Literaturprojekt
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Neue Streifschüsse

Wann immer nötig

 

 

Streifschuss 20. Oktober 17

 

Anlass: Sakrale Übung über die Wundheilung

 

Was uns sticht

 

Sich selbst bloß nicht zu ernst nehmen. Das ist die beste Waffe gegen den eigenen Hochmut. Doch ist Selbstverspottung nicht auch ein bisschen hochmütig? Wäre Demut nicht auch etwas, das man gegen sich selbst anwendet? Sei zu dir demütig? Ein Imperativ, der am Ende bedeutet, sich doch ernst zu nehmen, weil Spott immer hochnäsig ist. Kein Entkommen durch die Selbstironie, nur ein weiterer Beleg für die Todsünde der superbia. Aber ich bin einfach kein Dienender. Auch kein Diener Gottes. Selbst in der Demut zeigt sich zum Beispiel der hoffärtige Jüngling Antonius von Padua bei den Augustinermönchen prätentiös. Die Anmaßung von Größe zeigt sich sogar in übertriebener Niedrigkeit. So ist es nur gerecht und weise, zu seiner Größe auch zu stehen. Das wäre Bekenntnis.  Doch ab wann ist der freie Lauf der eigenen Größe wieder anmaßend? Erst die Welt, die dich stutzt und zurechtweist und kontrolliert macht dich zum freien Geist. Lass sie gelten, erhaben oder nicht. Im Irrtum erkennst du dich besser als in der Wahrheit. Wer irrt sollte also seine Erkenntnisse nicht allzu ernst nehmen? Doch irrt er, weil die anderen es als Irrtum erkennen? Oder spricht er die Wahrheit und die Welt irrt? Das fördert den Dünkel und wieder bin ich hochmütig. Aber Gott! Es ist doch die Wahrheit! Als Platons Philosoph sich erhob und ins Feuer blickte, wurde er von denen, die weiter auf die Schatten auf der Wand blickten, für verrückt erklärt. Doch würde der Philosoph jetzt – und so erläutert es Sokrates dem Glaukon – die armen Unwissenden mit Zwang befreien, würden sie nur zusammenbrechen und verrückt werden. Wahrheit ist das eine. Welt das andere. Und es ist immer ein Prozess der mit der Gnade der psychologischen Sanftmut mein kommunikatives Handeln treibt. Aber versteckt sich da nicht schon wieder eine Anmaßung? Die sanftmütigen Rechthaber sind die Unerträglichsten von allen. Ist Wahrheit selbst nicht anmaßend, dünkelhaft und hoffärtig? Eben. Drum gilt es auch für den noch so Weisen, sich seiner Wahrheit als eben „seiner“ Wahrheit zu bedienen. Bleibe ihr treu, klar. Aber denke nie, dass dies eine einzige ist. Und so wird der moralische Fixpunkt nicht die Wahrheit, sondern die Sanftmut selbst. Doch Zorn kann auch heilig sein. Donnernd und das Schwert predigend, durchfluteten den Messias die Ungerechtigkeit und die Heuchelei. Sei nicht immer weise, Weiser. Denn allzu weise bist du hoffärtig. Entblöße dich zuweilen! Wahre nicht immer dein Gesicht, sondern zeige es. Also wird der Hochmütige demütig, gerade dann wenn er seinen Hochmut offen zeigt. Sich auszusetzen als Kernelement jeder Offenbarung und damit als aufgeklärter Habitus angreifbar zu bleiben ist die entscheidende sakrale Übung für das 21. Jahrhundert. Der Schmerz als läuternder Effekt – das setzt Resilienz voraus. Heilfleisch. Die Stigmatisation setzt eher voraus, dass es eben nicht heilt. Die stets offene Wunde sorgt für die nötige Demut. In diesem Sinne wäre Heilung ein Fehler. Der Schmerz der Wahrheit muss also bleiben. Als entscheidender Nenner der Wahrheit wäre hier der Tod zu nennen. Und die Auferstehung wäre fast schon wieder eine Todsünde, wäre sie nicht fiktional offen. „Zum Beispiel“: diese Floskel wäre die Rettung. Denn so würde jede Hochmut nur Muster, nur Veranschaulichung. Die Auferstehung demonstriert uns den Hochmut beispielhaft und reinigt die Wunde, bevor sie erneut zu eitern beginnt. Somit ist die Weisheit eine Übung und weniger ein Zustand.

 

Streifschuss

vom 19. Oktober 17

 

Anlass:

Was man uns alles erzählt

 

 

 

Spießer mit Laserschwert

 

Ein moderner Trend in vielen neuzeitlichen Romanen ist es, historische und fiktive Figuren zu vermengen, nicht nur in historischen Romanen, sondern auch in zeitgenössischen Romanen arbeiten die Autoren mit realen und fiktiven Figuren, als würde man den bloß fiktiven Figuren nicht mehr trauen. Nimmt man das als Trend, dann gibt es eine Krise des Erzählens. Die Flut der medialen Bilder und Geschichten hat die Rezipienten verunsichert. Was ist eigentlich Realität? Welcher Geschichte von der Welt kann ich noch trauen? Kann ich eigentlich meiner eigenen Welterzählung zutrauen, dass sie mir von der Wahrheit der Welt und des Seins berichtet? In solchen Wissenskrisen, verursacht durch die digitale Revolution, retardiert ein Teil der verunsicherten Rezipienten wieder auf ein klassisches Freund-Feind-Schema. Der moderne Rassismus ist unter anderem eine Reaktion auf diese Verunsicherung. Ich traue mehr dem mir vertrauten, als dem Unbekannten. Es gilt immer auch für die Erzählung, die Lust auf das Unbekannte und das Unvertraute zu wecken. Erzählung braucht also die Kraft, das gänzlich Unbekannte zu bereisen und dem Rezipienten so eine Theorie of Mind zu vermitteln, sich in diesem Nebel zurechtfinden zu können. Daher auch der andere Trend in der Erzählung (hier vor allem der Film), bei dem  Fantasy und Science Fiction  Welten kreiert, die vordergründig gar nichts mit der realen Welt zu tun haben. Darauf kann sich der Rezipient dann relativ entspannt einlassen, denn er weiß ja, dass dies mit seiner Realität nichts zu tun hat. Star wars oder Star trek sind eskapistische Fixpunkte, die dem Rezipienten ermöglichen, dem Wahrheitsdruck zu entkommen, ja zu entfliehen, um auszuruhen, zu schwelgen und zugleich dem Fremden und Unbekannten ohne Gefahr begegnen zu können. Einerseits also der historische Roman, in dem Fiktion und Realität neu gemischt werden. Dann der zeitgenössische Roman, in dem die aktuale Realität mit fiktionalen Spielfiguren auf faktuale Macht reagiert. Und zum Dritten Fantasy und Science Fiction, wo der Rezipient mit Raumschiff und Laserschwert bewaffnet dem gänzlich Fremden gut gerüstet gegenüber steht. Der Wahrheit bringt uns das keinen Schritt näher. Und das Problem, dass ich meiner eigenen Welterzählung nicht mehr zutraue, mich durch diese Welt zu führen, bleibt bestehen. Aber immerhin bietet das Erzählen eine Art Matrix, auf die ich mich einlassen kann, ausprobieren kann und so wird das Spiel der Fiktion zum Probierstein meiner Realität. Das ist problematisch, denn in der großen Breite des Angebots singularisiert sich meine Welterfahrung auch noch spielerisch. Daher gibt es den Trend der Fan-Gemeinden, die sich im digitalen Raum zusammenschließen und Gemeinschaft erleben, wenn sie auf einem Konvent in phantastischen Kostümen ihres Genres auftreten. Die Komik von Studenten, die sich als Zombie verkleiden oder als Star Wars Figuren in einer Kleinstadt treffen, oder in Ritterkostümen und Schwertern auf einer mittelalterlichen Marktkulisse künstlich gesüßten Metwein trinken, ist nicht zu übersehen. Dass der digitale Raum sogar Dating-Portale zu fiktionalen Welterfahrungsmessen macht, ist nur logisch. Doch dies führt zu weiterer Lokalisierung in einer globalen Welt. Der Rückzug auf meine Privatwelt muss klein genug sein, damit der Rezipient hier noch Kohärenz erlebt. Cross-Datings können dann zu neuen sozialen Räumen werden und die Welt noch mehr „konfettisieren“. So ist die Welt bunt und vielfältig, aber der Geist des Rezipienten wird zunehmend kleiner und farbloser. Der Bünzli, der Spießer, der Philister dessen geistige Unbeweglichkeit man kritisiert, ist aber damit ein weiterer Trend. Studenten in Zombie-Kostümen sind von Montag bis Freitag unauffällige, brave und angepasste Leistungsbürger mit Alltagsrassismus und Vorurteilen, nur um am Wochenende auf dem Marktplatz des Eskapismus im geschützten Raum die lustvolle Erfahrung des Fremdartigen machen zu können. Eine bigotte Lösung.

 

Streifschuss

vom 26. September 17

 

Anlass: Das Märchen vom Nazi der eigentlich keiner ist.

 

 

Die wollen nur spielen…

 

Jetzt sind angeblich die Medien schuld. Oder doch die Russen, oder waren es die Marsianer, die uns ja schon lange heimlich manipulieren?

Ernsthaft. Es gab sie schon immer, die 10 bis 20 Prozent Rassisten und Menschenverächter. Nur hatten sie eben bislang keine Partei, die sie würdig vertreten konnte. Mit der AFD (Autoritäre Faschisten Deutschland) haben sie gerade eine. Würdig im Sinne von würdelos genug, um den Rassisten als wählbar zu erscheinen. Die AFD (Absurde Finstere Dummköpfe)  wird sich aber genauso zerlegen, wie die anderen zuvor. Notfalls muss Macron seine Atomraketen auf Deutschland ausrichten, um den restlichen 80 bis 90 Prozent Nichtrassisten ein Gefühl von Zuversicht zu geben. Die von dem nordkoreanischen Pummel sind noch nicht so gut, um bis zu uns zu kommen. Der schafft es nur bis Guam. Das vermittelt keine Zuversicht, sondern nur eine dramatische Suche auf der Landkarte im mikronesischen Niemandsland. Wobei – da kommt mir gerade eine Idee. Irgendwo zwischen Ngulu und Sorol ist bestimmt noch Platz für 94 weiße alte Männer, die unter einem Stahlhelm schlafen und mit ihrem Schäferhund. Die frisch gebackenen Abgeordneten der AFD (Angeberische Frustrierte Dinosaurier) versenkt an der tiefsten Stelle im östlichen Marianen Becken. Eine – Achtung Wortspiel – pazifikistische Lösung.

Klar. Es heißt jetzt immer ganz seriös (was auch ein bisschen nach Eiter klingt – seriöse Soße absondernde Politikwissenschaftler) die „Faschismus-Keule führe zu nichts“. Kann schon sein, dass es nichts bringt, wenn man feststellt, dass in Großdeutschland acht Millionen Rassisten leben. Aber trotzdem ist es so. Die gehen nicht weg, die haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Und selbst wenn man die Mieten wieder bezahlbar macht, und die Löhne erhöht und alte Damen wieder über die Straße geleitet. Dann ist zwar die Welt eine Bessere. Aber die acht Millionen Rassisten bleiben trotzdem hier. Die gehen nicht freiwillig nach Ngulu. Das machen die nicht. Und wenn man jetzt so tut, dass die ja im Grunde ganz nett sind, und halt nur grad irgendwie sauer, dann ist das so, als würde der Hundebesitzer nach dem der Hund einen gebissen hat, sagen: Der ist eigentlich ein ganz ein lieber Hund. Ja kann schon sein. Nur beißt er. Was ihm irgendwie seinen Liebreiz nimmt.  Rassisten sind nicht lieb und auch nicht eigentlich lieb. Sie verachten andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft und wegen ihrer kulturellen Eigenheiten. Rassisten halten sich für was Besseres und wollen das mit sozialdarwinistischen Mitteln durchsetzen. Die sind nicht bloß sauer. Herr Gott noch mal.

Streifschuss

vom 25. September 17
 

Anlass:

Sind „wir“ schon wieder wer?

 

Die dunkle Macht aus Tatooine

 

Anakin Skywalker Gauland wird uns, also das Volk, endlich aus den Klauen der Großkanzlerin Palpatine Merkel befreien. Und Padme Amidala Petry ist schon wieder schwanger!

Echt jetzt! So was haben also nun acht Millionen Deutsche gewählt? 13 Prozent für eine Partei, deren Protagonisten sich wiederholt offen rassistisch und menschenfeindlich geäußert haben! Und Kanzlerin Merkel will sich jetzt vermehrt der Sorgen dieser 13 Prozent annehmen. Das sollen ja nur Protestwähler sein. Gegen was protestieren diese Leute denn? Gegen Menschlichkeit, gegen Freiheit, gegen Liberalität? Also gegen sich selbst. Acht Millionen Deutsche sind auf einem Feldzug gegen sich selbst, verachten sich selbst und die ganze Welt dazu. Und die meisten von ihnen kommen aus dem wilden Osten. Wir brauchen also dringend Hilfe von Donald Trump, einem Mann der noch weiß wie man eine Mauer baut. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob wir die geheime Wahl noch haben wollen. Denn ernsthaft: Diese acht Millionen deutschen Rassisten sollte man aus ihren Wohnungen jagen und in Sammellagern die eigene Scheiße fressen lassen. Gut, gut. Das geht auch nicht. Aber eine Mauer…, es muss ja nicht wieder DDR heißen. Wie wäre es mit DGL? Deutsches Gauland. Dann könnten wir hier im liberalen Westen wieder sagen: Wenn es dir hier nicht passt, dann geh doch nach drüben! Oder einfach formuliert: „Nazis raus.“
Diese Sachsen! Und wo ist Karl der Große? Nun, Martin Schulz hat gleich gesprochen. Er geht in den Widerstand. Eher ein Widerständchen. Und die Fraktion des Widerstands wird angeführt von Jeanne d'Arc Nahles.
Kurz und knapp: Historisch, historisch und historisch. Und das – so glaube ich – ist die Idee dahinter. Endlich kommt Jamaica. Es wächst zusammen, was zusammen gehört. Konservative, Liberale und Grüne bauen einen Staat aus Diesel und Hirse mit zweirädrigen Automobilen und elektrischem Verbrennungsmotor. Das ist das neue Neo-Grün. Auf den Terrassen der Atommeiler blüht der Dinkel und die Wirtschaft wird endlich wieder dereguliert. Weg mit dem englischen Rasen. Wer Geld verdienen will, der darf es wieder. Und sei es nur, um Energie zu sparen. 
Großkanzlerin Palpatine Merkel wird weiter ihre dunkle Macht ausbilden und Anakin Skywalker Gauland wird, wer er eben wirklich ist. Shit happens.

Streifschuss

vom 22. September 17

 

Anlass: Vorwahlgeplenkel

 

Bügeln wir endlich wieder

 

Wieder mal wird geklagt: Nur jeder fünfte Deutsche liest. Der Durchschnittsdeutsche sieht über drei Stunden fern und drei Stunden smart und auch gebügelt wird kaum noch. Nun: Das ist doch alles eine Frage der Organisation. Ich schaffe es, drei Stunden am Tag zu lesen, drei Stunden zu stricken, drei Stunden am Tag am Fenster zu stehen und keine Ahnung zu haben, warum ich das mache. Gut. Bügeln habe ich aufgegeben. Ich schleudere inzwischen. Smarten mache ich nur, weil mich der Überwachungsstaat dazu zwingt. Und sonst? Hier beginnt das geheime Leben des Durchschnitts. Denn was wurde da durch geschnitten? Die Teilung unseres Lebens in Schnitte hat die Inhalte rausgeschnitten. Übrig geblieben ist das Durch. Und durch Schnitte geteiltes Leben ist am Ende eingeteilt. In der Menge das Ganze zu suchen ist aber immer noch arkanische Kunst. Nichts ist also geheimnisvoller als die durch Schnitte zum Durchschnitt zerschnittenen Männer, Frauen, Kinder und andere Schnitzel. Jagd darauf zu machen ist der Statisten Art. Bitte sehen Sie also weiter fern und wenn man Sie erwischt, auf der Toilette beim Lesen, sagen Sie einfach „Schnitt“. Das wird dann selbstverständlich rausgeschnitten. Das kann der Statist verdauen. Hauptsache ist: Es wird endlich wieder gebügelt.

Streifschuss vom 15. September 17

 

Anlass: oans, zwoa, gsuffa

 

Kult der Gegorenen

 

Morgen ist wieder eine schwierige Situation in München, da ja viele Wahnsinnige in Trachten trunken von Folklore und Bier die Innenstadt bevölkern werden. Sie jubeln alten Kutschen zu und Ackergäulen die fette Pferdeäpfel scheißen. Geisteskranke Touristen, Horden von Stammtischpolitikern der CSU, dickbäuchige alte Männer mit Wirtslizenz, glanzhäutige Japsen mit Fotoapparat und ALDH-Mangel, Kommunitarier und Multikulturalisten sitzen vereint und umzäunt in stickigen Zelten und fressen Antibiotika-Hühnchen, lassen sich von Bierschaum betrügen und singen schlechte Lieder. Helene Fischer und Florian Claus von Voxxclub begehen - mit ihrer angeblich Musik genannten Schweinerei - Verbrechen an der Menschlichkeit. Kurz: Es wird wieder ozapft...

Seit nunmehr 207 Jahren, seit ein Bayer eine Sächsin ehelichte, findet dieses inzwischen sich selbst fremd gewordene Spektakel statt. 6 Millionen Besucher generieren eine gute Milliarde Euro Umsatz. Man könnte statt „ozapft is“ auch „ogschpiem wird“ sagen. Gute zwei Wochen lang wird erbrochen, was das Zeug hält. Öffentliche Verkehrsmittel werden für einen arbeitenden, braven Bürger zur Marter. Es wird wieder vergewaltigt und geklaut.

Die exoterische Seite dieses Kultereignisses: Es ist ein lustiges und weitgehend harmloses Fest indem viele Menschen sich einfach mal daneben benehmen können. Klar und das ist ja auch in Ordnung, wenn man das ganze Jahr über buckelt und in Lohnabhängigkeit sein ödes Dasein fristet, dann ist so ein Fest eine schöne Abwechslung. Und die vielen Touristen machen die Stadt München über weite Teile der Welt bekannt. Das ist alles von Vorteil für die Stadtkämmerer, für das Image der Stadt und so weiter.

Der esoterische Teil jedoch: Es ist ein ernstes, phallisch geprägtes Fruchtbarkeitsfest, das sich gegen den Gott der Unterwelt richtet. Die große Mutter mit ihren vielen Zitzen ist in München ein Bierfass. Selig, wer im hohen Glück / Um der Götter Weihen weiß … / Wer sich haltend an der Großen / Mutter Kybele hohen Festbrauch, / Mit des Thyrsos wildem Schwingen / Sich – das Haupt eppichbekränzt – weiht / Ganz dem Dienst des Dionysos wusste schon Euripides zu dichten. Furien, Musen und Schicksalsgöttinnen in einem Aufmarsch. Doch Wein ist nicht Bier. Denn Bier steht am Beginn der neolithischen Revolution. Bier ist das Synonym für die Sesshaftwerdung des Menschen. Es ist ein Kult, der die Hierarchie bestätigt. Es ist ein Fest, das die Fron zur Feier macht. Der esoterische Charakter dieses Festes ist es also, dass der Mensch dient. Diesem akkumulierten Reichtum wird nun zwei Wochen lang gehuldigt und man lässt es krachen.

Unter uns Nomaden: Die spinnen, die Römer…

 

Streifschuss

vom 09. September 17

 

Anlass: Der Winter naht

 

 

 

 

Der letzte Mensch auf Erden

 

Der Rationalismus der Herrschaft über die Natur, das Dominium terrae (Genesis 1,28) schlägt nun um in die Irrationalität unserer Selbstvernichtung. Wir verbrennen mit der Aufheizung der Erdatmosphäre und wir kollabieren gemeinsam mit unserem Klima. Und leider nutzt es auch nichts mehr, den Stecker zu ziehen. Denn dann würden wir erst recht verbrennen, da die real existierenden nuklearen Reaktoren ihre Brennstäbe nicht mehr kühlen könnten. Dazu brauchen sie den Strom. So sind wir zur Unruhe verdonnert und es gibt keine Aussicht auf Zukunft. Wir können nur noch über Gnade nachdenken und auf ein Wunder hoffen. Vielleicht trifft es uns nicht persönlich, weil ein Herzinfarkt, die Demenz oder andere Krankheiten, oder einfach der ganz normale Tod uns vor der Massenvernichtung bewahren. Aber unsere Enkel, wohl spätestens unsere Urenkel wird es treffen. Insofern erscheint es mir unerklärbar, warum ich Texte schreibe. Ich sollte rausgehen, ficken, fressen, saufen und schreien. Kurz: Den Untergang feiern. Wie heißt es auf hochvalyrisch: Valar morghulis. Leider bin ich ein Kind meiner Zeit und gewisse Verträge hindern mich daran. Der Arbeitsvertrag, der Mietvertrag, und all die anderen höchst ungleichen Verträge die mich bis zum Finale weiter ausbeuten. Den Wehrwolfsheißhunger des Kapitals interessiert der Weltuntergang überhaupt nicht. Fressend, fickend, saufend und schreiend, bleibt der Kapitalismus eine stampfende Maschine deren Bohrtürme, Reaktoren, Stahlfräsen weiter erbarmungslos die Erde malträtieren. Also schreibe ich in meiner Freizeit Texte. Die Magie der Worte ist allerdings längst zum nicht mehr hörbaren Vogelgezwitscher unter all dem Produktionslärm verkommen. Vielleicht erzeugen meine Worte ja eine Art kosmischer Energie, die irgendwann einen jungen und noch hoffnungsfrohen Planeten erreichen wird, auf dem gerade das Anthropozän frisch eingeläutet wurde. Doch wäre das hilfreich? Kann ich sicher sein, dass diese kosmische Energie, die meinen Texten entspringt nicht etwa gerade dazu beiträgt die ganze Scheiße Lichtjahre entfernt noch einmal zu befeuern? Ich bin ein Kind meiner Zeit. Wie könnten meine Worte nicht stampfen oder lärmen? Nun. Und so schreibt der letzte Mensch auf Erden letzte Texte. Valar dohaeris.

 

 
   


 

Streifschuss vom 07. September 17

 

Anlass: 150 Jahre DAS KAPITAL

 

Glaube und Gläubiger

 

Die größte Bibeldruckerei steht in Nanjing (VR China) und jährlich werden 20 Millionen Stück gedruckt und in 60 Länder exportiert. Dieses Buch hat bekanntlich die Welt umgekrempelt. „Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ – heißt es bei Matthäus 19,24 . Die Gutenberg-Bibel, auch bekannt als „B42“, ist das erste Buch, das durch den modernen Buchdruck hergestellt wurde. Von rund 180 originalen Exemplaren haben es lediglich 48 Stück bis in die heutige Zeit geschafft und nur 31 befinden sich in einem perfekten Zustand. Eines dieser Exemplare wurde 1987 für 4,6 Millionen Euro in einer Auktion versteigert.

Nun ist ein Reicher ja irgendwie reich geworden. Wie er das wurde steht in einem anderen Buch. Denn Religion ist ja Opium fürs Volk.

Das letzte Buch, das die Welt veränderte, erschien vor ziemlich genau 150 Jahren, wohl am 11. September 1867. Ein 796 Druckseiten umfassendes Sachbuch mit 1023 Fußnoten „ordinär“, also ohne festen Einband in einem gelben Umschlag im Verlag Otto Meißner. Es gab eine Erstauflage von 1000 Stück und ein Buch kostete 3 Thaler und 10 Neugroschen. Der Wochenlohn eines normalen Fabrikarbeiters betrug in dieser Zeit 2½ Thaler. Soll also hierzulande und heutzutage noch einer über unsere Buchpreisbindung schimpfen und jammern, wie teuer das Hardcover sei. Uns werden die Bücher hinterher geworfen. Aber warum? Nun: Weil Bücher nicht mehr die Welt verändern können, wie es noch das eben erwähnte Buch (Das Kapital von Karl Marx) getan hat. Und das mit so spannenden Sätzen wie: „Als Einheit von Arbeitsprozeß und Wertbildungsprozeß ist der Produktionsprozeß Produktionsprozeß von Waren; als Einheit von Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß ist er kapitalistischer Produktionsprozeß, kapitalistische Form der Warenproduktion.“ Aber es gibt auch Sätze wie: „Der Mensch tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur.“ Und am Ende – nun ja – kommt es schließlich auf Veränderung an und nicht auf Interpretation.

Das 5. Kapitel im Kapital Band I ist sicher das Fundament. „Wir unterstellen die Arbeit in einer Form, worin sie dem Menschen ausschließlich angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, daß er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.“ Unser menschlicher Arbeitsprozess findet sich im Produkt selbst wieder als eine Vorstellung unseres Tuns, weil der Prozess des Tuns den Arbeitsgegenstand so verändert, dass er als Gebrauchsgegenstand ein den menschlichen Bedürfnissen angeeigneter Naturstoff wurde. Die menschlichen Bedürfnisse, sein Verlangen, seine Wünsche, seine Ansprüche sind allerdings unstillbar. Kennt die Ökonomie einen Grenznutzen, so kann der Mensch seinen Magen auf eine Weise dilatieren, dass das jede Vernunft sprengt. So ist der Kapitalismus mit seinem Reichtum an Waren, also den materialisierten Bedürfnissen des Menschen, das materialisierte Verlangen in den Schaufenstern, eine logische Folge unserer ureigensten Bauart.

Daher glaube ich nicht, dass der Kapitalismus auf rein ökonomischer Ebene überwunden werden kann. Aber dennoch müssen die kapitalistischen Verhältnisse geändert werden. Ohne dies geht es gar nicht. Die ökonomischen Verhältnisse heute sind nämlich vor allem durch die Schaffung von fiktivem Kapital geprägt. Der Staat ist hier das Instrument zur Schaffung dieses fiktiven Kapitals für die Aktionäre. Der Staat erhebt Steuern mit denen er die private Wirtschaft ankurbelt und der Staat schafft die Bedingungen unter denen dann nicht mehr Waren, sondern bloß noch Reichtum geschaffen wird, für die Aktionäre. Die Welt wird von Aktiengesellschaften regiert und der Staat ist ohne diese Aktiengesellschaften nichts. In der globalen Weltwirtschaft ist die Nation das Fundament der Ausbeutung. Sobald die Wirtschaftsagenten einer Nation nicht mehr genügend wirkliches Kapital schaffen kann (wirkliches Kapital entsteht durch die Produktion von Waren, die teurer verkauft werden als die Herstellung kostete – auf Kosten der ausgebeuteten Arbeiter und Angestellten), wächst der Reichtum an fiktivem Kapital für die andere Nation. Das geschieht dadurch, dass die Nation deren Waren nun weniger wert sind, mehr bezahlen muss, um ihre Waren noch auf dem Weltmarkt platzieren zu können.  Dies geschieht durch hochverzinsten Vorschuss auf die wertgeminderten Warenproduzenten. Für einen Kapitalisten ist das inzwischen viel erträglicher, als selbst Waren zu produzieren in einem übersättigten Weltmarkt. Die Ökonomie kennt einen Grenznutzen. Der Mensch nicht. Während der Markt übersättigt ist und keine Waren mehr absetzen kann, bleibt der Mensch selber hungrig. Sein Magen ist dilatierbar. Bis hin zum Exitus. Und nun erleben wir im Kapitalismus Krisen dadurch, dass einerseits Staaten den hochverzinsten Vorschuss nicht mehr tilgen können, nicht einmal mehr die Zinsen darauf zahlen können (Griechenland als Beispiel) und andererseits Staaten, die so viel fiktives Kapital zur Verfügung haben, dass sie es gar nicht mehr los werden können. Die Gläubiger sind inzwischen so reich und die Schuldner so arm, dass die Gläubiger ihr Geld nicht mehr los werden und Schuldner es nicht mehr zurückzahlen können. Das ist meist Vorstufe eines Krieges. Unter diesem Aspekt sollte man den Konflikt mit Nordkorea betrachten. Die USA verfügt über 58.000 Dollar Bruttoinlandsprodukt (BIP / hier sollte man vielleicht doch erwähnen dass der BIP ein komplizierter Wert ist, davon abhängig welcher mathematische Holzkopf das ausgerechnet hat) pro Kopf und Jahr, Nordkorea über 738 Dollar BIP pro Kopf und Jahr. Nordkorea liegt damit auf Platz 173 in der Weltrangliste. China oder Russland (Nordkoreas Nachbarn) verfügen immerhin über jeweils 8000 Dollar BIP pro Kopf. Südkorea verfügt sogar über 37.000 Dollar BIP pro Kopf. Zum Vergleich, Deutschland verfügt über 41.000 Dollar BIP pro Kopf. Damit ist Deutschland nicht unter den Top-Ten, sogar vier Plätze hinter Österreich. Diese Zahlen besagen erst einmal wenig. Da sollte man sich die größten börsennotierten Unternehmen anschauen. Da liegt Wal-Mart vorne, mit 500 Milliarden Jahresumsatz, gefolgt von Royal Dutch Shell mit 460 Milliarden Jahresumsatz. Und Royal Dutch Shell muss kaum teilen, die haben nur 90.000 Mitarbeiter. Wal-Mart immerhin über zwei Millionen (womit Wal-Mart zugleich der weltweit größte Arbeitgeber ist). Dann kommen mit Sinopec und China National Petroleum zwei chinesische Unternehmen auf Rang drei und vier. Dann wieder USA mit Exxon Mobil.
Interessant ist hier: Deutschland liegt im Ländervergleich auf Platz vier, hat also das viertgrößte BIP der Welt und liegt nur auf Platz 19 beim pro Kopf Vergleich. Luxemburg liegt im pro Kopf Vergleich auf Platz 1 und im Ländervergleich auf Platz 75. Wie kann es sein, dass ein Land die meisten Güter besitzt und ihre Bewohner selbst so wenig? Und andererseits ein Land, das kaum etwas besitzt so viele Reiche beheimatet? Das liegt daran, dass die Staatsregierungen nur das Instrument der globalen Weltwirtschaft sind und Aktiengesellschaften auf die Bewohner der einzelnen Länder scheißen. Und Aktionäre leben wiederum dort, wo ihnen der Staat noch tiefer in den Arsch kriecht. Die meisten Menschen sind schlicht arm. Wenn einmal diese vielen armen Menschen keine Angst mehr haben, vor den wenigen reichen Menschen, dann… - träumt weiter.

Auf rein ökonomischer Ebene kann der Kapitalismus nicht überwunden werden. Also doch wieder die Bibel? Aber die meisten Kriege wurden angezettelt, weil es um Glaubensfragen ging. Über etwas das gar nicht existiert, kann man ja wunderbar streiten. Krieg war dann für die Reichen ein gefundenes Fressen, um noch reicher zu werden. “Kaufe, wenn das Blut in den Straßen fließt!” lautete zu Anfang des 19. Jahrhunderts der berühmte Ausspruch Nathan Rothschilds, Spross des britischen Zweiges der gleichnamigen Bankier-Familie. Er hat bekanntlich im Kielwasser der durch die Schlacht von Waterloo ausgelösten Börsenpanik ein Vermögen gemacht. “Kaufe, wenn das Blut in den Straßen fließt, selbst wenn es Dein eigenes ist!” soll der volle Umfang dieser Aussage gewesen sein. Bei Martin Luther war der Mensch noch abhängig von der Gnade Gottes. Und Gott war immer den Tugendhaften gnädig. Was tugendhaft war bestimmte wiederum die Institution Kirche und deren CEO.  Besser war das auch nicht. Also verwerfen wir den Glauben ebenso wie den Gläubiger. Aber was zum Henker bleibt uns dann noch? Die großen Weltinstitutionen heißen Glaube und Kapital. Beide sind nichts weiter als Ausbeutungsmaschinen mit deren Hilfe wenige reich und viele arm werden. Die Frage ist also: Brauchen wir überhaupt eine Institution, wenn jede Institution nur Beleg und Instrument für unsere Armut ist? Weg mit dem Staat, weg mit der Kirche? Sind wir Menschen wirklich nicht in der Lage gut zu einander zu sein, ohne dass wir zum Gutsein geprügelt werden müssten? Ich vermute eher, dass diese ständigen Prügel uns grade immer schlechter machten. Und wenn man nun die Prügel einfach einsammelt und ins Meer wirft?

 

Träumt weiter, träumt weiter… .

 

Streifschuss

vom 29. August 17

 

Anlass: Unter Gauländern

 

Ideal ist nur eine Musikband

 

 

Wollt ihr schon auf Erden Göttern gleichen,

Frei sein in des Todes Reichen,

Wollt ihr hoch auf ihren Flügeln schweben,

Werft die Angst des Irdischen von euch.

Fliehet aus dem engen, dumpfen Leben

In des Idealen Reich

 

Dichtete einst Herr Schiller und sprach in seinen „Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen“ darüber, sich des politischen Betriebs zu enthalten. Diesem Schmutz und dieser Rohheit käme da nur die Erziehung zur Ästhetik bei. Während die Franken gerade versuchten die Vernunft in das rückständige Europa zu prügeln, saßen die beiden Klassiker im schlecht gepflasterten Weimar, hörten den hungrigen Schweinen beim Grunzen zu (so schildert Wieland seine Nächte) und spielten sich zu den Bewachern eines „geregelten Lebens“ auf (das machen die Horen nämlich bei den Griechen – von Hora = Zeitabschnitt). Heute im 21. Jahrhundert ist wieder viel Unruhe, viel Schmutz und Rohheit da. Despoten überall: Trump, Erdogan, Kim Jong Un, Putin und viele mehr. Unsere oberste Landrätin Frau Merkel macht die Raute und schaut besonnen (oder ratlos?) dem ganzen Treiben zu. Zeit also für Ästhetik:

 

Wollt ihr im Himmel Schweinen gleichen,

Unmündig eingesperrt im Reich der Mauern,

Wollt ihr gestutzt am Boden kriechen,

Dann lasst den Himmel fahren und jedes Ideal.

Zieht euch zurück ins dumpfe Land der Gauländer

Und stinkt wie Dreck in der prallen Sonne

 

Soviel Raum und nicht mehr sollte man einem widerwärtigen Rassisten zur Verfügung stellen. Aber ob man solchen Stinkern mit Ästhetik beikommt? Es schillert halt nicht mehr so recht.

 

Was denkst du denn, was ich so mitmach /Von deiner Ignoranz / Was denkst du denn, was ich so aushalt / Von deinem Affentanz/ Du machst mich noch ganz irre

 

Es humpert mehr als es schillert.

Streifschuss

vom 28. August 17

 

Anlass: Bildungsoffensive!

 

Beim Barte des Proleten

 

Nach dem Verbrechen von Herrn Schröder mit Hartz IV, will nun Herr Schulz das nächste  Verbrechen der SPD einleiten. Erwill dazu das Grundgesetz ändern, damit Berlin auch noch bestimmen kann, was man wissen soll. Es wird jetzt ekelhaft. Die SPD startet eine Bildungsoffensive! Die Proleten von einst wollen nun die Wissensgesellschaft anführen. Das allein ist schon absurd. Aber dahinter steckt natürlich ein Angriff auf unsere Freiheit. Denn dazu müssen Herr Schulz und seine SPD auch noch das Grundgesetz schleifen. Wer „Wissen“ auf diese Art versteht, der versteht schlicht nichts von „Wissen“. Wissen muss immer frei sein und darf nicht von einer Partei oder einem Staat gegängelt werden. Das ist derart krank, dass ich nur noch hoffe, dass diese SPD unter zehn Prozent kommt. Am besten unter fünf Prozent. Denn dieser elitäre Anspruch einer Partei offenbart geradezu den Staatsfetischismus unserer Wahldemokratie. Und der Gedanke, die Vorstellung, Geld könne Wissen generieren, ist derart unterirdisch, dass ich dabei kotzen muss. Mir fehlen die Worte. Und klar. Effizienz. Ein paar Milliarden Euro, ein bisschen am Grundgesetz rumpfuschen und schon wird Deutschland wieder „Bildungsspitzenreiter“. Wettbewerb! Wissensökonomie und am Ende Innovations-Scheiß. Dieser Mister Schulz hat nichts, aber auch gar nichts begriffen. Und mir graut davor, dass der Staat zentral von Berlin aus auch noch kontrolliert, was wir zu wissen haben. Wir werden ohnehin schon kontrolliert und kontrolliert. Jetzt kriecht dieser Krake auch noch in mein Gehirn mit seinem Anspruch auf Allmacht. Eins ist klar. Sollte diese Bildungsoffensive Realität werden, werde ich anfangen an alles zu glauben, was dieser Bildungsoffensive widerspricht, schon allein aus Trotz und echter Staatsverdrossenheit.

 

Streifschuss vom 26. August 17

 

Anlass: Parteien-Inflation

 

Ständig werden in jüngster Zeit Parteien gegründet und Steuergelder verheizt. Jetzt hat auch noch Claudia Stamm, (Tochter der BSE-Ministerin Barbara Stamm 2001 wegen des BSE-Skandals zurückgetreten) eine neue Partei gegründet. Nach ihrem Austritt aus der Partei der Grünen, gründete sie „mut“. In der Tat. Oder mit Kant in seinem berühmten Aufsatz „Was ist Aufklärung“: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung“

 

Zweimal „mut“ in Kants berühmten Aufsatz aus dem Jahr 1784. Und nun 233 Jahre später fassen wir ihn endlich, den Mut. Mit der Gründung einer Partei?

Gott! Schon wieder eine Partei. Als wäre Politik in Deutschland nur möglich wenn wir uns an Paragraphen halten. Nach §2 des deutschen Parteiengesetzes sind Parteien Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluß nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtag mitwirken wollen, wenn sie nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere nach Umfang und Festigkeit ihrer Organisation, nach der Zahl ihrer Mitglieder und nach ihrem Hervortreten in der Öffentlichkeit eine ausreichende Gewähr für die Ernsthaftigkeit dieser Zielsetzung bieten. Mitglieder einer Partei können nur natürliche Personen sein.

Bin ich eine natürliche Person die auf die politische Willensbildung Einfluss nimmt? Lächerlich. Aber ich bin leider nur ich und in dem Gesetz steht nicht mal drin, wie viel man sein muss.  Wichtig ist nur, dass man an Wahlen teilnehmen muss. Wenn man das nicht macht, ist man keine Partei. Und auch wenn man kein Deutscher ist. Klar.

Der eigentliche Horror ist die Wahldemokratie. Und dann haben wir immer wieder irgendwelche Senkrechtstarter, die sich nur über Mehrheiten definieren können. Mit Brecht könnte man sagen: Was ist das Verbrechen, eine Demokratie zu stürzen, gegen das Verbrechen, eine Partei zu gründen.

 

Und hier möchte ich Henry David Thoreau zu Wort kommen lassen: „Ich habe mir den Wahlspruch zu Eigen gemacht: Die beste Regierung ist die, welche am wenigsten regiert; und ich sähe gerne, wenn schneller und gründlicher nach ihm gehandelt würde.“…
Weiter schreibt er: „Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit.“

 

Und „ Aber eine Regierung, in der die Mehrheit in jedem Fall den Ausschlag gibt, kann nicht auf Gerechtigkeit gegründet sein, nicht einmal soweit Menschen die Gerechtigkeit verstehen.“

 

Und mit Henry David Thoreau werde ich mir allmählich auch überlegen, ob ich da noch meine Steuern zahle. Leider kenne ich niemanden, der sie dann (wie  bei Thoreau geschehen) für mich bezahlen wird…

Streifschuss vom 23. August 17

 

Anlass: Das Elend unserer Wahldemokratie

 

Über 100 Bundestagsabgeordnete kandidieren nicht mehr für die anstehende Bundestagswahl! Ein echter Grund zum Feiern? Sicher, wenn es noch mehr wären. Aber es rücken leider welche nach. Es werden sogar noch mehr als vorher. Überhangmandate durch Erststimmen. Immer mehr, die immer weniger zu sagen haben, weil die Legislative in Deutschland längst keine Gesetze mehr macht, sondern nur noch Stimmvieh der Regierung (der Exekutive) ist, einer Regierung, die lobbyisiert wurde. Gibt es das Wort lobbyisiert? Lobotomiert gibt es. Und das passt ja hier auch. Vor dem zweieinhalb Tonnen schweren Bundesadler (wo das Hakenkreuz unten noch leicht durchschimmert) sitzen lobotomierte Politiker und haben nichts zu sagen. Sie sind Scherzkekse der Aktionäre, den wahren Herrschern der Welt. Manche dieser lobotomierten Scherzkekse sind selber Aktionäre und haben nichts zu sagen wenn sie was sagen. Das halten sie dann nicht ewig aus. Aber dennoch heulen sie. Wolfgang Bosbach zum Beispiel: Rheinische Frohnatur sagt man gerne, wobei er nicht wirklich froh ist, sondern eher eine  schlichte Natur. Er heult und vermisst – laut Spiegel online – schon jetzt Claudia Roth. Es ist eine 600 Köpfe umfassende pathologische Familie, die da am 24. September von 60 Millionen Wahlberechtigten (von denen nur die Hälfte wählen gehen wird) aufgerufen wird, uns alle zu quälen mit ihrem kranken Scheiß.
Machen wir endlich Schluss mit der Wahldemokratie. Gehen wir zurück zur Antike und zum griechischen  Vorbild der Demokratie: Keine Wahl sondern per Losverfahren. Dann hat jeder mal ne Chance. Die Konsultative. Bürger entscheiden für Bürger und nicht irgendwelche frustrierten Fuzzys, die nach Jahren der Hilflosigkeit in eine hochdotierte, steuerfinanzierte Rente gehen. Es ist einfach nur pervers, wenn all diese Adler-Gucker sich jetzt selbst betrauern.

Streifschuss vom 19. August 17

 

Anlass: Die Dunkelheit

 

Nie und nie in meinem ganzen Leben war ich so erschüttert, wie in diesen zwei Minuten, es war nicht anders, als hätte Gott auf einmal ein deutliches Wort gesprochen und ich hätte es verstanden, schrieb Adalbert Stifter über sein Erleben am Morgen des 8. Juli 1842, als eine totale Sonnenfinsternis in ganz Asien und Europa sichtbar war. Und am 11. August 1999 haben mehr Menschen als je zuvor eine Sonnenfinsternis beobachtet. Wir standen kurz vor dem Untergang des Abendlandes.

Am 21. August ist wieder eine totale Sonnenfinsternis. Aber man wird sie nur in den USA sehen können. In Teilen Europas kann man immerhin eine Teilverfinsterung erkennen. In La Palma zum Beispiel wird sich der Mond um etwa 42 Prozent vor die Sonne schieben.

Wird diese totale Sonnenfinsternis in den USA America great again machen? Das fragen sich viele. Oder ist es der Anfang vom Ende einer Supermacht, die längst im historischen Ausmaß bei China verschuldet ist?

Als Thales von Milet vor 2602 Jahren (585 v. Chr.) als erster Mensch eine Sonnenfinsternis vorhersagen konnte, läutete dies die griechische Aufklärung ein. Die schwarze Sonne war kein schlechtes Symbol für die Wissenschaft und die Erkenntnis. Und sie bewegte König Alyattes II. von Lydien und Kyaxares II. von Medien zur Einstellung der Kampfhandlungen.

Früher hat man die Sonne mit dem menschlichen Herzen verglichen. Und wenn sich das Herz verdunkelt, war das kein gutes Zeichen. Aber für die, die jetzt in sich gehen können und für die, die wirklich an etwas glauben wäre das eine Option. Friede.

Die Sonnenfinsternis ist ein kosmisches Ereignis. Und wir sollten das endlich mal ernst nehmen. Die Erde ist ein Haufen Geröll das mit über 100.000 Stundenkilometer um die Sonne donnert und sich dabei mit 1.300 Stundenkilometer um sich selbst dreht. Ein Haufen Steine die mit kosmischer Hilfe (Schwerkraft und Magnetismus) das Wasser und die Atmosphäre bei sich behalten. Wäre an der Zeit, dass wir Menschen unsere kleinkarierten Streitigkeiten beilegen - das kann der Autor jetzt nicht ernst meinen oder? - und endlich unsere verdammte Haut retten! Denn genau das ist derzeit das einzige Thema, das wirklich von Wichtigkeit ist. Unser Planet stirbt!!

Streifschuss vom 16. August 17

 

Anlass: Hoffnung

 

Gotham – Guam

und  die Ekpyrosis

 

Jetzt ist er über 200 Tage im Amt und er wird allem gerecht, was man fürchtete. Er ist der geborene Bösewicht. Ist er verrückt? Oder einfach nur böse? Macht er es allein? Oder hat er Helfer, Hintermänner, Bannons und andere Männer die wie eine Whiskey-Marke heißen? Ist die USA gespalten? Ist Obama der rettende Engel? Wer twittert am besten?
TrUmP! Das steht für terrestrisches Ungeheuer mit Perücke. Das Monster aus Queens. Und natürlich hat ein echtes Monster auch deutsche Wurzeln. Und er ist natürlich ein Rassist und Volksverhetzer. Und was zum Teufel bedeutet covfefe?

Wir wissen nichts! Nur eines: Trump ist ein Meister der medialen Klaviatur. Er reizt die Medien ständig an und verrätselt sich. Trump ist aber nicht der Riddler. Er ist eher Butch und Ivanka ist Tabitha! Und Barbara arbeitet mit dem Riddler zusammen. Butch ist in einer parallelen Gotham-Version der Präsident und hat Oswald Cobblepot gut im Griff. Obama alias Lucias Fox twittert vergeblich. Wo ist James Gordon und wo ist Bruce Wayne? Gotham muss gereinigt werden! Kim jong un vom geheimen Rat konspiriert mit Putin und Xi Jinping, um Gotham einzuäschern. Guam, Das war nur ein Schreibfehler. Gemeint war natürlich Gotham. Kim Jong un hält nämlich Bruce Wayne gefangen und heilt ihn vom Schmerz der Welt. Wir wissen nichts. Wir sind alle nur Schafe und treiben in dieser Welt herum wie Statisten in der Fiktion.

 

Streifschuss
vom 10. August 17

 

Eine kurze Geschichte für alle, die sich für besonders groß halten

 

70 Tonnen schwer und 35 Meter hoch! Patagotitan mayorum heißt er, und lebte vor etwa 200 Millionen Jahren in einem subtropischen bis normal warmen Klima. 13 afrikanische Elefanten aufeinander gestapelt. Was für ein Gigant. Würde er an meinem Fenster vorbei gehen, würde ich hier im II. Stock gerade die Füße sehen. Ein alter Viehhirt fand seine Knochen in Patagonien. Aus einer Felsritze ragte ein Knochen heraus. Hernandez informierte den Farmbesitzer Fernando Mayo und dieser dann die Gesellschaft für Paläontologie. Man grub den alten Saurier in zwei Wochen aus und brachte die 200 Knochen nach New York, wo man dann einen extra Ausstellungssaal eröffnen musste um ihn zeigen zu können. Der Riese hat einmal gelebt. Und winzige Wesen graben ihn über 200 Millionen Jahre später aus. Stellt euch vor, in 200 Millionen Jahren graben 5 cm große Wesen eure Leiche aus den Trümmern eines alten Felsen. Dann, erst dann dürft ihr euch wirklich groß fühlen, ihr Wichte!

Streifschuss vom 09. August 17

 

Anlass: Anfang und Ende

 

Irre unter sich

 

In einem Newsletter zeigt sich die Bundesregierung besorgt über die Drohung Nordkoreas, Guam anzugreifen. "Die immer neuen nuklearen Drohungen und Drohgebärden der nordkoreanischen Führung sind eine ernsthafte Bedrohung des Friedens in der Region und weit darüber hinaus", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in der Regierungspressekonferenz. Kein Wort in dem Newsletter über Dagobert Trumps Feuer und Wut  Rede in Memoriam Truman.
Und wie einseitig das ist, erlebte ich dann in der Apotheke, wo ich heute eine Broschüre mit dem Titel „Was tun gegen Läuse“ sah.  Ich fragte die Apothekerin „kommen die Läuse zurück?“
„Und wie“, sagte sie, „keine Ahnung woher.“
„Im Mittelalter“, antwortete ich (ich war noch im Dozentenmodus) „im Mittelalter waren sie Hanfsamen groß“.
„Hanfsamengroß!“, sagte die Apothekerin erstaunt, „die sind nicht totzukriegen.“
„Ja“, sagte ich, „das ist evolutionsbiologisch erfolgreich. Die werden sogar Nordkorea überleben.“
„Und Donald Trump“, antwortete die Apothekerin schlagfertig. Wie recht sie doch hat. Für einen anständigen Krieg braucht es immer mindestens zwei. Und keiner von den beiden ist am Ende unschuldig. „Verdampft wie die verdammten Japsen in Nagasaki“, wie es in dem großartigen Film „The man who wasn’t there, einmal heißt.  Oder: Die Rückkehr der verdammten Läuse, größer als jeder vorstellbare Hanfsamen jemals sein könnte. Oder: Welche Laus ist denn Donald Trump und Kim Jong-un über die verlauste Leber gelaufen?
Oder: Was geht’s mich an? Zwei dicke Irre atomisieren die Erde. Und war das nicht etwa der Anfang von Allem? Fragen Sie doch Harald Lesch. Der weiß alles.

Streifschuss vom 28. Juni 17

 

Anlass: Gottes Plan   

 

Backe backe Revolution

 

In der Astronomie bedeutet „Revolution“ den Umlauf eines Himmelskörpers um einen anderen. Das läuft dann schön geordnet ab. Da sich die Erde aber beim Umlauf um die Sonne immer wieder auch im freien Fall befindet, also geradezu um die Sonne herum fällt, gelegentlich schwebt um dann wieder durchs All zu fallen, bedeutet der Begriff „Revolution“ auf der Erde nicht Umlauf, sondern Umsturz.

Einige Grundbedingungen für einen Umsturz müssen allerdings erfüllt werden:

  1. Der Staat hat Probleme bei der Steuer-Eintreibung. Das war in Frankreich Vorbedingung für eine Revolution. Der Staat zentralisierte sich und die Elite scharte sich um den König. Britische Aktivistengruppe Oxfam hat 2015 einen Bericht herausgegeben, in dem dargelegt wird, dass die reichsten Personen und Unternehmen weltweit 21 Billionen US-Dollar in einem globalen Netzwerk aus Steueroasen vor den Finanzbehörden der jeweiligen Staaten verstecken. In Deutschland wurde jüngst das Grundgesetz geändert. Ab jetzt werden die Steuerdaten in Berlin zentralisiert und die Länder geschwächt. Der Föderalismus wird zugunsten der Steuereinnahmen aufgegeben.
  2. Eine Krise der Staatsautorität. Die Staatsvertreter verlieren ihre Legitimation. Und da wären wir in Deutschland schon mal ganz gut dabei. Schließlich gehört es heute zum Allgemeingut unseres Wissens über den Staat, dass die Legislative sich ihre Gesetze von den Lobby-Vertretern der Wirtschaft vorschreiben lässt und zunehmend sinkt bei Wahlen die Wahlbeteiligung. Zuletzt in Frankreich auf unter 50 Prozent.
  3. Eine Krise der Wohlfahrt. Das kann auch nur gefühlt sein. Das Gefühl, dass es uns schlechter geht, als früher und es nicht besser wird in der Zukunft – wenn sich nicht „endlich“ was ändert. Auch hier erleben wir derzeit eine Wohlfahrtskrise. Die technologische Revolution erschafft eine höchst ungesunde Spaltung der Gesellschaft in Arme und ein paar Superreiche. In Deutschland verfügen gerade zehn Menschen über zwei Drittel des Bruttosozialproduktes.
  4. Wenn die Eliten sich einig sind, dann wird jeder Versuch der Rebellion selbstverständlich zurückgeschlagen. Zur Krise der Staatsautorität braucht es also noch einen Dissens der Eliten. In Frankreich war das der Fall, als der autoritäre Staat sich zentralisierte und damit den Landadel in Frankreich so schwächte, dass sie ihre Bauern nicht mehr kontrollieren konnten. Ähnlich war es in Russland. Das führte zu einem Dissens im Adel und einige Adlige stellten sich dann auf die Seite der Hungernden. Dass dem Adligen das nichts nutzte und er später trotzdem geköpft wurde, das zeigt, dass „die Revolution immer ihre eigenen Kinder frisst“. Zu diesem Dissens der Eliten muss also hinzu kommen, dass Teile der Elite mit den mittleren und unteren Schichten zusammenarbeiten. Doch das reicht immer noch nicht. Denn es braucht ein letztes wichtiges Element: die entscheidende einigende Ideologie, die verspricht, dass es dann besser wird. Wir werden sehen, wohin die Zentralisierung in Deutschland führen wird. Schon jetzt aber spürt man Unzufriedenheit bei einigen Vertretern der Elite.

Wir haben also ganz gute Voraussetzungen für eine Revolution in Deutschland: Krise bei den Steuereinnahmen, Krise der staatlichen Legitimation, Krise der Wohlfahrt und Krise der Eliten. Fast alles da. Fehlt eigentlich nur das einende Band, die passende Ideologie, die für die abtrünnigen Eliten und den frustrierten Mittelstand und die abgehängte Unterschicht gleichermaßen akzeptabel wäre. Was für ein Glück, dass da noch nichts gefunden wurde – bis – naja, bis auf eine kleine Kleinigkeit: Die Religion! Unter dem Banner Gottes können sich schließlich alle irgendwie vereinen. Gottes Gesetze sind schließlich allgemein und überirdisch gültig. Jetzt muss das christliche Abendland nur noch das muslimische Morgenland besiegen und dann kann der Papst endlich wieder seinen europäischen Gottesstaat errichten. Und so kommt der Mensch wieder in die kosmische Ordnung zurück. Im Himmel Umlauf und auf Erden Umsturz.

Oremus! lasset uns beten…

Streifschuss vom 02. Juni 17

 

Anlass: Postfaktisch

 

Wie postfaktisch ist eigentlich unsere Selbstdarstellung?

 

Interessant: Selbstdarstellungen. Zur Frage: Warum ich Dozent geworden bin:Ich mag es vor Gruppen zu stehen und habe das Gefühl, dass Menschen mir gern zuhören.“ So ein gewisser Grunwald. Könnte ich von mir auch sagen. Ich mag das inzwischen wirklich. Aber es trifft überhaupt nicht das, was passiert, wenn ich das mache, es trifft auch nicht im Entferntesten meine Absichten. Es ist im Grunde ein erbärmlicher Satz. Und ich bin Dozent geworden, weil ich was zu sagen hatte. Und immer noch habe. Ich will, ach, ich muss den Menschen etwas mitteilen. Ich weiß (und ich habe nicht nur das Gefühl), dass ich auch etwas bewirke. Und bei all dem wäre es gleichgültig, ob ich im Hyde-Park stehe oder in einem schmucken Schulgebäude. Hallo! Scheiß Werbung. Das muss doch anders gehen. Das muss doch ehrlicher möglich sein. Nicht ehrlich im Sinne von Fakten. Ehrlicher im Sinne von Gemeintem. Ja; wir leben im postfaktischen Zeitalter, blablabla. Das kann nun langsam auch keiner mehr hören. Weil sich unter der Vokabel „postfaktisch“ auch jeder vorstellen kann, was er will. Die Vokabel „postfaktisch“ ist selber postfaktisch. Für’n Arsch. Nach wie vor zählen Naturrechte. Wie verhält sich der Mensch? Ist er ein A… oder ein B…? Und was er sagt – vorsichtig Allgemeinplatz – sollte irgendwie kongruent sein. Wer brüllt „ich bin nicht aggressiv!“, von dem wissen wir, dass er aggressiv ist. Niemand würde ihm vorwerfen, dass er postfaktisch ist. So ein Scheiß! Und wenn ein Minister Gabriel sich – Heuchler, Heuchler, Heuchler – darüber beschwert, dass Trump Waffen an Saudis verkauft, dann weiß doch jeder, also wirklich jeder, dass er das vor kurzen noch selber machte. Wie bescheuert ist denn dieser Mann ohne Magen. Die meisten von uns normalen Menschen fühlen das. Sie schimpfen auf „die Politiker“, aber sie meinen im Grunde nur ein paar von ihnen. Es ist inzwischen egal. Ist der Ruf erst ruiniert… So machen sie weiter wie bisher. Und so werden wir wieder vier Jahre GroKo erleben. Und hier von Wahlbetrug zu reden – nun: Das ist ja defätistisch.

Was also will uns Herr Grunwald (den ich am Anfang erwähnte – danke – Aufmerksamkeitsspanne…für alle Trumps) wirklich sagen? Kommt in meinen Kurs. Ganz einfach. Was wollen uns Politiker sagen? Wählt uns! Ganz einfach. Argumente, Freunde, Argumente! Scheiß auf Argumente! Wer kennt die Wahrheit? Meldet euch Ihr Denunzianten! Argumente gibt es wie Sand am Meer. Und der Meeresspiegel steigt und der Sand versinkt. Bei Argumenten stellt sich also die Frage, wie nah am Strand (Sand) wir stehen. Und wem das Wasser bis zum Hals steht, der findet Argumente eher selten, und selten hilfreich. In der Folge sagt man eben vieles, damit einem nicht das Wasser ins Maul läuft. Man sagt sogar: „Ich mag es vor Gruppen zu stehen und habe das Gefühl, dass Menschen mir gern zuhören.“ Besser ist das. Besser als abzusaufen. Wer in unserer Welt nach Fakten ruft, der muss sich Fakten auch leisten können. Diese Moralhedonisten sind dabei nicht selten Opfer von Selbsttäuschungen. Werden wir wirklich aufrichtig, dann heißt das auch und oft: Sorry ich brauche einfach das Geld.

Danke für das Gespräch…oder wie Sie heißen.

 

Streifschuss vom 27. Mai 2017

Anlass: Gesetz über Personalausweise und den elektronischen Identitätsnachweis

 

 

Thomas de Maiziere liebt uns

 

Ab sofort wird bei Antrag auf einen neuen Personalausweis oder Pass die eID automatisch angeschaltet sein. Schon jetzt hat die Polizei jederzeit die Möglichkeit, auf die Daten der Meldebehörde zuzugreifen. Ab 2021darf jeder Geheimdienst automatisch auf die Daten zu greifen. Eine totale Überwachung der Bürger ist damit möglich. Die Forderung an die Meldebehörde, die eID abzuschalten muss die Meldebehörde an die zuständige Polizei melden. Öffentliche Videokameras können anhand der biometrischen Daten jederzeit Bürger identifizieren. Sollte man sich nach Ansicht eines Kamera-Auges auffällig verhalten, wird man mit Repression rechnen müssen. Der Überwachungsstaat ist damit vollzogen. Es ist ein repressives, gefährliches Regime, das nur noch in der demokratischen Maske erscheint. Das alles geschieht natürlich zu unserer aller Sicherheit. Denn die Demokratie schützt nicht mehr den Einzelnen vor der Gemeinschaft, sondern die Gemeinschaft vor dem “auffälligen Bürger“. Die Bündelung der Macht (fascies) durch die Möglichkeit, dass jeder Geheimdienst auf meine biometrischen Daten zugreifen kann, ist ein Grundrechtsverstoß gegen Artikel 2 GG, und meinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Zusätzlich gefährdet diese Vorgehensweise meine Würde. Damit verstößt der deutsche Staat auch gegen Artikel 1 GG. Weiter wird damit meine Freizügigkeit (Artikel 11 GG) eingeschränkt, weil mein Verhalten im öffentlichen Raum durch Videoüberwachung sanktioniert wird. Alles natürlich aus Gründen der inneren Sicherheit. Doch hier wird die Sicherheit zum düsteren Gesellen der Macht über uns Menschen. Sicherheit wird für die Macht zum Selbstzweck. Eine schöne Welt für Mr. O’Brian, den Spion vom Ministerium für Liebe…

 

Streifschuss vom 23. Mai 17

Anlass: Der frühe Vogel

 

Zwischen Adoleszenz und Delinquenz

 

Mit der Jugend kann ich nichts anfangen. Schon als ich selbst noch jung war, konnte ich mit meinen gleichaltrigen Jugendlichen überhaupt nichts anfangen. Das existenzielle Grundgefühl der Jugend ist die Langeweile. Und die Langeweile ist ja auch das Grundgefühl der Existenzialisten.
Mädchen fühlen sich schnell von etwas gelangweilt. Und Jungs fühlen sich schnell bei etwas gelangweilt. Zusammengenommen sind Jugendliche langweilig. So langweilig, wie die perfekte Schönheit. Sie haben nichts im Kopf außer Möglichkeiten. Und zugleich haben die Jugendlichen noch keine Praxiserfahrung, um ihre Muße erfüllend gestalten zu können. Sie sind ungeübt im Geschäft der Zerstreuung. Sie fühlen mit Wucht ihre Abhängigkeiten, ihre Unzulänglichkeiten und ihre eigene innere Leere. Die Schwärze, die Traurigkeit, der Kummer und die Verzweiflung sind die Dämonen, von denen die Jugendlichen stets belagert werden. Diese Dämonen machen die Jugendlichen wütend und delinquent. Revolutionen sind eine Sache der Jungen. Und sie sind oft voll von dieser existenziellen Traurigkeit. Der Gegenpol wäre dann der Jubel, die Freude, das Licht und die Hoffnung. Schauen wir uns einmal den Zustand dieser Welt aktuell an. Jubel, Freude, Licht, Hoffnung? Es ist der gram- und sorgenvolle Blick der Alten auf der einen Seite. Und es ist die Ignoranz der Mittleren. Von ihnen sind die Jungen gelangweilt. Während die Mittleren den Kopf voll haben mit allem möglichen Kram, ist der Kopf der Jungen leer. Die Alten tun ständig so, als wären sie Mittlere. Sie leugnen ihr Alter und wollen doch altersgemäß respektiert werden. Die Alten sind nicht mehr ernst zu nehmen. Sie sind überschminkte ruinierte Clowns. Die Mittleren sind ignorante Mitläufer oder – noch schlimmer – schmeicheln sich bei den Jungen ein. All das langweilt die Jugend. Und am schlimmsten sind die, die angeblich wissen, was die Jugend alles langweilt. Aber ich sagte schon eingangs: Ich kann mit der Jugend einfach nichts anfangen. Sie sind mir immer schon suspekt gewesen.  Was hat die Jugend als nächstes vor? Niemand weiß das!

Streifschuss vom 21. Mai 17

Anlass: Sonntagsfrage

 

Erleben wir das noch?

 

Heutzutage ist einer schon Historiker, wenn er die Tageszeitung von gestern gelesen hat und sich noch erinnert. Und da die Tageszeitung heutzutage stündlich kommt, sind wir heute Historiker, wenn wir uns erinnern können, was vor einer Stunde noch im Internet war. Es geht zu schnell. Wir wurden zu Legionären des Augenblicks. Ein planvoll handelndes Wesen aber braucht die Muße. Denn wir begreifen unser Leben nur rückwärts. Ganz einfach, weil wir ja schlecht begreifen könnten, was noch gar nicht ist. Unser Gedächtnis funktioniert fast nur noch als Erlebnis. Selektive Wahrnehmung, die nur noch auf starke Reize reagiert. So verfügen wir immer stärker über eine Erlebniskultur. Das Museum ist daher auch kein Ort mehr der Erinnerung, sondern ein Event. Ein Ereignis jagt das andere und die Erinnerung wird auf diese Weise atomisiert. Wir haben eine fragmentierte Erinnerungskultur, die uns das Alte als Erlebnis, als großes Abenteuer präsentiert. Erinnern ist nur ein Projekt. Jetzt haben die erfundenen Welten von Star Wars bis Game of Thrones oder Herr der Ringe Hochkonjunktur. Dort, in diesen Reichen der Phantasie, gibt es noch einen letzten Rest Zusammenhang. Da wirkt das Alte noch ins Neue. Aber diese Phantasie-Welten sind fast ausnahmslos Welten des Niedergangs. Das Alte steht da mit dem Rücken zur Wand und muss sich dem Projekt des Neuen erwehren. Das ist die narrative Grundsubstanz des „Fantasy-Genre“. Die Idee der Aufklärung war einmal, den Mythos zu entziffern, ihn auszuleuchten und dem Menschen auf diese Weise Freiheit zu gewähren. Aber durch die naturwissenschaftlich-technische Mobilmachung rutschte der Mythos zurück in seine Grotte. Was brauchen wir die alten Götter, haben wir doch mit Facebook, Apple und Co längst neue Götter erschaffen. Und sie erscheinen uns inzwischen so mächtig, dass Zeus und Athene ihren Platz nur noch im Comic-Strip finden. In zweihundert Jahren werden Marc Zuckerberg und Steve Jobs in Marvel-Comics verfilmt werden. Das mag ein Trost sein, vor allem wenn man daran glaubt, dass in zweihundert Jahren überhaupt noch irgendwas da sein wird, was man verfilmen könnte.

Natürlich: Es geht so nicht mehr weiter. Aber wir müssen nicht stoppen und zurückfahren. Wozu verfügen wir über diese phantastische Technik, über dieses phantastische Wissen? Nutzen wir es doch mal und biegen ab. Verlassen wir die Straße, die für jedermann sichtbar ins Nirgendwo führt und fahren wir in eine Gegend, wo noch was ist. Schwer ist das nicht. Wir haben Servolenkung. Um aber zu sehen, wo noch eine hübsche Gegend ist, in die wir fahren könnten, braucht man Muße. Etwas Beschaulichkeit, Ruhe. Und da wimmeln sie, diese acht Milliarden Infusorien… In den letzten drei Jahren haben die Chinesen so viel Zement verbaut, wie die USA im ganzen 20. Jahrhundert! Beschaulich geht anders.

Streifschuss vom 10. Mai 17

Anlass: Transport logistic – Die Leitmesse

 

Ite, missa est

 

Nahezu alle unsere Produkte, die wir konsumieren, kommen aus einer undurchschaubaren Fertigungsindustrie und werden dann an Häfen eingesammelt, verschifft, verteilt und ihre Herkunft verschleiert.  Anders wäre der Massenkonsum nicht machbar. Es gibt nur eine kleinere Gruppe Privilegierter, die sich den Luxus von Moral leisten können und von dieser kleineren Gruppe tut das nicht einmal die Hälfte dann tatsächlich. Die andere Hälfte bleibt weiter gierig und hängt die andere Hälfte ab, die dann zu Moral-Hedonisten werden. Acht Stunden in hochhakigen Schuhen stehen, acht Stunden zwanghaft lächeln und fremde Menschen ansprechen, um sie von dem neuesten Glanz dieser zweifelhaften Produkte zu überzeugen, das nennt man eine Messe. Parallel zur heiligen Messe,  gab es die Kirmes. Volksfeste, die an Feiertagen zu Ehren eines Heiligen stattfanden und in denen vom Wahrsager, Feuerschlucker bis zum Fressstand alles feil- und dargeboten wurde, was dem Volk Laune macht. Und es war das Jahr 634 als ein gewisser Dagobert I. (kein Scherz) in Saint-Denis bei Paris die historisch erste echte Messe abhielt.  Sie stand im Zusammenhang mit der Fälligkeit seiner Wechsel. Ist die Messe gelesen, ist die Schuld beglichen. Inzwischen gibt es Messen ohne Ende, von der Buchmesse bis zur Luxusmesse, oder Karrieremesse. Es wird tagelang in hochhakigen Schuhen und zwanghaft lächelnd herumgestanden und auf fremde Menschen eingeredet. Auf fremde Menschen, die oft viele Kilometer angereist sind, um sich derart anlächeln und ansprechen zu lassen. Die Fremden füllen ihre Taschen mit Prospekten und Werbegeschenken, schlagen sich die Bäuche voll mit überteuerten Junkfood-Produkten und manchmal werden hinter Paravents lukrative Geschäfte abgewickelt, Seilschaften geschmiedet, weitere Betrügereien ausgehandelt. Denn nach §64 der Gewerbeordnung sind Letztkunden nur in Ausnahmefällen zugelassen. Also das eigentliche Opfer, der zahlende Endverbraucher gelangt selten hinter diese Paravents, wo „Dinge geschehen“. Der Zuckerglanz solcher Messen verhindert, dass man den Dreck darunter wahrnimmt. Häufig treten auch Politiker bei Messen auf. Sie sind Garanten guter Geschäfte. Der Staat garantiert die Rechtssicherheit dieser Raubzüge unter seinen Untertanen. Natürlich ist das der Kapitalismus und er hat uns allen Wohlstand gebracht. Fast allen. Oder sagen wir: Einigen. Die Vorstellung auf einer Messe zu sein, angelächelt zu werden von jemand, der das muss und ich merke es nicht, weil es so gut gemacht ist. Ich muss davon ausgehen, dass 80 Prozent des Lächelns im Kapitalismus alternativ ist. Ich sollte nicht mehr so naiv sein. Freundlichkeiten mir gegenüber sind immer damit verknüpft, dass man mich ausrauben möchte, es plant, es vor hat. Man lächelt mich an, neckt mich freundlich und lässt mich dann meiner Habe beraubt im Regen stehen. Und diese Perversion nennt man dann Leistung. Und der Staat garantiert die Rechtssicherheit dieses Arrangements von Teufeln und Unterteufeln. Ein Paradies für Schlangen und Äpfel.

 

Streifschuss vom 03. Mai 17

Anlass: Ablagesystem

 

Light-Kultur

 

Nun hat ja schon nahezu jeder etwas zu Thomas De Maiziere und seinem Bedürfnis patriotischen Spinnern in den Arsch zu kriechen, etwas gesagt. Auch ein gewisser Rosenfelder von der kackbrauen WELT fühlte sich patriotisch genug, um den Minister für sehr innere Angelegenheiten, zu verteidigen. Aber selbst Herr Rosenfelder hatte dabei große Mühe. Zitat Rosenfelder: "Es sind relativ selbstverständliche demokratisch-liberale Werte, auf die man sich auch, glaube ich, guten Gewissens einigen kann."

Neulich traf ich eine Bekannte, die mir leider nicht die Hand geben konnte. Sie stützte sich nämlich auf zwei Gehstöcken ab. Meine Frage an Herrn De Maiziere lautet nun: Ist die Dame leitkulturell entschuldigt? Braucht sie einen leitkulturellen Krankenschein, der bestätigt, dass sie derzeit nur im Sitzen die Hand reichen kann? Und was ist eigentlich mit der guten alten Mönchskutte? Gilt diese als christliche Burka?

Ich möchte dem Herrn Minister gewiss nichts unterstellen und gewiss nicht übel nachreden. Manchmal machen aber Menschen seltsame Dinge. Danach stellt sich heraus, dass es dafür einen medizinischen, oft neurologischen Hintergrund gab. Das wäre tragisch und darf nicht zum Spott missbraucht werden. Also gehe ich davon aus, dass De Maiziere gesund ist.

Das Grundgesetz ist eine schöne Sache. Aber es wurde seit 1949 über 60mal geändert. Helmut Schmidt – unser Kette rauchender Altkanzler – brachte es einmal auf den Punkt: „Das Grundgesetz ist eine großartige Schrift. Der Deutsche habe nur leider einen fatalen Hang zum Basteln.“

Also halten wir uns einfach an das Gesetz. Zum Beispiel das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, das auch eine Leitkultur ist. Diese Leitkultur scheint für De Maiziere nicht so bedeutend. Gebt euch die Hand, schaut euch in die Augen und überlasst eure Daten dummdoof dem Vater Staat. Ein grenzdebiler Leviathan ist immer noch ein Leviathan. Und womöglich sogar der größere Horror.

 

Streifschuss vom 26. April 17

 

Gewalt ist immer

eine Frage der Stärke

 

Worüber eine Kriminalstatistik nichts aussagen kann, das bezieht sich auf strukturelle Gewalt, nicht sichtbare Brutalität, nebelhafte Gemeinheiten.  Subtile bürokratische Schikane die gerade denen widerfährt, die sich ohnehin schon geschwächt, angreifbar und unzulänglich fühlen. Aber nicht nur die Behörden, sondern unsere lieben Mitmenschen schikanieren uns gelegentlich, wenn wir sie lassen. Und schlimm dabei: Sie merken es oft selber nicht, dass sie es tun. Wir kennen das im Grunde alle. Es gibt Tage, an denen wir uns nicht so fühlen. Irgendwas stimmt nicht mit uns. Vielleicht ein unpassendes Kleidungsstück, ein Pickel dort, wo er nicht sein sollte, oder man fühlt sich zu dick, zu klein, zu dumm. Und genau an solchen Tagen fahren wir in der U-Bahn zur Arbeit und genau an solchen Tagen sieht uns die hübsche Brünette mit derart abschätzigem und überheblichem Blick an, dass wir einen Stich verspüren, genau zwei Finger breit unterhalb unseres Brustbeins, leicht links, mitten im Herzen. Ein Stich der richtig weh tut, der uns kränkt. Davon werden wir nicht gewalttätig. Wir erholen uns wieder und am nächsten Tag fühlen wir uns wieder. Die Brünette lächelt uns jetzt verlegen zu. Und mit geschwellter Brust lächeln wir zurück. Aber stellen Sie sich vor, sie erleben jeden Tag ein- oder zweimal einen solchen abschätzigen Blick, ein oder zwei Stiche am Tag. Ich garantiere Ihnen, dass Sie schon nach einer Woche ein erhebliches Bedürfnis verspüren, der arroganten Braunhaarigen die Augen auszukratzen. Warum? Weil wir so sind. Flüchtlinge, Migranten, Menschen die sich unsicher fühlen in einem ihnen ganz fremden Land, wo jeder weiß, wo er hin muss und was er tun muss. Und der Geflüchtete hat sich grade erst mal in Sicherheit gebracht. Dachte er. Doch weil er irgendwie anders ist, als die in Sicherheit Geborenen, fühlt er täglich diese Stiche. Es ist eher ein kleines Wunder, dass die meisten auf diese Art geplagten Menschen sich weiter zurückhalten und „zusammenreißen“. Der Arbeitslose, der sich aufgrund seiner unverschuldeten Arbeitslosigkeit nutzlos fühlt, meint, eine gesellschaftliche Last zu sein, der gelernte Germanist, der sich als Hilfsarbeiter verdingen muss und sich dafür schämt, der Hilfsarbeiter, der glaubt die Arroganz des studierten Kollegen zu spüren, was ihn wütend macht, weil er sich auch schämt. „Glaubt wohl, er ist was Besseres?“  Strukturelle Gewalt, die uns in Lebenslagen zwingt, in die wir nicht gehören, und uns so nicht mehr „zugehörig“ fühlen. Ob geflüchtet (vor einem irren Diktator) oder verjagt (vom Arbeitsplatz von habgierigen Managern), es ist egal. Es ist also nicht mal ein Problem von Ausland und Inland. Es ist ein Problem dieses Systems, das uns alle glücklich macht mit ihrer bunten Warenwelt und ihren hohlen Glücksversprechen. Und es täte uns allen gut, wenn wir uns vor Augen führten, dass diese Welt, dieses Leben nie das Versprechen geäußert hat, das von der Werbung ausgeht. Wir würden uns wieder mögen, oder zumindest wird es wieder Zeit dafür.

All das Geschwätz von den Politikern und anderen Halbgebildeten ist also in dieser Hinsicht von einer derart mich beleidigenden Dummheit und Ignoranz geprägt, dass ich Stich um Stich fühle. Ja, auch die Dummheit anderer kann einen quälen. Und den armen Politiker quält sicher der uneinsichtige Wähler, der von ihm – dem Politiker – Dinge verlangt, die einfach unmöglich sind. Als Politiker gebildet rüberzukommen, ist eine mediale Paradoxie. Frau Slomka würde das gar nicht ertragen. Verdammt! Jetzt ist der Journalist beleidigt.
Verrohung ist immer auch ein Signal misslingender Kommunikation. Und hier gilt immer schon der Grundsatz, dass die Störung der Kommunikation Vorrang gegenüber dem Inhalt hat. Denn wie wollen Sie eine Sache klären, wenn Sie sich nur noch anbrüllen? Und was verdammt wollten wir eigentlich klären?

Streifschuss vom 24. April 17

Es wird weniger geklaut, mehr gehaut

 

Laut Polizeistatistik wurde im letzten Jahr weniger gestohlen, weniger in Wohnungen eingebrochen und weniger Menschen wurden ausgeraubt. Also alles im Vergleich zum Vorjahr. Was wohl ein Trend ist, weil auch 2015 sanken die Zahlen: bei Diebstahl, Wohnungseinbruch und Raub. Der Polizeipräsident führt dies auf die Präsenzmaßnahmen zurück. Das muss man bezweifeln. Denn es ist leider auch ein Trend, dass Mord, Totschlag und Vergewaltigung deutlich angestiegen sind. Unsere Diebe sind müde und werden von unseren präsenzverstärkten Polizeibeamten auf der Flucht schneller geschnappt. Dagegen scheint den Polizeibeamten beim Hinterherlaufen nach den Dieben ganz zu entgehen, dass um die Straßenecke ein Obdachloser verprügelt wird, und in einer Seitengasse eine junge Discoqueen missbraucht.
Hier läuft vielleicht etwas grundlegend schief. Der Schutz von Leib und Leben sind in Deutschland immer noch bedeutender, als der Schutz von Eigentum. Wenn aber nun Polizeibeamte vermehrt zum Einsatz kommen, um Privatgrundstücke von Reichen zu schützen, dann fehlen sie beim Schutz des Körpers des Obdachlosen. Aber was ist schon ein Penner  gegen so eine schmucke Villa?
Oder einfach: Wird was geklaut, wird besser hingeschaut. Und wird wer geschlagen? Ach, stell jetzt keine Fragen. Schließlich geht ein erheblicher Anteil der Körperverletzungen auch auf wehrhafte Polizeibeamte zurück.

Weiter hebt die „Welt am Sonntag“ in ihrem Vorabbericht über die Polizeistatistik 2016 hervor, dass der Anteil „ausländischer Tatverdächtiger“ gestiegen sei. Von den insgesamt im vergangenen Jahr erfassten 74.888 Tatverdächtigen hatten 43 Prozent – bereinigt um Verstöße gegen Aufenthalts- und Asylgesetze – nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Das wäre ein erschreckender Anstieg von 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das heißt aber auch – bitteschön – dass 47 Prozent der Straftaten von deutschen Staatsbürgern ausgingen, 2015 sogar noch 49 Prozent mit einem deutschen Personalausweis delinquent wurden.  Somit ist die Chance von einem Zivilisierten erschlagen zu werden größer, als von einem Barbaren. Aber die Art und Weise, wie die „Welt am Sonntag“ es darstellt, hat einen sehr ekligen Beigeschmack.

Noch plakativer und ekelhafter sieht man dies

 

auf der Seite von der Bild-Zeitung

 

- wen sonst sollte man bei einer Polizeistatistik zeigen, als zwei weiße Polizisten, die einen schwarzen jungen Mann verhaften. Solche Bilder sind gefährlich.

Was überhaupt Statistiken aussagen? Keine Ahnung. Hamburg jedenfalls – so der Innensenator Andy Grote – sei sicherer geworden und das trotz eines großen Zuzugs von Flüchtlingen. Hier widerspricht die Realität der Wirklichkeit von Statistiken.
Aber das kennen wir: Die Wirklichkeit ist das, was übrig bleibt, wenn man aufgehört hat, an sie zu glauben.

Streifschuss vom 18. April 17

Anlass: Das Referendum

 

Referendum = zurücktragen

 

Trump, Erdogan, Putin. Sie alle sind gewählt vom Volk. Trump hat seine Wahl durch die Wahlmänner gewonnen und verkörpert genau genommen eine Minderheitenregierung. Erdogan hat vermutlich sein Referendum ein wenig, ein klitzekleines Bisschen, ein Pünktchen da, ein Pünktchen dort manipuliert. Putin ist schlicht alternativlos. Angela Merkel regiert nun seit zwölf Jahren. Selbst für Kaiser und Könige eine respektable Zeit. Die Bürger dieses Landes haben sie gewählt. Großbritannien hat sich per Wahl entschieden, wieder zum Merkantilismus zurückzukehren und ach, all die vielen Kreuze auf diesen vielen Wahlzetteln. Sie vermitteln einfach kein authentisches Gefühl von Demokratie. Der große Unterschied zwischen unseren modernen Plutokraten zum Absolutismus liegt in der Form der Legitimation. Das Gesetz. Vom Codex Ur-Nammu bis zur Menschenrechtserklärung haben wir nun gute 4000 Jahre hinter uns gebracht. Ca. 2000 Gesetze, 4000 Verordnungen und etwa 80000 Artikel und Paragraphen ist die stolze Summe des deutschen Bundesrechts. Jeder Artikel genormt, systematisiert, hierarchisiert und internationalisiert. Ein phantastisches Gebäude, das jeden mittelalterlichen Scholastiker vor Ehrfurcht knien lässt. Und trotzdem haben wir Trump, Erdogan und Putin. Und trotz dieser Plutokraten funktioniert die Maschine wie geölt. Sie stampft und dampft, produziert, akkumuliert und dominiert. Wir kaufen und verkaufen, bieten unsere Dienste an und werden dafür bezahlt, wir reisen durch die Welt, wir sammeln, organisieren, entdecken und erfinden was nur möglich ist und darüber hinaus sogar, was gestern noch unmöglich schien.
Erdogan – schreibt die Presse – würde die Türkei verändern. Ein Mann regiert also 80 Millionen Menschen auf einer Fläche von 800000 Quadratkilometer. Respekt. Noch einmal: Auch in der Türkei gibt es Gesetze, Verordnungen und Artikel des Rechts. Kein einzelner Mann regiert ein so großes Land. Erdogan regiert seine Helfer und die regieren ihre Helfer und die wieder ihre Helfer. Das ist genormt, systematisiert und hierarchisiert. Es nennt sich heute Demokratie. Das ist der fade Geschmack dieser Plutokratie: Wir haben sie uns selbst gemacht.

 

 

Streifschuss vom 14. April 17

 

Anlass: Orientierungslose Heimleiter

 

Immer mehr Altenheime setzen bei an Demenz erkrankten Menschen mit einer Weglauftendenz technische Überwachungssysteme ein. Der alte Mensch bekommt ein GPS-Bändchen ums Handgelenk und kann sich so vermeintlich freier bewegen.  Es ist ein eklatanter Verstoß gegen das Recht, sich frei zu entfalten und ein eklatanter Verstoß gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung (GG Artikel 2), und auch noch ein hanebüchener Widerspruch. Entweder ich bin unfähig, mich alleine draußen zu bewegen, dann bedarf ich des Schutzes, oder ich kann es, dann bin ich darin frei. Solche technischen Überwachungssysteme sind zudem ein Dehumanisierungs-Narrativ. Bald werden Behinderte GPS-Bändchen tragen, dann Alkoholiker, Herzkranke und am Ende wird es bei Neugeburt automatisch implantiert. Niemand sollte also seine eigenen Eltern so behandeln, wie er seinen Hund behandelt. Wobei – zugegeben – manche Haustiere es schon besser haben, als verarmte alte Menschen mit Demenz, wenn sie in ein städtisches Altenheim eingeliefert werden und – dem Tode geweiht – pflegerisch und betreuerisch vernachlässigt werden. So manches am Stadtrand neben dem Pestfriedhof gelegenes ummauertes Altenheim wird von Dr. Frankenstein als Heimleiter geführt. Der moderne Prometheus? Ein alter an Demenz erkrankter Mensch, der verwirrt durch die Straßen läuft. Aber man weiß ja wo er ist, dank des GPS-Bändchens und der smarten Überwachungstechnik. Der Pflegenotstand allein kann nicht als Entschuldigung dienen, für das mangelnde Rechtsbewusstsein in dieser Branche. Auch wenn die Not erfinderisch macht, gilt immer noch der Grundsatz: Handle stets so, dass dein Handeln zur Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung dienen kann. In diesem Sinne sollte man Dr. Frankenstein ebenfalls mit einem GPS-Sender ausstatten und ihn genauso überwachen.

 

Streifschuss

vom 10. April 2017

 

Anlass: Keimzellen-Phobie

 

Wurst – ein Plädoyer

 

Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft.  Und diese Gesellschaft ist bis zu den Wurzeln ihrer Genitalien verdorben. Ist sie doch der Stabilitas loci unseres drohenden Ökozids.Wer jedoch alleine lebt ist für alles auch alleine zuständig. Wohnung putzen, Einkaufen, kochen, Wäsche waschen, Miete zahlen, auf den Stromableser warten, die Post empfangen, und vieles mehr. Der Single ist ein Heiliger! Arbeitsteilig wäre das meiste davon nur in der Hälfte der Zeit zu schaffen. Eine gut organisierte Familie kann so durch Arbeitsteilung viel Zeit für sich selbst heraus arbeiten. Und Zeit ist genau das, was uns immer mehr fehlt. Die Familie beraubt uns damit.  Nun lebt aber jeder fünfte Deutsche allein. Wenn man allein lebt und auch noch selbstständig ist, dann wird es nahezu unmöglich nachhaltig zu wirtschaften. Die Bürokratie und die täglichen Pflichten binden alle Ressourcen. Man denkt nur noch ans Morgen und so wird aus der täglichen Mahlzeit fast Food. Für sich selbst kocht man nur noch selten, was nicht dafür spricht, dass der Single so narzisstisch ist, wie man immer behauptet. Eher sorgt er sich um sich selbst gar nicht mehr. Sind wir allein, nimmt der Selbstwert proportional zu den Tagen die man alleine ist, ab. Am Ende steht nicht etwa der Narzissmus, sondern die Selbst-Ignoranz. Dass diese Zerstörer auch ungesellig werden, liegt nicht an ihrer Selbstüberschätzung, sondern an ihrer Selbst-Erniedrigung. Deprivation ist die Folge. Der mangelnde Gemeinsinn einer Gesellschaft die immerhin ein Fünftel der Gesamtmenge ausmacht, ist spürbar. Sie sind Rousseau‘ s schöne Wilde des 21. Jahrhunderts. Jede Regel wird für diese Wilden zur Herausforderung. Mülltrennung? Keine Zeit. Bewusst einkaufen? Keine Zeit. Schon eine Wurstverpackung aufreißen zu müssen bindet unnötige Ressourcen. Aber noch schlimmer wird es, wenn die Wurst auch noch ungeschnitten vorliegt. Daher kauft der zeitbewusste Single seine Hartwurst in Scheiben verpackt, sein Schweineschinken ist bereits hauchzart vorgeschnitten und mit Duftstoffen de luxe angereichert. Angenommen er wäre gezwungen, auf den Markt zu gehen, oder eine Autofahrt zu einem Ökobauern in Kauf zu nehmen, dann würde er einmal Zeit verschleudern und zweimal Energie. Der Alleinstehende ist hochgradig effizient. Er ist das digitale Supermonster des 21. Jahrhunderts und es gibt keinen Grund, ihm die Zukunft zu verweigern.Wäre da nicht die Natur! Und diese vermaledeite Natur ist überhaupt nicht effizient. Sie ist verschwenderisch.  Bis zum Ökozid...

Klassiker

 

Nummer 2 vom 23. März 2008

(wegen Ostern und persönlicher Wut vorverlegt)

 

Lindt- Schokoei Nr. 49

 

Trotzdem Ostern dieses Jahr früher stattfand, werde ich auf unseren "Papst Benefiz" schimpfen mit seiner unseligen Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte. Der jüdische Glaube möchte sich nun mal nicht zu einem zu Propagandazwecken erfundenen sadomasochistischen Pseudomärtyrer bekennen. Das Ostereier suchen wurde übrigens von pädophilen Priestern eingeführt, um leichter an die Kinder ran zu kommen - :-)) nein, das hab ich jetzt erfunden.

Eine ganz andere Wahrheit zu Ostern fand ich auf der Suche nach der tatsächlichen Herkunft der Ostereier legenden Hasen. Weder in Roms Katakomben, noch im augustinischen Gottesstaat kommt die Sprache auf jenes degenerierte Schokoladentier, das viele Stadtkinder für die bunten hart gekochten Eier verantwortlich zeichnen.

Daher meine Suche nach der tieferen Wahrheit - schließlich bin ich ja selbst lange Jahre auf

Nestsuche gegangen -. Mein Ergebnis? Ich fands in der Mathematik! Die "Gaußsche Osterformel" sagt uns alles über Ostern! Und hängt Gauß nicht in der Walhalla? Eben! Wenn wir schon von Märtyrern sprechen.

Hier aber die Osterformel (verkürzt): ostern = 22 + d + e

Ausnahmen: I. Falls d + e = 35, dann ostern = 50.

II. Falls d = 28 und e = 6 und (11*M + 11) mod 30 < 19, dann ostern = 49.

Also!!! Ostern = 49, dieses Jahr zumindest, da es ja ein Ausnahmeostern ist, weil so früh war

Ostern schon lang nicht mehr.

Neulich hörte ich diesen Herrn Lütz im Radio, der die "kleine Geschichte Gottes" geschrieben und das Buch 100.000-mal verkauft hat (nicht an mich), und er sprach tatsächlich von Aufklärung! Das Christentum müsse aufklären!? Ich weiß nicht. Spinn ich? Würde sich I. Kant nicht im Grabe umdrehen? Grade im Zusammenhang mit der Wiedereinführung der Karfreitagsfürbitte, grade dann, wenn man mal genauer schaut, was die katholische Kirche immer noch so drauf hat, und drauf haut, ist es eine Bewusstseinsverklitterung sondergleichen, wenn ein dahergelaufener Psychiater (auch noch Psychiater!!) mit dem Christentum aufklären will. Was will er denn tun? Für die Vernunft beten? Also das macht mich wütend!! Ostern = 49.

In tiefer Demut - denn manchmal kann man nur noch mit satirischer Fassungslosigkeit reagieren.

 

 

 
   

Streifschuss vom 03. April 17

 

Anlass: ist das da der gute Onkel?

 

 

 

Sie hocken in ihren Palästen und riechen schlecht – Despoten sind Scheiße

 

Ich hatte Lust auf eine Falafel und unterhielt mich mit dem Verkäufer, fragte ihn, ob er am 16. April wählen ginge. Er antwortete, es sei zu gefährlich, er sei weder für ja noch für nein. „Erdogan wie Saddam“, sagte er. Aber auch die Gülen-Bewegung hielt mein Falafel-Verkäufer für gefährlich. „Zu gefährlich“, für Türken in Deutschland. Nur einer redete mit mir, die anderen beiden Verkäufer schwiegen und drehten sich weg. Und längst hat die deutsche Administration ihr Verhalten gegenüber der Türkei darauf eingestellt, dass sie es mit einer Diktatur zu tun haben. Der Außenminister Gabriel erhielt von seinem Amtskollegen Cavusoglu per „Verbalnote“ die Bestätigung, dass deutsche Konsulatsmitarbeiter den zu Unrecht inhaftierten Journalisten Denis Yücel besuchen dürfen und sich persönlich erkundigen können, ob es ihm noch gut geht. Herr Gabriel dankt seinem Amtskollegen daher ausdrücklich für seinen Einsatz in Ankara. Das ist düster.

Wenn am 16. April in Deutschland Millionen Türken wählen gehen, dann könnten sie mit ihrer Wahl auch die Todesstrafe in der Türkei einführen. Eine Barbarei, die – zugegeben – auch in so genannten demokratischen Staaten (wie USA) noch nicht überwunden ist. Alles redet nur über diesen Erdogan. Dass aber Millionen Türken die Todesstrafe wählen gehen, das ist kaum eine Notiz wert. In einer „Verbalnote“ wird dem Konsulat Zugang zu einem inhaftierten Journalisten gewährt. Und man freut sich. Ja Himmel! Ich will gar nicht wissen, was am 16. April los sein wird. Ich werde vorher auf Vorrat einkaufen und um die Osterfeiertage das Haus nicht verlassen. Ich habe keine Lust, zwischen Gülen und Erdogan in der U-Bahn zu sitzen. Ich will zwischen Mustafa und Ayça sitzen.  Was gehen uns - Mustafa, Ayça und Bernhard - schon Gülen und Erdogan an? Wir fahren mit der U-Bahn ins Grüne. Und die Todesstrafe? Das ist doch Mittelalter, Erdogan, Trump, Xi Jinping und andere von gestern. Fahren die mit der U-Bahn ins Grüne? Nie. Essen die Falafel? Sicher nicht. Stehen die in München-Sendling in einem heißen Laden und braten Döner? Sicher nicht. Das macht mich wütend.

Streifschuss vom 30. März 17

 

Anlass: Pulse of europe

 

Europa für Anfänger

 

Für alle Nationalisten und Europagegner, für alle, die den unsinnigen Slogan von „Deutschland als Zahlmeister Europas“ aus ihrer faschistoiden Lunge speien, sei ein ökonomisches Lehrstück ans Herz gelegt, das aus der guten alten Literatur stammt. In Monterrey lebte ein Chinese namens Lee. Er führte dort einen allseits beliebten Krämerladen. Darin erkennt man ja schon die Deutschland-Allegorie. Nun bekam dieser Chinese Lee Besuch von einem bei ihm hoch verschuldeten Familienvater. Also Griechenland. Der Familienvater Mr. Abbeville schlug Lee einen Deal vor. Da Abbeville nicht wollte, dass sogar noch seine Kinder bei Lee verschuldet seien, übermachte Abbeville dem Chinesen sein Haus, um so seine Schulden zu tilgen. Lee schlug ein. Abbeville ging danach nach Hause und schoss sich eine große Ladung Schrot in den Mund. Lee war natürlich sehr traurig. Er hätte ihm gerne so geholfen, dass das nicht nötig gewesen wäre. Lee besah sich nun das Haus von Abbeville, aber er wusste nicht, was er mit dem Haus anstellen sollte. Am folgenden Tag besuchte ihn Mack in seinem Laden. Mack hatte von dem leer stehenden Haus von Abbeville gehört und schlug Lee vor, Mack und seine Jungs (eine Bande Landstreicher) könnten doch in das Haus einziehen und es vor Vandalismus und Brandstiftung schützen. Lee überlegte eine Zeitlang, besah sich die Vor- und Nachteile, sagte dann: „Gerne, aber zahlt ihr auch Miete?“
„Aber klar“, sagte Mack und grinste.
Lee wusste natürlich, dass Mack nie Miete zahlen würde, aber dennoch sah Lee jetzt viele Vorteile. Er verlangte fünf Dollar Miete und Mack schlug ein.
Der Vorteil lag auf der Hand. Obwohl Lee nie einen Cent Miete zu sehen bekam, hörten Mack und seine Jungs auf, in Lees Laden Vorräte zu stehlen. Sie machten das jetzt weiter drüben in Salinas. Und so sparte sich Lee weit mehr, als die Miete je einbringen würde. Er war sehr zufrieden mit seinem Deal.
Sehen Sie? Das ist der Türkendeal über die Flüchtlinge. Und so zeigt uns diese Parabel aus einem kleinen Fischerdorf, dass es möglich ist, gute Geschäfte zu machen, ohne Raub, Diebstahl, Plünderei, Mord und Totschlag. Den Nationalisten und Europagegnern aller Orten sei dieses kleine Lehrstück hiermit ans Herz gelegt.

Streifschuss vom 21. März 17

 

Anlass: Die Falschen reißen die Klappe auf

 

Populär bedeutet:

„Ohne Fachwissen verständlich“ (Duden)

 

Ausgerechnet die, denen ich selbst gerne Redeverbot erteilen würde, erteilen nun in einer Tour wirkungslose Redeverbote an Erdogan. Volker Bouffier – der schwarze Sherriff  aus Hessen, dem Bürgerrechte an seinem rechten Gluteus vorbeigehen sieht eine rote Linie überschritten, und findet, dass Erdogan unerwünscht sei. In meinen Augen ist Bouffier echt unerwünscht. Ein Mann, der für Folter und Abschiebung steht! Der darf nicht über meine Bürgerrechte in diesem Land reden! Oder Julia Klöckner von Notre Dame, diese grinsende überschminkte Weinkönigin, Abtreibungsgegnerin und Gegnerin von gleichgeschlechtlichen Ehen findet es ungeheuerlich und fragt sich, ob dieser Erdogan noch bei Sinnen sei. Ausgerechnet diese Helga von Sinnen der CDU! Mir wird schlecht, wenn hier Politiker wie Hardcore-Nationalisten auftreten, weil ein türkischer Despot sie vorher als Nazis beschimpfte. Quod erat demonstrandum müsste man da wohl leider sagen. Oder diese Karrenbauerin aus dem hintersten Saarland, wo Erdogan eh nicht hinwill, die sowieso. Eine Politikerin, die Homosexualität mit Inzest vergleicht, die sollte bitteschön stille schweigen, wenn es um Despotie und Nazi-Vorwürfe geht. 
Also ausgerechnet die, die Erdogan auch meint, wenn er von „Nazi-Methoden“ spricht, werden nun besonders laut. Wie blöd muss man sein, in so eine Falle zu laufen? Oder ist das Programm? Man hat schon den Eindruck, dass Leute wie Bouffier, Karrenbauer und Klöckner glücklich sind über die Entgleisungen aus Ankara. Und das stimmt mich sehr bedenklich. Wir brauchen auch in Deutschland keine Populisten. Die AFD trägt hier wirklich Eulen nach Athen.

Streifschuss vom 12. März 17

 

Anlass: Nationale Imponderabilität

 

Die Ereignisse in Holland zeigen, dass das Stichwort „Globalisierung“ ausschließlich ökonomischer Natur ist. Eine Form der politischen Globalisierung scheint es nicht zu geben, da herrscht immer noch der schnöde Nationalstaat. Warum soll ein türkischer Minister nicht in einem anderen Land reden, wenn dort ein nicht unerheblicher Teil seiner potentiellen Wähler lebt? Weil er Inhalte verbreitet, die dem Land in dem er redet zuwider handeln. Die Schwäche Europas wird hier allzu offenbar. Der Grünen-Politiker Özdemir empfahl Wahlkampfreden in der Türkei. Aber in der Türkei leben leider kaum potentielle Wähler. Daher ist diese Forderung absurd. Aber er könnte ja als Gastredner der Opposition auftreten. Damit muss sich ein Land abfinden. Wenn wir Nationalismus und Rassismus bekämpfen wollen, dann ist das kein auf nationaler Ebene stattfindender Kampf. Eine nationalistische, rassistische Rede zu verbieten, sollte nicht national begründet sein, sondern international. Egal in welchem Land Erdogan redet: Er ist ein Autokrat. Darum geht es in erster Linie. Europa sollte schleunigst darüber nachdenken, ein Redeverbot in ganz Europa auszusprechen. Aber dann würde man den kranken Mann vom Bosporus ganz verlieren. Und hier schlägt wieder die ökonomische Seite der Globalisierung zu. Politik und Ökonomie sind auseinander getriftet. Und die dadurch entstandene Lücke wird derzeit von Autokraten gefüllt. So einfach und so wahr. Und hier zeigt sich, dass die universale Idee der Menschenrechte eben nicht national gelebt werden kann. Inseln sind immer isoliert. Und der Ökonom besitzt ein Schiff.
 

Streifschuss vom 05. März 2017

 

Anlass:  Erdogan? Kanitverstan

 

Wenn Großmeister Erdogan Deutschland provoziert, dann sollte uns immer klar sein, dass das auch innenpolitische Manöver von ihm sind. Um von den Problemen im eigenen Land abzulenken und die Türken zu einer verschworenen Gemeinschaft zu machen, braucht es im Außen einen Feind. Und mal ehrlich: Deutschland ist doch ein herrliches Feindbild. Das haben wir (also unsere Vorfahren) uns (also sie, die äh, Naaaziiis, er da oben) selbst eingebrockt. Aber jetzt? Ist Deutschland nicht ein herrlich demokratisches Paradies? Im Grunde muss man Erdogan lieben. Was habe ich mich gefreut, als er diesen leptosomen Fernseh-Hipster Böhmermann geböhmert hat. Ehrlich! Böhmermann hätte man schon allein wegen Missbrauch der GEZ-Gebühren einlochen müssen.

Dennoch hört sich Darth Erdogan schon manchmal so an, als warte er nur darauf, dass entweder Deutschland ihm den Krieg erklärt, oder er endlich mobilisieren kann.  Wann wird wer zurückschießen? Hilft uns dann die NATO?
Jetzt ist eine besonnene und klare Kommunikation in der Außenpolitik gefragt. Vor allem füttern so Aussagen wie die Jüngste, es seien „Nazi-Methoden“, wenn türkische Politiker in Deutschland nicht reden dürfen, die Rassisten in Deutschland. Da sieht man ja gleich, dass Erdogan viel Ahnung von Geschichte hat. In der Weimarer Republik hatten die Nazis Redeverbot. Erst dieses Redeverbot hat doch das Buch von dem da oben ermöglicht. Er konnte nicht reden, also schrieb er es auf. Also um Gottes Willen lasst Erdogan reden, bevor er noch auf Ideen kommt. Dass Erdogan ein Despot ist, das muss man nicht erklären. Gefährlich ist, dass in Deutschland weiter Rassisten ihr Unwesen treiben und die sind bekanntlich leicht zu provozieren. Solche Äußerungen von Erdogan heizen auf, stacheln an. Das ist Despoten-Art. Gerade dann, wenn sie sich auf dem Despoten-Stuhl noch etwas unsicher fühlen.

Andererseits ist auch von deutscher Seite Demut angesagt. Nicht zuletzt der Anwerbevertrag des Adenauerkabinetts III im Jahr 1961 verhalf Deutschland zu seinem Wirtschaftswunder mit verbessertem Sozialsystem. Schon durch diese Verzahnung wird deutlich, wie obsolet inzwischen nationale Politik ist. Und die EU hilft da auch nicht weiter. Deutschland muss mit der Türkei wohl leben. Das bedeutet: Kein Redeverbot in Deutschland, aber genaue Beobachtung der Inhalte. Sollten türkische Politiker verfassungsfeindliche Äußerungen tätigen, dann kann man eingreifen. Ein Einreiseverbot für Erdogan? Juristisch wäre es möglich. Aber die Staatsräson verbietet es. So einfach ist das. Der Rechtsstaat sollte bleiben und einfach ein Redeverbot auszuteilen, das ist nicht angesagt und auch nicht im Sinne eines Rechtsstaates. Aber mal abgesehen davon: Das Versammlungsrecht regelt das in Deutschland eindeutig. So können auch Sicherheitsbedenken (wie in Gaggenau ja geschehen) als Argument gelten, die Versammlung zu untersagen oder zumindest einzuschränken. – auch bei Privatveranstaltungen gilt das nach OVG. Daher ist es völlig in Ordnung, wenn zuständige Verwaltungsangestellte die vorhandenen Rechtsmittel ausschöpfen. Und dann. Der Wahlkampf ist ja bald vorbei. Und dann wird hier in Deutschland kräftig geschulzt. Leistung lohnt sich dann wieder und unsere Kapitalisten fliehen auf Schlauchbooten Richtung Bahamas. Unterwegs treffen sie dann ein paar Flüchtlinge, die in die andere Richtung unterwegs sind. Das nennt man Globalisierung.

Nun: Erdogan ist natürlich kein Verfassungsrechtler. Er ist ein Wohltäter, ein Heiliger. Und die setzen das Recht natürlich außer Kraft.  Stellen Sie sich vor, die Römer hätten die Bergpredigt einfach aus Sicherheitsgründen untersagt. Da wäre uns einiges erspart geblieben.  Niemand müsste dann mehr die andere Wange hinhalten und Salz wäre einfach nur Salz und ein Kamel einfach ein Kamel. Aber es kam ja anders…

Streifschuss vom 01. März 17

Anlass: Wie immer

 

BUMM BUMM BÄNG BÄNG

 

Es ist so viel Wiederholung drin, Leben ist eine einzige große Redundanz. Aufstehen, schlafen gehen, Kaffee kochen, Kaffee trinken, essen, pissen, scheißen wieder essen und wieder scheißen, sich waschen, abtrocknen, ausziehen und wieder anziehen, schlafen, aufstehen, anziehen, Kaffee kochen, Tabletten schlucken, Wohnung putzen, wieder dreckig machen, wieder putzen. Wenn ich mir auf Phönix alte Nachrichten anschaue, bekomme ich schon gar nicht mehr mit, dass diese Nachrichten alt sind. Ich wundere mich nur, wie gut sich der Nachrichtensprecher all die Jahre gehalten hat. Ich glaube, die meisten Leute wählen nur deshalb einen Diktator zum Präsidenten ihres Landes, weil sie alte Nachrichten gesehen haben und sie für die neuen hielten. Von wegen Fake-News, es sind die immer wieder gleichen, alten Nachrichten. Seit Jahrzehnten geht die Welt unter. Seit Jahrzehnten verarmen wir, seit Jahrzehnten schmelzen die Gletscher vor sich hin. Ich wusste gar nicht, dass es so viel Gletscher gibt, der da schmelzen kann. Merkel? Seit wie lange regiert die schon? Das ist doch eine Diktatur, wenn einer so lange dran ist. Das einzige was sich spürbar nachhaltig verschlechtert, das ist der öffentliche Nahverkehr. Sogar die Ägypter (die Deutschland so lieben), sagen, dass die deutsche Pünktlichkeit nachgelassen hat. Aber die meisten kriegen das gar nicht mit, weil sie die U-Bahn genauso verwechseln wie die Nachrichten. So stehen wir in der immer gleichen, alten U-Bahn, gucken auf dem Screen die immer gleichen, alten Nachrichten und machen den immer gleichen, alten Job. Da ist der Tod schon eine große Überraschung.

 

Streifschuss vom 25. Februar 17

Anlass: Lesestärke

 

Druckfehler sind auch  Politik

 

Wenn man für 20 Euro ein Buch kauft, bei einem bekannten Verlag wie zum Beispiel dem Hanser-Verlag, dann erwartet man schon auch ein druckfehlerfreies Buch. Leider kommt das immer seltener vor. Zuletzt wieder einmal in einem Buch des Hanser-Verlags, wo während eines Dialogs ein heilloses Durcheinander der Figuren entweder dadurch entstand, dass der Autor Ire ist und daher ständig besoffen, oder der Verlag nur noch aus Controllern besteht, und Controller naturgemäß nur Zahlen lesen können. Einsparungen an der Qualität des Textes und viel Geld für ein sinnlos heraus gemotztes Farbcover. Langsam entnervt mich der Literaturmarkt und macht mich immer unzufriedener. Schlechte Romane werden durch farbige Cover mit Modells drauf verkauft. Und immer mehr Leser verhalten sich wie die Verlagscontroller, es fällt ihnen kaum noch auf, dass sie Scheiße fressen. Das ist eben das Ärgerliche am Kapitalismus. Ein paar Leute werden reich und der Großteil bleibt sein Leben lang Konsument.

Apropos Konsum! Das neue IKEA-Regal mit Bart aus der SPD ist ebenfalls voller Druckfehler und lediglich eine Erfindung von den SPD-Controllern. Macht euch nichts vor!

 

Es sprach einmal ein Mann aus Aachen     

In ganz, ganz vielen Sprachen

Jetzt würde diese Welt gerecht

Und niemand lebte jetzt mehr schlecht

Das brachte uns zum würselachen

 

Fake-News sind auch bloß Druckfehler. Sie sind das Ergebnis einer ausgeprägten Alexie.

Ja, beim Barte des Propheten! So sei es.

 

 

Streifschuss vom

18. Februar 17

 

Anlass: Hänsel und Gretel oder: Europa im Hexenofen

 

Finsternis ist gut. Das ist Macht. Es kann uns nur helfen, wenn sie - gemeint sind Liberale und Fortschrittliche - uns missverstehen. Wenn sie blind dafür sind, wer wir sind und was wir tun. Stephen Bannon Chefberater von Donald Trump

 

Mike Pence betont seine Treue zur NATO. Mann, da können wir ja alle froh sein, dass ein Mann, der gegen Gleichberechtigung ist, der ein überzeugter Kreationist ist und die Evolutionsbiologie ablehnt und auch nicht daran glaubt, dass die globale Erderwärmung durch uns Menschen verursacht ist, dass so ein Mann seine Treue zur NATO schwört. Ich sag’s mal so: Entweder sind europäische Politiker verträumte Trottel, oder die NATO ist gar nicht das, wofür sie sich ausgibt. Das Transatlantische Bündnis ist offiziell für demokratische Werte. Und Gleichberechtigung gehört – so habe ich mal gelesen – dazu. Im Grundgesetz steht das bei uns in Artikel 3. Den lehnt Herr Pence schon mal ab. Ein homophober, geistig verwirrter ehemaliger Talkshow-Master betont also nun seine Treue zur NATO. Nun denn! Holen wir die Iphigenie aus Tauris raus. Befreien wir die Krim. Da sitzen ja auch eine Menge homophober Verrückter rum, Menschenfresser, Kolaborateure und andere Verbündete.

 

Streifschuss vom 12. 02. 17

 

Nehmen Sie die Wahl an?

 

 

 

Das Deutsche Reich hat seinen verdienten Präsidenten.

 

Frankie war Geheimdienstkoordinator, lehnt die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern ab und sorgte für Aufsehen, als ihm Murat Kurnaz‘ Schicksal gleichgültig war. Dass er ein gutes Viertel seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat weist ihn als großen Politiker aus und als Mitarbeiter der NSA (Operation Eikonal) hat er sich auch schon bewährt. Kurz: Frankie ist der Mann zum richtigen Zeitpunkt. Ein angepasster Technokrat, der alle seine Ideale abgelegt hat und ohne eigene Inhalte auch die Rolle des Präsidenten eines Landes ausfüllen kann, das auch keine eigenen Inhalte mehr hat. So geht es also inhaltslos weiter. Alle vor der Wahl befragten Kollegen und Freunde von Frankie halten ihn für einen großartigen Präsidenten. Er ist in der Tat der größte Präsident, den das Land je gesehen hat. Er ist größer als Trump und größer als Putin, er ist größer als Erdogan und er wird auch ganz klar die letztgenannten überragen. Denn Frankie hat auf nichts einen Einfluss, deswegen – so Herr Laschet bei Phönix- haben wir ihn auch gewählt. Der neue Präsident des Deutschen Reiches wird viel unterschreiben und viel reden. Ähnlich wie der Präsident des großen Amerikanischen Reiches der viele De- und viele Sekrete absondert. Die Söhne Trumps sind gemeinsam mit Putin auf der Elefantenjagd und Erdogan erschießt derweil for a few german Euros more Flüchtlinge. Und Frankie wird mit wehender Krawatte im Spotlicht stehen, während Herr Deppendorf dran bleibt.

Ein Präsident, gewählt vom Dschungelcamp - Joghurt Löw, Petra Maffay, Harpune Kerkeling und Veronika Ferrkel. Halt nein. Alle vier waren die 14 ungültigen Stimmen. Die Nummer Zwölf mit 931 Stimmen ist die neue Nummer Eins. Er soll Spinnen fressen zum Frühstück...

Streifschuss vom 04. Februar 2017

Anlass:  Die Wunderwaffe der SPD

 

Faust meets Schulz

 

„Es geht in diesem Staat nicht gerecht zu!“ Mit solchen Sätzen steigert Martin Schulz – der neue Heilsbringer der SPD – gerade seine Populismuswerte. Wobei Sie aus diesem Satz getrost den bestimmten Artikel streichen können. Denn mal ehrlich, liebe Volksgenossen: Finden Sie auch nur einen Staat auf dieser Erde, in dem es gerecht zugeht! Top! Die Wette gilt. Auch der Zeitpunkt ist großartig gewählt. Allmählich wärmt sich Deutschland für den Karneval auf und schon beginnt der sozialdemokratische Mummenschanz! Denkt nicht, ihr seid in deutschen Grenzen / Von Teufels-, Narren- und Totentänzen; / Ein heitres Fest erwartet euch.

Und so stellt sich die große Frage, kann Martin Schulz den Drachen reiten und als Pluto  des Herolds Stab übernehmen? Nun wird sich gleich ein Greuliches eräugnen, hartnäckig wird es Welt und Nachwelt leugnen: Du schreib es treulich in dein Protokoll.  Wird Martin Schulz die Lobbyisten von den Feuertöpfen der Gier vertreiben können? Steuern für Reiche, erschwingliche Mietpreise in Deutschlands Großstädten, gute Arbeit für „hart arbeitende Menschen“.

Seht hier, o hin! Wie’s reichlich quillt, die Kiste bis zum Rande füllt. – Gefäße, goldne, schmelzen sich, gemünzte Rollen wälzen sich. – Dukaten hüpfen wie geprägt, O wie mir das den Busen regt - Man muss sehr, sehr blauäugig sein, um dem Geschrei der Menge zu folgen.

Mich wundert ehrlich, dass nicht allen davon übel wird. Aber sie müssen es wohl selbst herausfinden:

Es ist ja nur ein Maskenspaß. Heut abend wird nicht mehr begehrt; glaubt ihr, man geb euch Gold und Wert? Sind doch für euch in diesem Spiel Selbst Rechenpfennige zu viel.

Und wir wissen: Die Zeit wird Herr - Am Ende ist es so gut als wär es nicht gewesen.

Wirklich erschütternd ist der unerschütterliche Glaube von uns Menschen an den Menschen. Und in der Tat: Ich schäme mich ein wenig für meinen Defätismus an dieser Stelle. Leider, das Glauben fiel mir immer schon sehr schwer. Das ist ein Defizit, vielleicht einfach eine hormonelle Erschöpfung, erste Altersflecken auf meinem gezeichneten Gemüt. So ist es mir eigentlich egal, welche Mittel Herr Schulz einsetzt. Hauptsache Wechsel. Endlich mal wieder ein anderer, ein zumindest sprachlich sozialerer Wind in diesem Haifischbecken aus Spekulanten, Hedgefondmanagern, Waffenproduzenten und Lobbyisten.

"Es ist ein extremes Land, mit großen regionalen Unterschieden in der Kultur, in der Landschaft, in der Küche. Auch die Bandbreite zwischen wunderbaren Menschen und Vollidioten scheint mir nirgendwo größer." - Vincent Klink, über Deutschland, Geo Saison, 7/2006, S. 24

sorry Herr Klink:  wunderbare Menschen und Vollidioten gibt es in jedem Land, da hat Deutschland nicht das Privileg dafür...

 

Streifschuss vom 26. Januar 17

Anlass: Die Verschwörung der Idioten (Kunze ist auch schon alt)

 

Dieses ganze Leid, diese Morde, Folterungen, Kriege, die um die Religion oder eine Nation seit es sie gibt geführt wurden, und das alles, um seinen persönlichen Gott oder sein Land zu verteidigen, den / oder das es ohnehin nicht gibt, der eine Story ist, wie jede andere, oft sogar miserabel erzählt -  ich verstehe es nicht. Dafür haben wir als Ersatz Smartphones, V8-Motoren, und Porno-Webcams. Smartphones, V8-Motoren und Porno-Webcams: um es in unserem Gefängnis (aus Religion und Nation) auszuhalten.Denn das ist ja unser Leben. Eltern, Sprache, Kultur, Biologie wurde uns aufgezwungen. Treffen wir eine Entscheidung, müssen wir das ganze Leben mit dieser Entscheidung verbringen. Sie ist nicht mehr rückgängig zu machen. Jeder, der einmal geheiratet hat, weiß das. Die Welt ist ein Scheusal, die mit ihren bunten Blümchen alles nur noch grotesker macht. Und zu aller Schmach hängen wir alle - egal wie unglücklich wir sind -  wie Kletten an diesem Leben. Wer sich die Pulsadern aufschneidet, der tut dies meist nur aus Notwehr. Also. So sehr die Religion eine frei erfundene Lüge ist, so sehr Smartphones , V8-Motoren und Porno-Webcams uns unbefriedigt zurücklassen, was sollen wir tun? Und da kommt Freud und sagt: Sei nicht so hysterisch. Du bist einfach so unglücklich wie jeder andere auch. Lebe damit, und stell dich nicht so an. Ein kokainsüchtiger Wiener, der an seiner Zigarre hing wie an einer Mutterbrust! Der hat halt studiert und dann eine zauberhafte Geschäftsidee gehabt. Ansonsten gibt es noch Pillen und Drogen aller Art. So sind wir Menschen: pflücken all die bunten Blumen von der Erde, bis sie aussieht wie der Mond, hinter dem die meisten Menschen leben.  Jetzt sind viele Menschen böse auf mich, wenn ich sage, dass es doch eine erfreuliche Nachricht ist, wenn wir hören, dass das Leben eine Art Schnupfen ist, der vorübergeht. Sieben Tage kommt er, sieben Tage bleibt er, sieben Tage geht er. Das Leben: dreißig Jahre kommt es, dreißig Jahre bleibt es, dreißig Jahre geht es. Rente bedeutet also: symptomfrei die letzten Jahre deines Lebens zu genießen. Symptomfrei, weil man nicht mehr schuften muss, um sich ein paar Quadratmeter Unterschlupf zu leisten mit Kühlschrank, Breitband-Anschluss und Amazon-Service. Rentner füttern Enten, lesen Bücher und philosophieren den ganzen Tag auf der Parkbank sitzend. So sollte das Leben 90 Jahre lang sein. Aber: Wir schuften, strampeln und hetzen uns ab, so dass viele von uns an den Symptomen des Lebens sterben, noch bevor auch nur eine einzige Ente gefüttert wurde.

 

 

Streifschuss vom 17. Januar 2017

Anlass: Schon wieder kein NPD-Verbot.

 

Unkaputtbar

 

To small zu fail! Nazis sind zwar böse Buben und Mädchen, aber es sind zu wenige böse Buben und Mädchen, um ihnen das Handwerk legen zu können. Verstehen Sie das? Was haben die Verfassungsrichter diesmal geraucht? Oder sind das schon ausgeprägte Zeichen einer Psychose? Schwere Denkstörungen bei den Verfassungsrichtern? Jedenfalls dürften sich die bösen Buben und Mädchen jetzt freuen. Sie verstoßen zwar gegen das Grundrecht, gegen die Menschenwürde, aber sie bloß deshalb zu verbieten? Natürlich nicht. Verbieten kann man sie laut Urteil erst, wenn sie an der Macht sind. Das ist unerträglich und absurd. Natürlich darf man sie weiter beobachten, aber nicht zu sehr weil sonst verletzt man das Gebot der Staatsferne. Schwierig für einen Nachrichtendienstler: Wie viele Meter Abstand bedeutet staatsfern? Das ist eben Demokratie. Der Rest ist Aufgabe der Polizei. Gewalt und Bedrohung, Nötigung, Körperverletzung etc.. Das ist alles im Strafrecht geregelt. Die bösen Nazis sind damit halt einfach Verbrecher wie andere Verbrecher auch. Das ist einerseits ein fast schon salomonisches Urteil, andererseits verstörend. Ist Salomon wirklich der geeignete Richter gegenüber Nazis? Dass das Schwert der Justiz hier nicht zugeschlagen hat, ist nicht nur ein Fehler. Es ist Symptom eines Staates, der sich nie völlig von seiner dunklen Vergangenheit getrennt hat. Es sieht aus, als versuchten die Richter mit Argumenten gegen politischen Wahn vorzugehen. In Wirklichkeit aber leben die Verfassungsrichter und die Nazis in ein und derselben Irrenanstalt namens Deutschland.

 

Streifschuss vom 12. Januar 2017

 

Anlass: Sicherheitsarchitektur

 

 

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Kameras, Fußfesseln,  Militäreinsatz im Innern, Zentralisierung des Verfassungsschutzapparates, Maaßen-Überwachung. Eben Sicherheit, immer wieder Sicherheit. Dabei geht das Wort Sicherheit auf sēcūritās zurück, was „sorglos“ bedeutet. Aber machen mich die blinkenden roten Punkte an jeder Straßenecke, diese vielen kleinen Augen wirklich sorglos? Macht es mich sorglos, wenn Politiker täglich eine neue Sicherheitssau durchs Dorf tragen? Macht es mich sorglos, wenn man bald die Gelegenheit hat, Blumen auf Panzerrücken zu legen? Macht es mich sorglos, wenn zugunsten eines besseren Verfassungsschutzes der in der Verfassung garantierte Föderalismus aufgegeben wird? Eher nein. Das alles macht mir Sorgen. Es verunsichert mich. Es ist ein merkwürdiger Verfassungsschutz, der einen so genannten Gefährder mit bekannter Einschränkung seiner Freizügigkeit einfach herumreisen lässt. Das ist kein Kommunikationsdefizit zwischen den Landesverfassungsschützern, auch keine Führungsschwäche, sondern sieht aus wie gewollt.
Es muss mal was passieren, damit die Leute endlich aufwachen, und wieder über unsere „Sicherheitsarchitektur“ diskutiert wird. Vielleicht war es nicht abgesprochen im Sinne einer Verschwörung, aber der reflexartige Diskurs der auf den Anschlag in Berlin folgte und die wie in einem Ping-Pong-Spiel sofort bereitliegenden Gegenmaßnahmen zeigen, dass dieser Anschlag wohl „nötig“ war, um „endlich wieder über unsere Sicherheitsarchitektur…“  Nein, das alles macht mich nicht sorgloser, wenn die Medien den Verfassungsschützern einen Fehler nach dem anderen nachweisen.
Roman Herzog ist tot. Und tatsächlich geht jetzt ein Ruck durch Deutschland, ein Ruck nach rechts. Oder male ich schwarz (bzw. braun), was doch nur „Staatsräson“ ist? Ist all das notwendig und nützlich, um den Staat zu erhalten? Oder opfert man gerade diesen Staat, den man gerne erhalten möchte? Manche Strenge lässt sich nicht mehr korrigieren. Wer einmal seine Kinder demütigt, der hat sie für immer verdorben. Und wenn der öffentliche Raum flächendeckend überwacht wird, fühle ich mich gedemütigt und erniedrigt. Kann ich sicher sein, dass meine verschlossene Haustür den Kameras noch Grenzen setzt, dass der BND meine whatsapp-Gruppe nicht aushorcht?  Diese Augen und Ohren sind künstlich, sie kennen keine Scham und nehmen auch keine Rücksicht. Sie blicken, sie starren und sie durchbohren mit ihren verkabelten Augen und Ohren letztlich meine Seele.
In dem Film „Der dunkle Ritter“, steht Batman vor all diesen Bildschirmen und sagt: „Ist das nicht wunderschön?“ Doch ist dieser Blick „hinab zum dunklen Ozean“ ein Blick auf das Haupt der Medusa.

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