Literaturprojekt
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Das Netflix-Tagebuch von Johanna Schubert – erscheint immer wenn Johanna Zeit hat.

Binge-Watching ist das Wort des Jahres 2015. Man spricht auch von Komaglotzen oder – weniger dramatisch – von einem Serienmarathon.

Besser als Alkohol, Ecstasy oder Hasch! Warum selber leben?

Okay, das hier ist ne Literaturseite. Aber der Bernhard meinte „ach was, die Leute lesen eh viel zu viel.“  Keine Ahnung ob der alte Mann da recht hat. „Opa“, hab ich zu Bernhard gesagt, „Lesen ist voll in Ordnung.“
„Schau alle Wirkenskraft und Samen und tu nicht mehr in Worte kramen“, hat er geantwortet. Wo er das wieder her hat? Na egal. Ich hab schließlich zugesagt und jetzt mach ich hier den Netflix-Striptease. Ist das jetzt eigentlich Werbung?

Ich hätte schon viel früher loslegen sollen. Die meisten guten Serien sind schon jetzt Geschichte. Aber ich werde hier nicht nur von den guten Serien berichten, sondern von allen. Und ich schau mir bestimmt noch die eine oder andere noch mal an. Oder ich erzähle hier von älteren Erfahrungen. Vielleicht sogar von solchen, die gar nicht auf Netflix laufen bzw. liefen, einfach weil sie eh gut waren. Es gibt also keine Regeln, keine ästhetischen Grundlagen oder so. Opa Bernhard meinte zu allem: „Mach einfach“. Okay! Mach ich. Auf geht’s Augen-Diary:

 

 

Cut 1 / 02. Dezember 17

Crazyhead

Geschrieben von einem gewissen Howard Overman premierte die Serie mit sechs Folgen in England im Oktober 2016. Es handelt von zwei jungen Frauen, die sich auf Dämonenjagd begeben. Irgendwann stellt sich heraus, dass eine der beiden Freundinnen eine Halbdämonin ist. Die bösen Dämonen versuchen – angeführt von einem als Psychiater getarnten Oberdämon – das Tor zur Hölle zu öffnen und die Herrschaft der Dämonen auf der Erde einzurichten. Die Story ist banal, hat viele pubertäre Züge in der es um verschmähte Liebe und die immer bescheuerte Beziehung zu den Eltern geht. Geil aber ist: Der Sound. Gib einfach auf youtube ein „Soundtrack Crazyhead“ und ab geht’s. Vor allem Gin Wigmore ist einfach sagenhaft dynamisch. Eine neuseeländische Songwriterin. Und es passt sogar zur Story. Gin schrieb im Alter von 17 Jahren einen Song für das Begräbnis ihres Vaters, mit dem sie einen Preis gewann. Wie scharf ist das denn!?  Oder Raise Hell, eine schwedische Death-Metall-Band die Dampf macht. Also anschauen, wer geile Mucke liebt und dem eine tiefgründige Story nicht so wichtig ist.

Stranger Things

Da wurde in der Presse schon viel drüber geschrieben. Und die beiden Staffeln kann man nur als puren Genuss beschreiben. Der Horror in dieser Geschichte über den Durchbruch des Dämogorgon in die reale Welt, den die Duffer-Brüder da hinlegten – Wahnsinn. Allein schon die Tatsache, dass der Dämogorgon in einem Mythologie-Lexikon von Benjamin Hederich erwähnt wird und die Tatsache, dass Goethes Faust genau diesen Erdgeist heraufbeschwört (weiß ich von Opa Bernhard), zeigt, dass sich die Duffer-Brüder auskennen. Hinzu kommt natürlich diese Hommage an die 1980er Jahre. Wer sich an die 80er Jahre erinnert, der hat sie nicht erlebt. Mein Vater war begeistert, weil er durch die Serie wieder viele Erinnerungslücken füllen konnte. Klamotten stimmen, Stimmung stimmt, Musik stimmt. Die ganze esoterische Künstlichkeit und ironische Zitierwut (Postmoderne) dieser Zeit stimmt bis hin zu den Ghostbusters. Unbedingt anschauen.

Dark

Das war mal wieder der deutsche Versuch. Habe bei Teil 2 abgebrochen. Warum nuscheln deutsche Schauspieler? Und dann ist die geheimnisvolle Hintergrundmusik ständig am Laufen. Furchtbar. Alle Protagonisten sind irgendwie seltsam. Es entsteht einfach keine Spannung und es fehlt ein entscheidender Faktor, es fehlt der Homor!! So was von humorlos! So was von deutsch. Nein ehrlich. Stranger Things ist geil und das macht Spaß, es ist eine Hommage und vermittelt weit mehr. Dark ist einfach ein Abklatsch und zu bemüht, angestrengt und dramaturgisch schlecht gemacht. Vielleicht bin ich zu hart in meinem Urteil, und ich werde vielleicht noch mal einen Versuch starten, die Serie anzuschauen – denn mit einer Serie ist es wie mit einem Buch: Es gibt dafür die richtige Zeit. Ich kenne Bücher, die habe ich mal angefangen zu lesen und schnell wieder weggelegt. Jahre später kramte ich sie zufällig wieder hervor und dann – wumm – geil! Wieso habe ich das damals nicht gelesen? Geben wir auch den Serien ihre Chance.

Soweit für heute – später mehr.

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