln kann. Die vom Trump-Syndrom Betroffenen sind bei vollem Ausbruch der Erkrankung nicht mehr fähig, sinnvolle Sätze zu formulieren und können sich nicht mehr koordiniert bewegen. Ein schweres prädementielles Syndrom kennzeichnet den am Ende infausten Verlauf eines unbehandelten Trump-Syndroms.

Abschließend: Allgemein sind überwiegend Männer von diesen Erkrankungsbildern betroffen. Im  19. Jahrhundert bezeichnete man alle drei Erkrankungen zusammenfassend als so genannte „Cäsaren-Idiolatrie“. Mittlerweile können wir die einzelnen Formenkreise diagnostisch differenzieren. Dass bei allen drei Formen dieser Cäsaren-Idiolatrie epigenetische, chromosomale Faktoren eine Rolle spielen, ist Spekulation. Bislang wurde weder beim Trump-Syndrom, noch beim Erdoganismus und auch nicht bei der Putinitis / Putinose ein erbliches Äquivalent vorgefunden.

Wir wissen, dass bei betroffenen Frauen alle drei Formen in der Regel stumm verlaufen oder mit nur sehr geringer Ausprägung. Manche Autoren (Krause &all) vermuten, dass Frauen als Krankheitsträger und -Ausscheider eine Rolle spielen, so dass die pandemische Verbreitung nicht nur Folge der medialen Möglichkeiten ist, sondern durch typische Infektionsketten sich verbreitet. Diese als „Kleopatra-These“ bekannte Vermutung gilt noch nicht als valide bewiesen.

Klar ist nur, dass alle drei Formen der Cäsaren-Idiolatrie eine ernst zu nehmende und sich zunehmend ausbreitende Erkrankung des infektiös bedingten neurologischen Formenkreises sind. Risikofaktoren sind natürlich Reichtum, Ämterhäufung, Virilität und Ausüben von Macht (bei entsprechender Prävalenz). Präventiv ist es wichtig, den Betroffenen Geld, Ämter und Macht zu entziehen. Dadurch fördert man die nötige Krankheitseinsicht und nur so lässt sich eine Therapie sinnvoll anbringen.  Einfach formuliert hieße das: Frauen an die Macht. Allerdings gilt langfristig zu beobachten, ob die Virilisierung durch Macht, Geld und Ämter auch bei Frauen zu Symptomen führt. Darüber gibt es noch keine ausreichenden Erkenntnisse.

Streifschuss vom 16. Juli 16

Anlass: der Bildungshunger des Mittelstandes

 

Ein Lob der Schildkröte

 

Es entsteht gerade eine Menschheit, die immer weniger bereit ist, über die Diversität von Zeichen nachzudenken. Alles muss sofort eindeutig sein und verstanden werden können. Die natürliche Komplexität einer Information wird nicht mehr bedacht. Nur noch die Menge an Information zählt. Information wird also mit Wissen verwechselt. So entsteht Indolenz auf der einen Seite und Prätention auf der anderen. Dummheit ist für sich genommen nichts, was mich stört. Anspruchsdenken ist in Ordnung, solange es andere nicht nervt. Aber schlimm wird es, wenn Dummheit mit Anspruch korreliert. Die Dummheit, die hier gemeint ist, ist eine informierte Dummheit. Es sind die Menschen, die zwar Informationen aufnehmen und speichern können in ihrem Gehirn, aber nicht fähig sind, diese gespeicherten Informationen zu decodieren. Beim entpacken der Informationen unterlaufen diesen Menschen permanent Fehler. Sie reißen die Packung ungeduldig auf und beschädigen den Inhalt, verstümmeln den Inhalt der Information und beklagen sich dann lautstark über den so beschädigten und verstümmelten Inhalt. Sie haben nicht einmal bemerkt, dass es die Art und Weise der Informationsaufnahme ist, mit der sie ihre Fehl- und Vorurteile ansammeln. In den vielen Gehirnen der Menschen sammelt sich also eine Müllhalde an Fehl- und Vorurteilen an und verschlimmert so die weitere Informationsaufnahme. Mit jedem Buch, mit jedem Film, mit jedem Theaterstück, mit jedem Kunstwerk, mit jedem Zeitungsartikel das so ein Gehirn betrachtet und konsumiert, wird es dann nur schlimmer. Unsere Bildungskonsumenten sind Komödianten mit tragischem Hautgout. Das Überangebot an Bildung in den westlichen Industrienationen generiert daher einen besonderen Typus. PEGIDA ist längst das Symbol des White Trash dieses Typus. PEGIDA ist also der Müll, den der Mittelstand der Bildungskonsumenten produziert. Das sind Leute, die über alles informiert sind, ohne etwas verstanden zu haben. Ihre eigenen Fehl- und Vorurteile projizieren sie auf die Informationsquellen. Eine Komödie. Die eigentliche Ursache für das Existieren dieses White Trash liegt in dem grundlegenden Missverständnis, dass Bildung aufeinander aufbaut. Vielmehr summieren sich in den Gehirnen Fehl- und Vorurteile auf die gleiche Weise. Lebenslanges Lernen ist zugleich auch lebenslange Verdummung. Weisheit besteht aber nicht darin, dass ich zu allem etwas zu sagen habe; bzw. über alles Bescheid zu wissen glaube, sondern eher in einer Art Vorsicht. So, wie man als älterer Zeitgenosse die Schritte mit Bedacht wählt, weil man nicht mehr so schnell in die Balance zurückkommt, wie man es als junger Mensch konnte. Das Problem ist aber dann: Wenn alle stolpernd durch die Gegend laufen, wird der aufrechte, federnde Gang zur Abnormität. Eine zunehmend fallende, kriechende, krumm und schief herum stolpernde Gesellschaft wundert sich dann aufgeregt über die steigende Anzahl gebrochener Beine und starrt wütend auf die wenigen Aufrechten. Denn man hat ja keinen Begriff mehr für das Aufrechte. Das Stolpern und Kriechen ist längst Normalität. Als Gegenmittel erhöht man die Bildungsdosis und verschlimmert damit alles nur, weil all die schöne Bildung sich in den vielfach verwirrten Gehirnen zu einem kuriosen Brei an Dummheiten aufstaut. Irgendwann stolpern auch die Aufrechten unter dem Applaus der veitstanzenden Gemeinde. Die einzige vernünftige Alternative ist damit die Schildkröte, ein wechselwarmes eierlegendes Kriechtier, das sich sowohl auf dem Land als auch im Wasser bewegen kann. Denn in vielen asiatischen Kosmogonien ist es allein die Schildkröte, welche die Erde noch stützt. Der Panzer ist dann ein Sinnbild des Schutzes vor all den verbreiteten Dummheiten. Die Langsamkeit der Schildkröte ist Sinnbild meiner Vorsicht. Die Fähigkeit besteht nicht im Laufen allein, sondern in der Richtung, die man einschlägt. Und da ist die Geschwindigkeit eher sekundär. Oder gar von Nachteil, denn wenn alle Richtung Klippe rennen….

Streifschuss vom 12. Juli 2016

Anlass: Regen

 

An der Schwelle zur Ewigkeit

 

Die einen behaupten, der Realitätsverlust stürze den Depressiven in die Depression. Andere behaupten, es sei gerade sein ausgeprägter Sinn für Realität, der ihn erst depressiv mache. Niemand kann seine tatsächlichen Fähigkeiten so realistisch einschätzen, wie der Depressive. Dadurch wird ihm klar, wie unwichtig er ist, wie unfähig und lächerlich, oder wie gefährlich, wie wahnsinnig er wirklich ist. Die meisten Menschen neigen zur Selbstüberschätzung. Das ist geradezu ein Zeichen ihrer Gesundheit, dass sie sich überschätzen. Die alten Griechen nannten es Euphorie, und hielten das für voll gesund. Ein evolutionärer Vorteil, der uns Menschen große Risiken eingehen lässt. Wir steuern mit einem wackligen Holzschiff aufs offene Meer und halten das für eine gute Idee. Wir bauen Kraftwerke mit der Zerstörungskraft von zehn Megatonnen TNT. Auch das halten wir für eine gute Idee. Wir fahren mit 200 Stundenkilometer auf einer schmalen Spur von Ort zu Ort und denken nicht daran, dass es pro Jahr etwa 600000 Verkehrstote weltweit gibt. Sowas würde ein Depressiver nie machen. Erstens hält er es für sinnlos, den Ort zu wechseln. Dann fehlt ihm auch der Antrieb dazu, den Wagenschlüssel zu suchen. In diesem Sinne müsste man eine Pille erfinden, die uns alle depressiv macht.  Aber zugegeben: Pro Jahr sterben weltweit in etwa so viele Menschen an einem Verkehrsunfall wie an einem Suizid. Das hebt sich also auf. Es ist wahrscheinlich ziemlich egal, wie wir die Realität sehen, ob realistisch oder unrealistisch. Wir werden ohnehin sterben. Mit oder ohne TNT. Früher oder später stehen die übriggebliebenen Verwandten vor Ihrem Grab und werfen mit Blumen. Und wissen Sie was dabei so lustig ist? Dass keiner dieser Verwandten in dem Augenblick darüber nachdenkt, dass er bald selbst da unten liegt und mit Blumen beworfen wird. Wenn Sie also möchten, dass die Partygäste endlich gehen, dann erzählen Sie ihnen einfach, dass sie demnächst vom Tod ereilt werden – früher oder später - und das ist todsicher.  Einem Depressiven brauchen Sie das nicht zu erzählen. Aber der kommt auch nicht auf Ihre Party.

Ach, so tapfer war das gar nicht, Bud! Jeder andere mit derselben Todesverachtung hätte auch deine Mutter geheiratet! (Al Bundy)

Streifschuss vom 08. Juli 16

Anlass: wie der Titel

 

Zum narrisch werden

 

Jedem vernünftigen Menschen kommt einmal die Frage nach dem Sinn in den Sinn. Seit tausenden von Jahren bemüht sich nun die Gattung Mensch um eine ideale Welt. Wir basteln an einem Ende, nur um zu erleben, dass am anderen Ende schon wieder alles zusammenbricht. Das war vor tausend Jahren schon so, und ist auch heute noch so. Trotz Waschmaschine, Kühlschrank und Zentralheizung – zugegeben grandiose Bastelarbeiten – bleibt das Prinzip erhalten. Denn während ein kleiner Teil der Menschheit Waschmaschine, Kühlschrank und Zentralheizung genießt, verhungert der größere Teil, weil sie nichts zu essen haben. Da würde ihnen auch ein Kühlschrank wenig helfen. Irgendwann wird also einem vernünftigen Menschen klar: Das Leben ist ein Puzzle mit lauter fehlenden Teilen, und man bastelt sich dabei zu Tode. Es ist daher erstaunlich zu beobachten, dass so viele Menschen einfach stoisch weiter basteln. Millionen Menschen schwirren da draußen herum und tun etwas. Sie verdienen Geld und machen dabei lauter Sachen. So ein Kühlschrank ist ja ein Meisterwerk der Arbeitsteilung. Manche sind sich nicht einmal darüber im Klaren, dass ihre Arbeit im Grunde dazu führte, dass ein Kühlschrank seinen Ort erreichen kann. Denn ohne die Straßenbauer wäre so ein Kühlschrank nicht einfach zu transportieren. Oder ohne Straßenverkehrsordnung würde der Kühlschrankspediteur nicht lebend sein Ziel erreichen. Ohne Polizeibeamte würde er auf seinem Weg ausgeraubt werden, ach, wäre schon vorher der Verkauf des Kühlschranks geplatzt, weil der Käufer um sein Geld betrogen worden wäre. Ohne den fürsorglichen Arzt wäre der Kühlschrankkäufer schon vorher verstorben und ohne Apothekenfachkraft hätte er solche Magenprobleme, dass er mit einem Kühlschrank auch nichts anfangen könnte. Mit der Waschmaschine und der Zentralheizung ist es das gleiche Spiel. Millionen Menschen wuseln tagtäglich herum, nur um für sich selbst zu sorgen und sorgen wie nebenbei für andere. Was für ein sonderbares Phänomen. Und trotzdem sind eben – während ich diesen Text schrieb – wieder tausende Menschen an einem anderen Ende der Welt einfach verhungert. Da kannst du wuseln wie du willst. Jeder vernünftige Mensch also stellt sich einmal in seinem Leben die Sinnfrage und verzweifelt dann. Verzweiflung: ein Zustand des menschlichen Gemüts, welcher in einer gänzlichen Hoffnungslosigkeit besteht. Aber wir Menschen wuseln weiter und weiter, wir basteln und basteln. Oder um mit Thomas Bernhard zu reden: "Der, der aus Verzweiflung hinausrennt, wird nachher noch betitelt: 'den hab'n wir los jetzt'." -

Streifschuss vom 02. Juli 2016;
Aktueller Anlass: Klagenfurt und das Feuilleton

 

Unter Kriechtieren und Würmern

 

Beim Lesen der Romane geht es mir ein wenig so wie dem Mann, der lange Jahre in den Puff ging und erst dann erfuhr, welches schmutzige Geschäft sich hinter den adretten Damen abspielt. Ähnlich ist es mit der Literatur. Und immer wenn in Klagenfurt junge Dichter als Zirkuspferde durch die Manege gejagt werden, überschlagen sich die Feuilletons. Und moralischer Ekel ist es, den ich mehr und mehr empfinde, wenn ich Feuilleton lese. Es ist das Gefühl des „getäuscht worden seins“. Ein Gefühl, das immer mehr Menschen empfinden. Es scheint, als herrsche bei vielen Journalisten eine innere Gleichgültigkeit gegenüber wahr und unwahr. Aber das scheint nur so. Auch wenn sich manche Journalisten selbst belügen und nicht wirklich mit sich ins Reine kommen, wenn sie ihr Corporate Publishing als wahrheitsgetreu verkaufen, so ist das Feuilleton auch ein Wächter und nur in ihrer Diversität zu verstehen. Dennoch: Im Feuilleton steckt auch etwas formal Feindliches, etwas das mich bezwingen will, etwas das in meine Nähe dringt. Da der Feuilleton-Artikel mehr Erscheinung ist und nicht sich selbst gibt, mich auf widerliche Weise umschmeichelt, umgarnt, fühle ich mich einer Falschheit ausgesetzt, die fäulnishaft, aufgeweicht wirkt. Angeschwemmter, sinnwidriger Lebensstoff, täuschungsvoll und affektaufgeladen. So die Artikel zu der jüngsten Entdeckung aus Klagenfurt, einer österreichischen Dichterin. Die SZ titelt: „Boah, eine so von ganz unten und derb lustig dazu“. Der Autor des Artikels schreibt ungeniert: „Noch vor zwei Jahren war Stefanie Sargnagel eine Wiener Callcenter-Mitarbeiterin, die sich von Dosenbier und Zigaretten ernährte“, und weiter „Eine, die scharfe Texte liefert aus gleich zwei fremden Welten, einmal aus dem Soziotop der Wiener Beisel, in denen die Abgehängten und Untergeher rumhocken. Und dann noch aus dem Callcenter, dieser absurden Welt des unterbezahlten Dienstleistungssektors.“  Der moralische Ekel, den solche Sätze in mir hervorrufen ist erst einmal schwer zu greifen. Was stößt mich so ab? Vielleicht ist es auch Überdruß-Ekel. An den Worten spürt man die Schwachheit, die Sinnleere der Existenz des Artikelautors. Etwas durch und durch Widerwärtiges haftet den Worten an. Zumal diese vom Autor als „zwei fremde Welten“ bezeichneten Callcenter und Wiener Beisel einigen Lesern nicht fremd sind. Da in der Aussage des Artikel-Autors keine Ironie zu erkennen ist, wird einem Leser, der Bierdosen und Zigaretten kennt, der Autor fremd. Für wen also ist dieser Artikel geschrieben? Ganz offensichtlich nicht für mich. Warum auch? Da ich aber berufsbedingt Feuilleton lesen muss, wirken solche Artikel für mich zunehmend abstoßend, drücken zugleich eine Fremdheit aus, die mir nahe kommt und so Ekel auslöst. Was ist das für ein widerlicher, selbstgerechter und lebensferner Autor, der Kneipen, Zigaretten und Bierdosen als „fremde Welten“ betrachtet? In solchen Artikeln zeigt sich die soziale Schere zwischen arm und reich auf erschreckende, eben vor allem abstoßende Weise. Vor allem muss man solche Schöngeister, die „von ganz unten“ als exotisch betrachten, als höchst unbehaglich und störend empfinden. Hier wird die Wertmannigfaltigkeit des Lebens reduziert und ganz viele Menschen werden regelrecht beleidigt und als bloß „exotisch“ dargestellt. Aus dieser dumpfen Charakterlosigkeit, die solche Autoren von sich preis geben, speist sich die Abwehrreaktion des pauschalen Rufes „Lügenpresse“. Aber hier wird ja nicht gelogen, sondern beleidigt, diffamiert. Sicher ohne Absicht. Aber gerade das Absichtslose verweist auf das Ekelhafte. So wie eine Spinne oder ein Käfer absichtslos über die Haut kriecht, so kriecht dieser Artikel über mein moralisches Empfinden und löst Ekel aus.

Streifschuss vom 27. Juni 2016; Aktueller Anlass: Europa und der Brexit

 

Europa schläft und spricht im Schlaf

 

Alle Welt von Hinz bis Kunz hat eine Meinung. Und das ist gut so. Denn es wäre viel schlimmer, würden Hinz und Kunz nur schweigen. Soviel zum Populimus an dieser Stelle - später noch mehr. Jetzt erst mal zum Brexit: Das vereinigte Königreich hat sich mit ihrem EU-Austritt einige unvorhersehbare Schwierigkeiten aufgehalst. Und viele halten den Brexit für eine „irrationale Entscheidung“.
Irland zum Beispiel zahlt ja schon länger mit dem Euro und überlegt sich nun ein Exit vom Brexit. Dadurch würde Nordirland isoliert - mit einem Drahtzaun von 180 Kilometer Länge. Dieser Drahtzaun ginge aber auch  direkt durch das Haus der O’Malligans, die in Strabane an der Grenze zwischen Irland und Nordirland leben. Die O’Malligans würden in Nordirland frühstücken und abends in Irland zu Bett gehen. Sie müssten nach dem Aufstehen ihre Pässe vorzeigen um frühstücken gehen zu können. Zur Sicherheit haben die O’Malligans ein paar Pfund Sterling in der Nachttischschublade liegen. Allein schon wegen der vielen Schmuggler, die demnächst wieder aktiv werden könnten.
Derweil verhandelt Schottland ohne England mit der EU, stationierte zur Sicherheit seine schottischen Truppen vor den Shetlandinseln.  Die Norweger fühlen sich nun ihrerseits bedroht. Und alle hoffen nur noch auf den Klimawandel, der den ganzen Irrsinn endlich wegspült.

Und als wären das nicht schon genug Sorgen für die Queen, wandern ein paar Inseln des ehemaligen Urkontinents Gondwana verängstigt Richtung Westen. Argentinien überlegt sich intensiv, das Öl der Falklandinseln (immerhin 60 Milliarden Barrel) den geschwächten Engländern wegzunehmen.  Jetzt oder nie! Schließlich ist die Lage weit günstiger als 1982.

Lange diskutierten die führenden Politiker der EU und auch Deutschlands über einen Grexit, nur um einen Brexit zu erleben. Die Türkei ist inzwischen beleidigt wegen der Hinhaltetaktik der EU und die politische Achse verschiebt sich mehr und mehr Richtung Eurasien. Gegen Russland läuft ein Embargo. Mit Afrika hat die EU durch EPA ein Freihandelsabkommen erzwungen, welches das Wort Freihandel zum Euphemismus des Jahrzehnts macht. Die europäische Union ist keine Friedensbewegung. Friedensnobelpreis hin oder her.

Alle Welt kritisiert derzeit die Briten, die sich von Populisten über den Tisch haben ziehen lassen. Aber könnte es nicht sein, dass Briten Gefühle haben? Immerhin haben die Engländer das Wort Sentimental in Deutschland erst eingeführt. Lessing übersetzte es als „Empfindsamkeit“. Vorher waren die Deutschen gefühlskalte Korinthenkacker. England den Engländern heißt vielleicht auch Afrika den Afrikanern? Der ökonomische Erfolg der EU ist durchaus ethisch angreifbar. Aber heutzutage scheint eine volle Geldbörse über jeden Zweifel erhaben zu sein. Lieber schürt man die Angst vor Populisten und macht sie dadurch eigentlich erst stark. Jeden Kritiker der Verhältnisse als Populisten  abzustempeln, das ist selbst populistisch. Und so populisieren sich unsere Volksvertreter ganz unpopulär aus dem Amt.

Das große Empire erlebt derzeit genug Spott. Dieses Drama aber ist keine rein englische Angelegenheit. Und obwohl die Volksvertreter in Brüssel sich gerade in einem Alptraum befinden, werden sie nicht aufwachen. Die Engländer haben den stöhnend Schlafenden gerade mächtig geschüttelt. Aber das einzige Zeichen des schlafenden Riesen: lasst mich weiter schlafen!

 

Die Giftmischer von Nestle und Co

 

21. Juni 2016; Aktueller Anlass: 12 Millionen Deutsche leiden unter dem metabolischen Syndrom

 

Immer mehr Menschen entwickeln in den Wohlstandsländern ein metabolisches Syndrom aus Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes. Jedem dritten Deutschen entgleist nach einem halben Jahrhundert der Stoffwechsel. Dann müssen sie sich mit Medikamenten vollstopfen, damit sie nicht vom Tatzelwurm – wie der Schlaganfall früher hieß – verkrüppelt werden. Und wer ist schuld? Schauen Sie mal genauer auf die Lebensmittelkennzeichen Ihrer Nahrungsprodukte. Zuckersirup, Fructose in jeder erdenklichen Form in nahezu allen von der Industrie hergestellten Lebensmitteln. Wer hat also schuld? Die Lebensmittelhersteller! Ja, Sie haben richtig gehört. Denn heutzutage schütten diese Wahnsinnigen in alles Fructose, in Brot, in Brotaufstrich, in Gemüse,  in Kartoffeln – ja sogar in Kartoffeln schütten diese Geistesgestörten von Pepsi, Tyson Food, Nestle und Co (die Großen der Branche) Fructose. Wer ist denn so hirnverbrannt und zuckert seine Bratkartoffeln? Genau: die Lebensmittelhersteller mit einem Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro im Jahr allein in Deutschland. Diesen Dreck verkaufen sie dann an REWE und EDEKA, die es dann in Augenhöhe in ihren linksdrehenden Drecksläden platzieren, um uns Verbraucher systematisch umzubringen. Warum? Gibt es einen Deal mit der Pharmaindustrie? Ist das eine große Verschwörung zwischen Lebensmittelindustrie, Pharmaindustrie und dem Marburger Bund? Wohl kaum. C6H12O6, der einfache Fruchtzucker, ist geschmacklos, äh geschmackslos, ist farb- und geruchslos, hat keinerlei physiologische Bedeutung, und er ist sehr billig. Aber! Er macht das Leben süß. Es ist inzwischen bekannt, dass Fructose das Sättigungsgefühl im Gehirn überlistet und so zu einer gesteigerten Nahrungsaufnahme führt.  Und wer einmal mit seiner Fertigpizza angefangen hat, der wird schnell süchtig. Doch dann bekommt er seine Fettleber, seine Stoffwechselstörung und aus dem süßen Alltag entwickelt sich eine chronische Erkrankung. Es geht nur um Rendite. 170 Milliarden Euro Jahresumsatz reicht dieser habgierigen Brut der Lebensmittelindustrie noch nicht. Sie würden uns auch reine Scheiße verkaufen, wenn das die Rendite steigern würde. Ob wir Verbraucher daran jämmerlich zugrunde gehen, das interessiert Nestle, Pepsi, Coca-Cola und Co nicht im Geringsten. Sie wollen nur reich werden und verteidigen die Produktion und den Vertrieb von Gift mit dem ewigen Mantra der Marktwirtschaft.
Es ist also keine Verschwörung. Es ist Habgier. Raffsucht. Das rücksichtslose Streben nach Gewinn um jeden Preis. Das häufigste Mordmotiv. So einfach. Die Lebensmittelindustrie killt uns aus purem Gewinnstreben. Das ist so einfach, dass es nach Ockhams Rasiermesser (lex parsimoniae) wahr sein muss. Treten wir kollektiv in den Hungerstreik! Man müsste Leute wie Paul Bulcke (der CEO von Nestle AG) mit dem Schwedentrichter Fructose einflössen. Das wäre mal statt Waterboarding eine Alternative: Fructoseboarding. Denn genau das macht die Lebensmittelindustrie mit uns. Sie foltern uns mit Sirup!

Afrika ist jenseits von uns

(der Text basiert auf einer Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und wurde nur ein wenig abgewandelt)

03. Juni 2016; aktueller Anlass: die vielen munāfiqūn die es überall gibt.

 

Auf meinem Schreibtisch zu Hause steht ein Schälchen aus Gold, gefüllt mit Diamanten, darunter ein Cullinan, den ich von der Queen geschenkt bekam im Sommer 2000.

Er erinnert mich daran, dass wir nicht aufhören dürfen, Afrika auszubeuten.

Welches Interesse haben Menschen an der Zukunft Afrikas?

Wir brauchen den Regenwald als Landwirtschaftsfläche für unsere hochwertigen Nahrungsprodukte. Hier zeigt sich, wie eng das Schicksal Afrikas mit dem Europas verbunden ist. Gewinnung von Rohstoffen wie Holz, Kupfer, Lithium. Afrika selbst produziert nur 1,2 Prozent des weltweiten Sozialprodukts, und ist auch zu weiten Teilen hoch verschuldet. Wie attraktiv Europa ist, zeigt sich daran, dass viele Afrikaner sogar ihr Leben riskieren, um zu uns zu kommen. Doch wir sind vorbereitet. Die Aussichten eines Afrikaners nach Europa vorzudringen, sind gering. Der Ausbau unserer selektiven Grenzen und der Verbesserung der militärischen Techniken (Drohnen) und nicht zuletzt die Einsätze unseres bewaffneten technischen Hilfswerks vor Ort, ist diese Qualitätssicherung zu verdanken.

Dennoch sollten wir wachsam sein. In den letzten fünf Jahren verzeichnete Subsahara-Afrika ein Wirtschaftswachstum von durchschnittlich vier Prozent. Und das vielleicht Gefährlichste ist: Afrika entwickelt wachsende Zuversicht und Selbstbewusstsein durch vermeintlich eigene Leistung.

Wir sollten uns davon nicht entmutigen lassen. Und wir sollten auch nicht weiter warten, sondern die Chancen, die Afrika bietet jetzt nutzen, bevor Wirtschaftsreformen und Integrationsprozesse den afrikanischen Markt für Europa uninteressant machen.

Aus dem Reichtum des Kontinents an Bodenschätzen wie Öl, Diamanten oder Coltan erzielen wir großartige Erträge, und können doch immer verhindern, dass das Land selbst den Rohstoffabbau dazu einsetzt seine Volkswirtschaft zu diversifizieren.

Afrikanische Unternehmen haben nach wie vor keinen Zugang zu unserem Markt. Durch unsere geschickte Subventionspolitik verhindern wir, dass afrikanische Wettbewerber ihre Produkte  bei uns an den Mann bringen. Würde den Afrikanern das gelingen, würfe das sehr wohl Fragen nach der Glaubwürdigkeit unseres eigenen Standards auf. Aber unsere Industrieländer setzen sich entschlossen dafür ein, dass den afrikanischen Wettbewerbern dies nicht gelingt. Europa gelingt es immer wieder, nachhaltige Verbesserungen für die armen Länder zu verhindern.

Machen wir uns klar: Afrika besteht aus gescheiterten Staaten voller Drogenhändler, Menschenschmuggler und Terroristen. Es kann uns nicht gleichgültig sein. Die Bedrohung für unsere gefestigte Demokratie ist offensichtlich.

 

Die afrikanische Staatengemeinschaft engagiert sich in vorher nie da gewesener Weise bei der Austragung von Konflikten. In Afrika wird es niemals Frieden geben, weder an der Elfenbeinküste, noch in Darfur.

Aber: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ Willy Brandts Worte haben in Afrika keine Bedeutung. Für uns bedeutet dies, dass die Ausbeutung Afrikas zu Recht auf der Tagesordnung der G8 steht. Es wird in Afrika keine langfristige wirtschaftliche Entwicklung geben. Uns läuft die Zeit davon. Afrikas erhebliches Potential wurde längst auch von China erkannt. Und China geht in seinem Engagement in Afrika nicht gerade zimperlich vor. Von China können wir lernen. Es geht ja nicht, dass wir den Rohstoffreichtum Afrikas den Afrikanern selbst zugute kommen lassen. Dann lieber noch den Chinesen. Aber wir haben gute Kanäle, mit denen die Rohstofferlöse Afrikas zu uns fließen. Daran müssen wir weiter arbeiten. Sonst wären wir als Industrieländer unglaubwürdig. Afrika ernst nehmen, das heißt auch, dass wir weiter an unseren Standards arbeiten im Kampf gegen China.

Die rechten und linken Verschwörer

 

Aktueller Anlass: Redeverbot von Daniele Ganser in Freising
SZ online 20. Mai 2016

 

Rechts- aber auch Linkspopulisten haben eine interessante Vorliebe für subversive Verschwörungstheorien. Der Grund dafür: Sie verkürzen das Denken. Bei Verschwörungstheorien spielt nämlich nicht das komplexe Zusammenspiel historischer Ereignisse eine Rolle. Vielmehr werden mithilfe einfacher Recherche-Methoden einzelne Gruppen stigmatisiert.  Zum Teil sprechen die Verschwörungs-Theoretiker damit sogar gewisse Wahrheiten aus, denn in der Tat gibt es immer wieder Gruppen, die sich bestimmter Mechanismen bedienen mit deren Hilfe sie Macht akkumulieren. Nur sind die Theorien dazu eben verkürzt. Hier wirkt die Lust am schnellen Ergebnis. Denn dass eine Gruppe von Menschen sich ihrer Macht gesondert bedient und Vitamin B nutzt, dies aber zugleich verschleiert (weil das Geheime daran ihre Macht begründet) das ist eine allzu banale Erkenntnis. Natürlich kann man diese einzelnen Gruppen durch Recherche ausfindig machen und dann anprangern. Nur wird dann eine andere Gruppe kommen und diese Lücke besetzen. Der aufklärerische Ansatz von Verschwörungstheorien verpufft, wenn nicht zugleich eine Metaebene erklärt, wie denn überhaupt aus der jeweiligen Verschwörung Nutzen gezogen werden kann. Denn wenn zum Beispiel der Schweizer Rudolf-Steiner-Schüler Daniele Ganser die Ermittlungsergebnisse zu 9/11 anzweifelt, und von einer „Strategie der Spannung“ spricht, dann hat er es im mathematischen Sinne mit enorm vielen Unbekannten zu tun. Die Verquickung von Interessen lässt kaum noch eine wirkliche Strategie zu. Die einzelnen Akteure vom Geheimdienst, der Politik, der Ökonomie verfolgen jeweils ihre eigenen Interessen. Hinzu kommen die ganz privaten Interessen einzelner Akteure. Und dann kommt der Verschwörungstheoretiker und unterstellt ihnen allen ein einziges Interesse. Aber welches Interesse? Hier wird es natürlich philosophisch, im engeren Sinne ethisch. So dient dem gewieften Verschwörungstheoretiker seine Verschwörungstheorie auch einem eigenen Interesse. Der Verschwörungstheoretiker wird selbst zum Verschwörer, sobald er eine Verschwörungs-Theorie aufstellt. Viele Menschen lieben natürlich Verschwörungstheorien. Denn sie decken vermeintlich auf, blicken hinter das Schicksal und erklären den Zufall für gewollt. Verschwörungstheorien haben damit ein sehr optimistisches Verhältnis zur Fähigkeit des Menschen die Ereignisse des Lebens kontrollieren zu können. Tatsächlich aber lässt sich fast nichts wirklich kontrollieren – einfach weil es zu viele Variablen gibt.

Auch die sektenähnlichen Psycho-Seminare (zum Beispiel Landmark-Education) arbeiten mit der Illusion, man hätte die Kontrolle über das eigene Schicksal. Ein absurder Optimismus. Sekten haben auch gerne Verschwörungstheorien. Dagegen stehen dann die Fatalisten. Dieses Weder-Noch ist beides verkürztes Denken. Wir können etwas wollen, uns etwas wünschen und uns etwas vorstellen. Aber wir können nicht davon ausgehen, dass auch geschieht, was wir wollen, uns wünschen oder vorstellen. Jede Verschwörungstheorie operiert aber genau mit dieser Erwartung. Andererseits gilt auch das Gegenteil. Durchaus kann das, was wir wollen geschehen, und unser Wünsche Wirklichkeit werden oder sich unsere Vorstellungen erfüllen. Doch ob sich unser Wollen, Wünschen und unsere Vorstellungen tatsächlich zur Wirklichkeit erheben ist abhängig von so vielen Variablen - mathematischen Unbekannten -, dass jede Verschwörung sich dem Zufall anheim gibt. Keine Verschwörung hat vollständige Macht. Die einzige Verschwörung, die vollständige Macht hat, das ist eben Gott. Daher sagte Karl Popper zu Recht „every theory of conspiracy comes from abandoning god and than asking: who is in his place. Verschwörungstheoretiker werden daher zu quasi-religiösen Predigern. Von links bis rechts (politisch) kennzeichnet dies die Verschwörungstheorien. Ihre grundsätzliche Notwendigkeit, ihre Existenzberechtigung ist daher auf einer Metaebene anzusiedeln. Die Verschwörungstheorien sind ein Kuriosum. Sie sind eine Quelle für seriöses Denken, aber selbst nicht seriös. Die Faszination die von solchen Theorien ausgeht, basiert auf der metaphysischen Lücke die wir Menschen naturgemäß verdrängen. Hier wird die Metapher mit der Realität verwechselt. Denn jede Verschwörungstheorie ist im Grunde eine Metapher, wie sie in religiösen Schriften - wie zum Beispiel der Bibel -, zu Hauf zu finden sind. Insofern erkennt man jede Verschwörungstheorie genau an dieser Lücke, die bei der Übertragung eines Bildes auf die Wirklichkeit stattfindet. Denn es bleibt immer ein Rest übrig, der nichts erklärt, der metaphysisch bleibt. Alles andere ist dann fabuliert, ist Fiktion. Für unser wirkliches Nachdenken sind sie faszinierende Quellen. Doch sie erklären leider gar nichts Zwar sind Quellen Tatsachen natürlicher Ursache. Aber aus den Quellen lässt sich erst auf die Natur der Sache schließen. Doch Verschwörungstheoretiker verweigern sich aus Denkfaulheit gerade dieses Bemühens, der Arbeit die es erfordert Schlüsse zu ziehen. Und mal ehrlich: Welcher Schlussstrich gilt? Bezogen auf das Leben? Verschwörungstheorien sind daher das Ergebnis eines gewissen Fleißes. Die Grundlagen ihrer Ergebnisse sind banal. Und ihre Ergebnisse führen letztlich nur in einem Zirkelschluss wieder zurück auf ihre Grundlage.

 

Plädoyer für die Abschaffung des Wahlrechts

Der Dummheit ausgeliefert

  1. Mai 2016

 

Der Rechtsruck findet derzeit in ganz Europa statt. Aus dem Horst des Adlers betrachtet sind IS und Faschisten parallele Reaktionen auf die Entropie des kapitalistischen Systems. Der Orient zerfällt im religiösen Wahn und der Okzident zerfällt im politischen Wahn. Beim bestehenden Waffenpotential der Menschheit fühle ich mich nur noch wie das Kaninchen vor der Schlange. Energiereserven gehen zur Neige, überall kriegerischer Zerfall, parallel absurdes Wachstum, das den Zerfall nur beschleunigt. Wir sind alle verdammte Lemminge – und man weiß ja inzwischen, dass die meisten Lemminge schon vor dem Ziel verreckten. So wird es sein.

Persönlich bleibt einem ja nur noch die Haltung, die immerhin kann man selbstbestimmt wählen.
Manche wünschen sich daher den „kalten Krieg“, den alten guten Ost-West-Konflikt wieder zurück. Ihre These: Durch das sozialistische Gegengewicht, musste auch der Westen auf der sozialen Seite attraktiv bleiben. Dadurch wäre der Kapitalismus gebremst worden. Das Ideal war die soziale Marktwirtschaft, jenes Modell, wonach der Staat regulierend die Märkte gestaltet. Einer Idee von John Maynard Keynes folgend. Auch wenn das grundsätzlich so stimmt – und wir erleben ja jetzt eine neoklassische Zinspolitik, die nur eine Umverteilung von unten nach oben gestaltet - bin ich mir nicht sicher, ob ich den kalten Krieg wieder zurückwünsche. Die Kohl-Ära war versorgter Stillstand und Tristesse. Ich glaube eher sogar, dass diese „Null-Bock“ Periode und die Bewusstlosigkeit des politischen Willens des Volks genau die Zeit war, in der das Völkische, der Rechte Kern entstanden ist. In Österreich sind die meisten Leute erst mal froh, dass sie sich endlich „Luft machen“ können und nicht mehr „politisch korrekt“ sein müssen. „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ist eine Folge der 1980er Jahre, Wirkung des kalten Krieges. Kalt, das hieß Stillstand, in der Postmoderne „anything goes“ als zynischer Abspann gefühlter politischer Unfreiheit und letztlich als Folge Demokratie-Verdrossenheit. Schließlich stammen alle aktuellen Kriege aus dem alten Ost-West-Konflikt, und der Ost-West-Konflikt aus einer unheiligen Allianz gegen Nazi-Deutschland.

Mischt man diese Verdrossenheit mit der Entropie des Systems, kommen einfach dumme Menschen mit schlechter Laune dabei raus. Der normale Mensch eben. Zwei Drittel der Österreicher sind einfach dumm. Da muss man nicht viel analysieren. Das trifft auf die Deutschen genauso zu, auf die Franzosen, die Ungarn sowieso, und die Polen und so weiter. Die Masse an Dummheit in der Bevölkerung ist ein gefundenes Fressen für die gestörte Intelligenz, die Nazi-Macher – allesamt Banditen. Die Politiker der FPÖ, AFD oder PIS, das sind dumme Leute, daher auch wählbar. Dahinter stehen die Nazi-Macher. Geisteskranke hochfunktionelle Psychopathen, oft reich und mächtig. Diese Nazi-Macher haben blutige Hände, ganz im Shakespeare‘schen Sinne. Banditen (die Nazi-Macher mit ihren Briefkästen) verfolgen eigene Interessen. Dumme Menschen verfolgen keine Interessen. Das „goldene Prinzip“ der Dummen ist es, anderen zu schaden, ohne dabei irgendeinen Gewinn zu erzielen. In der Regel schaden die Dummen allen anderen und sich selbst. Das sind die Wähler der AFD. Da aber die Dummen mehr Schaden anrichten, als die Banditen, sollte man das Wahlrecht für die nächsten 20 Jahre aussetzen. Die große Koalition sollte das tun. Sie kann es, denn das Grundgesetz ist eh nicht gültig, weil es als Provisorium noch nie vom Volk bestätigt wurde. Das Volk ist dumm und es wäre falsch, diese Dummen über ihr Schicksal bestimmen zu lassen. Für Demokratie ist gerade kein günstiger Zeitpunkt.

Die Hütchen-Spieler

 

25. April 2016 - Anlass: österreichische Präsidentenwahl

 

Man sollte sich abgewöhnen zu glauben, man würde einen Nazi schon erkennen. Nein.

Die Zeiten, als sie braune Uniformen trugen sind vorbei. Sie sehen heute genauso aus wie wir. Sie kaufen ihre Anzüge in der gleichen Herrenmoden-Abteilung wie Manager und Unternehmer. Naja. Bei Alexander Gauland hat man eher den Eindruck, er verzieht sein Gesicht wegen des Mottenkugeln-Geruchs, den sein kariertes Sakko von Heine (derzeit bei Amazon vergriffen) ausschwitzt.
Aber schauen Sie sich diesen Mann an: Heinz Christian Strache. Wie nett er lächelt. Herkunft: böhmisches Sudetenland, das Sakko in dezentem blau mit neckischen Lederaufsätzen am Ellbogen. Bunter Schal, Gel im Haar. Mitglied der Wiener Penner Burschenschaft Randalia – äh, nein Vandalia. Genau jetzt weiß ich wieder: Pennale Burschenschaft Vandalia. Oder Norbert Hofer, der Mann der Stunde. Immer die passende Krawatte. Technischer Zeichner bei Lauda Air. Ehrenmitglied der pennal-conservativen Burschenschaft Marko-Germania zu Pinkafeld. Hofer gilt als das „weiche Gesicht“ der FPÖ. Er ist Behindertensprecher, hat einen Ratgeber geschrieben.
 Oder Johann Gudenus. Smart – alter Adel eben. Auch er Mitglied der Randalia Penner.
Das christliche Abendland? Die Gaulands, Straches, Storchs, die Hofers, Petrys und weiß der Teufel wer da noch kommt. Man erkennt sie nicht. Ihr Mummenschanz ist perfekt. Und sie sind gerade dabei die demokratischen Regierungen Europas vor sich her zu jagen. Sie holen sie schon ein.

Während sich Obama und Merkel mit Unternehmer-Chefs treffen und auf Abschiedstour durch die Welt tingeln, übernehmen Recht und Gerechtigkeit (PiS), Freiheitliche (FPÖ) und Alternative (AFD) sukzessive die Macht. Mit Anzug, Krawatte und Kostüm. Die Narren im Gewand der Weisen.

 

Rufen Sie einfach an unter

 

Arwed Vogel

++49 ( )8762 726121

 

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